Die Legende vom Südkontinent und die Entdeckung Australiens

Captn Cooks
Captn Cooks "Endavour" - PD / pixelio.de
Die Geschichte der Entdeckung Australiens ist voller Legenden und Irrtümer. Ein Überblick von den Chinesen bis zu den Briten.

Die Idee eines Südkontinents (Terra Australis), einer großen Landmasse in der südlichen Hemisphäre, als physikalisch-symmetrisches Gegengewicht für Europa, Asien und Nordafrika, ist eine Idee der Antike und geht auf die Berechnungen von Ptolemäus zurück. Auch wenn Ptolemäus’ Idee in Europa für die nächsten eintausend Jahre keine große Verbreitung fand, überdauerte sie doch die Zeit der Ignoranz.

Die Entdeckung Australiens: Die Legende vom Südkontinent

Dank einiger Gelehrter wie Ambrosius Macrobius oder Isidor von Sevilla geriet die Idee einer Terra Australis nie vollständig in Vergessenheit und wurde während der Renaissance, in der das Interesse an der Geographie allgemein zunahm, wieder belebt. Mehr als fünfzig Editionen der Ptolemäischen Weltkarte wurden zwischen 1477 und 1730 veröffentlicht. Diese zeigt den Indischen Ozean als Binnenmeer von einer Landmasse umschlossen, die mit Afrika und Asien verbunden ist.

Mittelalterliche arabische Karten und die portugiesischen Entdeckungsfahrten zeigten zwar, dass der Weg nach Indien um Afrika herum möglich war, doch ließ dies niemanden wirklich an der Existenz eines Südkontinents zweifeln. Karten des 16. Jahrhunderts zeigten fast immer einen riesigen Südkontinent, Terra Australis Nondum Cognita, der beinahe die gesamte Fläche zwischen dem Äquator und Neuguinea bedeckte und unglaubliche Reichtümer besaß.

Die Entdeckung Australiens: Frühe Entdeckungsfahrten

Entgegen der vorherrschenden Meinung kann man heute davon ausgehen, dass die Entdeckung Australiens keine europäische Leistung war. Indische und chinesische Seefahrer besiedelten die südostasiatischen Inseln schon lange vor den Europäern. Die Nordküste Australiens war den Chinesen durch die Handelsbeziehungen mit den indonesischen Makassar bekannt, die das Land Marega oder auch Land von Trepang nannten.

Die Entdeckung Australiens: Die Chinesen oder doch die Portugiesen?

Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass die Chinesen selbst Australien erreicht haben könnten. 1879 wurde eine kleine geschnitzte Figur von Shou Lao, dem chinesischen Gott der Langlebigkeit, in der Nähe von Darwin gefunden. Auch malaiische Fischer besuchten die australische Nordküste und beeinflussten die dortige Kultur der Aboriginals. Die ersten Europäer, die die Gegend erkundeten, waren die Portugiesen. Es ist jedoch umstritten, ob die Portugiesen Australien entdeckten. Es gibt Hinweise darauf, dass es so gewesen sein könnte. Es wurden einige Kanonen, ein Schiffswrack und Karten portugiesischer Herkunft gefunden. Der Grund für eine mögliche Geheimhaltung der portugiesischen Entdeckung liegt klar auf der Hand: Australien liegt auf der Seite der Welt, die im Vertrag von Tordesillas (1494) beziehungsweise im Vertrag von Saragossa (1529) den Spaniern zugesprochen wurde.

Die Entdeckung Australiens: Willem Jansz

Die kolonialen Erben der Portugiesen in der Südsee waren die Niederländer. Wie die Portugiesen vernahmen auch die Niederländer Gerüchte über ein reiches Land im Süden. 1605 unternahm Willem Jansz eine erste Entdeckungsfahrt mit der Duyfkin. Er segelte von Bantam nach Banda, von dort zu den Kai-Inseln, über Aru nach Neuguinea, um dort die Küste zu erkunden. Er passierte die Torres-Strasse und segelte das Kap-York hinunter und durch den Golf von Carpentaria. Bedauerlicherweise bemerkte er nicht, dass er ein neues Land entdeckt hatte.

Die Entdeckung Australiens: Jan Carstensz

1623 wurde der nächste Versuch unternommen. Jan Carstensz folgte mit der Pera und der Arnhem Jansz’ Route, zeigte sich jedoch enttäuscht von dem, was er sah: Trockenes Land, salzige Flüsse und Eingeborene, die nichts zum Handeln besaßen. Auf dem Rückweg trennten sich die Schiffe. Die Pera unter Carstensz Kommando segelte nördlich bis zur Endeavour-Strasse, während die Arnhem unter der Führung von Willem van Coolsteerdt den Golf von Carpentaria überquerte und das Land entdeckte, das heute nach seinem Schiff benannt ist.

