Die Lebensmitte - mehr als eine Midlife Crisis

Auf der Suche nach den Sinn des Lebens

Die Lebensmitte ist eine Zeit der Veränderung. Doch anders als bei der Pubertät, ist die Bilanz nach innen gerichtet.

Zwischen Ende 30 und Ende 40 erleben viele Menschen eine Zäsur. Oftmals fast flapsig als Midlife Crisis bezeichnet, ist dies eine Zeit um Bilanz zu ziehen und sich neu auszurichten. Der alternde Casanova mit neuem Sportwagen und junger Freundin gehört dabei eher in die Kategorie der schlechten Witze.

Der Zweifel in der Lebensmitte

Im jungen Erwachsenenalter wird aufgebaut. Man ergreift einen Beruf, gründet eine Familie oder wählt die Lebensweise, in der man sich zukünftig glücklich wähnt. Weichen werden gestellt – eine Basis gefunden. Der Psychoanalytiker C.G. Jung nennt es, „den Naturzweck erfüllen“.

Wer nicht mehr jung, aber auch noch nicht alt ist, hat alle Entscheidungen auf diesen Gebieten getroffen. Im günstigsten Fall läuft das Leben.

Gerade das, erzeugt ein Gefühl von Stagnation. Zweifel kommen auf und die eingeschlagenen Wege werden in Frage gestellt.

Habe ich meine Talente genutzt? Fühle ich mich in meiner Partnerschaft wohl? Hätten andere Entschlüsse mein Leben positiver gestaltet?

Es entsteht im Innern eine Grundsatzdiskussion. Gleichzeitig ändert sich in der Lebensmitte das Verhältnis zur Ursprungsfamilie. Die eigenen Eltern bieten nicht mehr das sichere Nest im Hintergrund. Sie sind nun möglicherweise die, die Hilfe und Unterstützung brauchen.

Der Wandel in der Lebensmitte

Anders als bei der dramatischen, nach außen orientierten Pubertät, läuft die kleine Revolution der Lebensmitte still und nach innen gewandt ab. Die Erfahrung der gelebten Jahre gewichtet vieles anders, als zu Aufbauzeiten. Nun setzt man sich mit der Sinnhaftigkeit seines Handelns auseinander. Ist das, was man bisher getan hat auch das, was man weiterhin tun möchte? Bewirkt man etwas damit? Kann man etwas weitergeben?

Die inneren Werte nehmen an Bedeutung zu. Das Leben bekommt einen „Kulturzweck“, wie C.G. Jung es bezeichnet.

Tatsächlich wird das Leben im höheren Alter vorbereitet. Wem es in der Lebensmitte gelingt, sich selbst zu reflektieren, hat später die größeren Chancen, ausgeglichen und gelassen alt zu werden. Dann ist man in der Lage, sein Leben so anzunehmen, wie es verlaufen ist.

Diese Tatsache unterscheidet im Übrigen die entwicklungspsychologische Krise in der Lebensmitte von der klischeehaften Midlife Crisis.

Wie jeder Wendepunkt birgt die Mitte des Lebens eine Vielzahl von Chancen. Aufgrund der Wirtschaftskrise oder der längeren Lebensarbeitzeit wird jeder dazu gezwungen, sich aktiv mit diesem Thema auseinander zu setzen. Man kann heutzutage nicht mehr davon ausgehen, dass alles immer so weitergeht, dass alle Entscheidungen „ewige Gültigkeit“ (C.G.Jung) haben.

Durch die Bilanz in der Lebensmitte steigt jedoch die Aussicht, das weitere Leben ruhiger und unabhängiger zu gestalten.

„Es ist eine Häutung im Gang“ so nennt es Hermann Hesse.

Jutta Baur - "Das Leben ist zu einem Zehntel so, wie man es sich macht, und zu neun Zehnteln so, wie man es nimmt." Ich habe bisher noch nicht ...

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