Die Legende vom Verdauungsschnaps

Kann man mit einem Digestif die Verdauung verbessern?

Um ein Festessen abzurunden, wird häufig ein Verdauungsschnaps gereicht. Aber hilft der so genannte Digestif wirklich bei der Verdauung?

Die Verdauung wird nach einem schönen Festessen vor eine schwere Arbeit gestellt. Damit der Organismus das gute Essen besser verarbeiten kann, wird in vielen Haushalten ein Verdauungsschnaps gereicht. Der hochprozentige Schnaps soll den Magen-Darm-Trakt anregen, damit das Völlegefühl schneller verschwindet und das Essen schneller verarbeitet wird. Doch wie in vielen anderen Fällen hilft der Alkohol auch bei der Verdauung nicht.

Der Verdauungsschnaps hilft dem Organismus nicht. Eher ist der Gegenteil der Fall. Zwar breitet sich nach dem Genuss des Digestif ein wohlig warmes Gefühl im Magen aus, das ist jedoch kein Anzeichen für eine funktionierende Verdauung. Es fühlt sich zwar gut an, doch das Essen wird dadurch nicht schneller verarbeitet.

Gerade ein klarer Schnaps, wie Obstler, Korn, Sliwowitz oder Grappa schadet der Verdauung mehr als dass diese angeregt wird. Denn Alkohol (oder Ethanol) ist für den Menschen zwar umgangssprachlich gesagt ein Genussmittel, für den Organismus aber ist Alkohol giftig. In größeren Mengen sorgt er für Schwindel, Übelkeit und Kopfschmerzen. Das kennt wahrscheinlich jeder, der schon einmal einen Kater hatte. Der Körper strebt danach, das Gift zuerst abzubauen, damit im Organismus nicht mehr Schaden als unbedingt notwendig angerichtet wird. Anstatt das fettige Essen zu verarbeiten, kümmert sich der Verdauungstrakt zunächst um den Schnaps. Das Essen bleibt also deutlich länger unverdaut im Magen.

Welche Schnäpse helfen bei der Verdauung?

Kräuterschnäpse oder Kräuterliköre können zwar die Verdauung unterstützen, dafür sind aber die Kräuter verantwortlich und nicht der Alkohol. Insofern könnte man auch einen Kräutertee trinken oder ein Kräuterbonbon lutschen und hätte einen ähnlichen Effekt wie beim Kräuterschnaps, wenn nicht sogar einen besseren, da kein Alkohol darin enthalten ist. Um die Verdauung zu unterstützen, könnte man statt dem Kräuterschnaps besser das Essen mit Kräutern würzen. Besonders geeignet sind Kümmel, Lorbeer, Bohnenkraut und Fenchel.

Wer auf den Verdauungsschnaps nicht verzichten will, sollte also statt klarer Schnäpse lieber einen Kräuterschnaps trinken. Ganz die Finger sollte man von allen dunklen Schnäpsen lassen; also keinen Cognac, Whisky oder Rum trinken. Der Grund liegt in der Herstellung. Diese Spirituosen erhalten ihre Färbung durch Zuckercouleur oder durch Karamell. Der Zucker beeinträchtigt zusätzlich die Verdauung.

Warum schadet Alkohol der Verdauung?

Damit der Körper in Ruhe verdauen kann, lässt man am besten ganz die Finger vom Alkohol. Denn Alkohol verlangsamt die Magenentleerung. Der Alkohol gelangt schnell vom Magen ins Blut und von dort aus ins Gehirn. Dort angekommen blockiert er bestimmte Nerven, die für den Transport der Nahrung vom Magen in den Darm zuständig sind. Alkohol verlangsamt also grundsätzlich die Verdauung.

Wer nach einem reichhaltigen Festtagsmenü seine Verdauung unterstützen will, sollte also besser an der frischen Luft einen kleinen Spaziergang einlegen. Das regt nicht nur den Kreislauf, sondern auch die Verdauung an. Aber der Verdauungsschnaps ist leider nur ein Ernährungsmythos.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

Christian Riedel - Dipl. Sportwissenschaftler, cgr

Christian Riedel - Wenn man aus dem tiefsten Schwaben kommt und in den Medien arbeiten will, hat man nur zwei Möglichkeiten. Entweder man lernt ...

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