Betrachtet man die Lehnbeziehungen von Anglizismen, so lassen sich insgesamt fünf verschiedene Typen unterscheiden. Mit dieser Unterscheidung gelingt es die verschiedenen Rollen von englischen Lehnwörtern im deutschen Sprachgebrauch entscheidend zu differenzieren. Dies ist vor allem bei der Analyse der Entlehnungsgründe und der Integration von Anglizismen wichtig.
Die Wortentlehnung
Die Wortentlehnung beschreibt die Übernahme englischer Lexeme, welche vom Ausmaß unterschiedlich stark an das Laut-, Schreib- und auch an das Grammatiksystem der aufnehmenden Sprache (in diesem Fall Deutsch) angepasst und somit innerhalb der aufnehmenden Sprache integriert werden. Häufig findet diese Anpassung bei der Mehrzahlbildung statt, wie unter anderem bei den Wörtern Tunnel oder Killer. Unangepasst in diesem Zusammenhang wären der Plural von Chips und Fans. Dabei ist es wichtig festzuhalten, dass es keine deutliche Abgrenzung zwischen angepasstem Lehnwort und unangepasstem Fremdwort gibt.
Die Lehnübersetzung
Lehnübersetzungen ergeben sich aus den lexematisch exakten englischen Entsprechungen. Lehnübersetzungen können daher auch als ‚Eins-zu-eins-Übersetzungen’ angesehen werden. Sie treten somit oft bei Zusammensetzungen auf: Autobombe, Gehirnwäsche, Schwarzmarkt oder auch Schnappschuss.
Die Lehnübertragung
Lehnübertragungen stellen Lehnbeziehungen dar, die etwas freier als die Lehnübersetzungen den englischen Vorbildern nachgebildet sind. Das semantische Konzept, dass dabei hinter dem entlehnten Wort steckt, wird bei der Bildung neuer Wörter bei der Lehnübersetzung kopiert. Das Wort wird aber nicht, wie bei der Lehnübersetzung, eins zu eins übernommen. Somit ergeben sich Abweichungen bei Wörtern wie sky-scraper > Wolkenkratzer, air-lift > Luftbrücke oder one-way-street > Einbahnstraße. Ein Teil wird hier übernommen (scraper, air, one und street), der andere aber nicht (Wolken statt Himmel, Brücke statt Aufzug und Bahn statt Weg), sondern durch andere Lexeme ersetzt.
Die Lehnbedeutung
Diese Art der Lehnbeziehung sind Bedeutungsentlehnungen für bereits existierende Wörter der aufnehmenden Sprache. Dabei wird das Bedeutungsspektrum des entlehnten Wortes übernommen. Die Teilbedeutungen sind bereits bei einem anderen deutschen Wort beispielsweise zu finden. Exempel wären unter anderem in den Wörtern kontrollieren (beherrschen), feuern (entlassen) und genau! (von exactly) zu finden. Ferner beinhaltet das Wort realisieren im Deutschen nach dem englischen Vorbild realize den Sinn etwas zu bemerken plus etwas zu verwirklichen.
Phraseologismen
Phraseologismen treten entscheidend seltener als Lehnbeziehung auf. Dies erklärt sich dadurch, dass nur wenige englische Redewendungen vollständig übernommen und integriert werden. Dennoch stolpert man hin und wieder über eben solche, wie fifty-fifty machen oder do it yourself. Vielmehr treten mehr übersetzte oder frei übertragende englische Verbindungen bei Internationalismen auf. In der Politik ergeben sich so die Begriffe Eiserner Vorhang oder Dritte Welt. Im Alltagsleben sind diese noch schwerer zu erkennen: das Beste daraus machen oder jemandem die Schau stehlen.