Die Entdeckung Australiens: Die "Entdeckung" der Westküste

Die Entdeckung der australischen Westküste ist fast ausschließlich Kapitänen vorbehalten gewesen, die die neue Passage nach Indonesien falsch berechneten. Während die Niederländer früher Afrika umrundeten, um dann westlich an Madagaskar vorbeizusegeln Richtung Indien, entdeckte Hendrik Bouwer 1611 eine bei weitem schnellere Möglichkeit, Indonesien zu erreichen. Sobald er das Kap der Guten Hoffnung umrundete, ließ er sich von den ganzjährig starken Westwinden Richtung Osten treiben, bis er zwischen den Breitengraden 35 bis 40 nach Norden segelte. Dieser Husarenritt verkürzte die Reisezeit auf unter sechs Monate. Zu damaliger Zeit war es jedoch navigationstechnisch nicht möglich, den Längenmeridian zu errechnen und so segelten einige holländische Kapitäne zu weit nach Osten. Wenn sie das taten, kamen sie in Kontakt mit Australiens Westküste und begannen so mit der Kartographisierung. Unter ihnen waren Dirck Hartog (1616), Francois Thijssen (1627) und Gerrit Frederikszoon de Witt (1628).

Die Entdeckung Australiens: Abel Tasman und Van Diemensland

Erst 1642 gab Anthony Van Diemen, der Generalgouverneur von Niederländisch-Ostindien, Abel Janszoon Tasman den Auftrag, diesen Kontinent, der mittlerweile Neuholland genannt wurde, ausgiebig zu erforschen und neue Märkte zu erschließen. Am 24. November desselben Jahres trifft er auf Tasmanien, das er Van Diemensland nennt. Er belegt, indem er weiter südwärts segelt, dass das neu entdeckte Land kein Teil des legendären Südkontinents sein kann. Er bleibt jedoch den Beweis schuldig, dass es sich bei Tasmanien um eine Insel handelt.

Die Entdeckung Australiens: Abel Tasmans und Neuseeland

Im Dezember stößt Tasman auf das bisher unbekannte Neuseeland, segelt die Küste entlang nordwärts, muss jedoch auf Grund schlechten Wetters nach Batavia (Jakarta) abdrehen. Damit beweist er, dass eine Umsegelung Neuhollands möglich ist. Aus Sicht der holländischen Ostindienkompanie waren Tasmans Entdeckungen jedoch wertlos, da er weder neue Handelsmöglichkeiten erschlossen, noch die Frage geklärt hatte, ob Neu-Guinea und Neuholland verbunden sind. Auch auf seiner zweiten Reise 1644 blieb er den Beweis schuldig und das holländische Interesse an diesem trockenen und riesigen Kontinent nahm ab.

Die Entdeckung Australiens: Die britischen Entdeckungen

Die Briten kamen recht spät an die australische Küste. Der erste Engländer, der diesen Kontinent besuchte und ausgiebig darüber berichtete, war William Dampier. Beim ersten Mal kam er als Pirat, beim zweiten Mal als Entdecker. James Cook war der letzte Entdecker, der auf die Suche nach dem legendären Südkontinent geschickt wurde. Cooks Reise dauerte drei Jahre, in denen er weiter nach Süden segelte als jeder andere vor ihm, doch den legendären Südkontinent fand er nicht. Stattdessen kartographisierte er Neuseeland, bewies, dass es sich dabei um eine Doppelinsel handelt, erkundete die bisher unbekannte Ostküste von Neuholland und erklärte sie 1770 zu britischem Besitz. Bis zur Besiedlung des Kontinents sollten jedoch noch einige Jahre vergehen.

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Quellen:

  • Frost, Alan/ Williams, Glyndwr (Hg.): Terra Australis to Australia, Melbourne 1988.
  • Clark, Manning: A Short History of Australia, 6. Aufl., Sydney 1969.
  • Laidlaw, Ronald: Mastering Australian History, Melbourne 1988.
  • Scott, Ernest (Hg.): Australia, 2. Aufl., Sydney 1988.
Alexander Schelling, Urheber: Christine Mansel

Alexander Schelling - Als freier Journalist für das "Medienbüro Arbeitswelt" (Berlin) tätig (seit 2003). Themenbereiche: Migration, ...

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