
- Geisterlegende - Scully van Funkel
Diese thailändische Geisterlegende aus dem 17. Jahrhundert berichtet von einem einst frisch verheirateten Ehepaar. Das Pärchen lebte in dem abgelegenen Dorf Phra Khanong in wunderbarster Harmonie bis der Ehemann Nai Maak rekrutiert und ins Ausland geschickt wurde. Schweren Herzens ließ er seine schwangere Gattin Mae Naak Phra Khanong zurück, da sie den Strapazen einer solch langen Reise nicht gewachsen war und der Geburtstermin unmittelbar bevorstand. Es sollte auch nicht lange dauern, bis Mae Naak in den Wehen lag. Auf sich alleine gestellt und von schwächlichem Zustand kam es zu Komplikationen, die Mutter und Kind das Leben kosteten. Da Mae Naak, über den Tod hinaus, ihrem Gemahl in inniger Liebe zugetan war, weigerte sich ihr Geist das irdische Reich zu verlassen und wartete auf die Rückkehr des geliebten Mannes, der von dem tragischen Schicksal seiner kleinen Familie keinerlei Ahnung hatte.
Tag um Tag, Woche um Woche, hoffte die Dahingeschiedene auf die Heimkehr Nai Maaks. Doch nichts geschah und Mae Naaks liebreizendes Wesen veränderte sich. Sie wurde aggressiv, griff Dorfbewohner an, lehrte den Lebenden das Fürchten und tötet einige Nachbarn, indem sie ihre Körper bis auf den letzten Blutstropfen aussaugte.
Nai Maak erkannte die Wahrheit nicht
Nach vielen Monaten des "überirdischen" Terrors kam endlich der Tag an dem Nai Maak vom Krieg heimkehrte. Als er in seinem Dorf eintraf, empfing ihn seine wunderschöne Gattin mit dem Baby auf dem Arm, führte ihn in die saubere Hütte, kredenzte die köstlichsten Speisen und verwöhnte ihn, wie sie es zu Lebzeiten getan hatte.
Als die Dorfbewohner von der Rückkehr des Kriegers hörten, liefen sie sofort zu seiner Hütte und berichteten von dem Tod seiner Frau und seines Kindes und wie bösartig der Geist von Mae Naak geworden war. Der Witwer wollte das jedoch nicht glauben, denn schließlich stand sie vor ihm, jung, schön und liebreizend. Er bemerkte nicht, dass Mae Naak längst keinen physischen Körper mehr hatte und bezichtigte die Dorfbewohner der Lügen als sie immer wieder von dem Tod seiner Frau und des Kindes berichteten.
Eine Zitrone wendete das Schicksal
Es vergingen viele Wochen des Glücks und der Eintracht ohne das Nai Maak den Betrug bemerkte. Eines Tages jedoch fiel seiner (toten) Ehefrau eine Zitrone durch den Holzfußboden der Küche und Nai Maak beobachtete mit Entsetzen, dass sie ihren Arm bizarr verformte, als sie die Frucht aufhob. Blitzartig wurde ihm bewusst, dass die Dorfbewohner die Wahrheit gesprochen hatten und er tatsächlich mit einem Geist zusammenlebte.
Mae Naaks Geist wurde in eine Flasche verbannt
Der Witwer bat einen Mönch um Hilfe, der mit allerlei okkulten Praktiken vertraut war, da Mae Naak ihn nicht gehen lassen wollte und ihr abscheulicher Charakter immer offensichtlicher wurde. Der Mönch stufte die Tote als überaus gefährlichen Dämon ein und verbannte den liebestollen Geist in eine Flasche, beschriftete diese mit einem Bannzeichen, packte das Gefäß in bunte Tücher und warf es in den nahe gelegenen Fluss.
Jahre später fanden zwei Fischer die Flasche, öffneten sie und Mae kam frei. Sofort suchte sie ihren Mann auf, musste jedoch mit Entsetzen feststellten, dass dieser inzwischen wieder geheiratet hatte. Voller Zorn tötete die Geisterfrau ihre Konkurrentin und verbreitete erneut Angst und Schrecken unter den Lebenden.
Nai Maak wird von seiner toten Frau ermordet
Daraufhin suchte Nai Maak abermals jenem Mönch auf, der ihm schon einmal behilflich war. Unbemerkt folgte Mae ihrem Ehemann bis zum Anwesen des spirituellen Meisters. Dort versteckte sie sich in den Stämmen der unzähligen Bananenbäume, die das Haus des Mönches vor der Außenwelt abschirmten, bis sich ihr eine Gelegenheit bot, den geliebten Gatten zu töten. Laut der Legende, flogen beider Seelen in ein gemeinsames Leben, jenseits der uns wahrnehmbaren Welt.
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