
- Die Lehrerin, Anna Loos, Meret Becker - Network Movie
„Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ - die Lehrerinnen Andrea (Anna Loos) und Katja (Meret Becker, "Fliegende Fische müssen ins Meer" ) sitzen – angezogen - zusammen in einer Badewanne, die sich unter einem Apfelbaum befindet. So das Cover-Foto zum TV-Film Tim Tragesers, bei dem es sich um Amok handelt.
„Immer der Nase nach“ - den richtigen Riecher haben
Mit ihrem vorlauten und grässlichen Gesang (Meret-Becker-CDs gab es als Ramschware für 1 Euro bei Media Märkten) steigt Rolf Beckers Tochter in das TV-Drama ein, bevor sie von einem ihrer Schüler erschossen wird, nachdem sie einmal zu oft „Lord, won't you buy me a Mercedes Benz“ schlecht vortrug. Eher wie eine Erstsemester-Studentin, als eine Lehrerin bewegt sich Otto Sanders Zieh-Tochter Meret durch die Flure der Schule - wie durch einen Zahn-Friedhof. „Wenn man ihre Schüler nach dem Stoff fragt, dann starren sie einem mit leeren Augen an.“ Ihre letzten Worte handeln von Drogen, Aufputschmitteln wie Guarana, „Bäumchen wechsel dich“-Spielchen - ihr Lieblingsspruch wird ihr zum Verhängnis.
Übererregung ist oft Symptom eines Traumas
Der Schock nach dem Schuss und das Warten darauf, dass die Polizei eintrifft, wurden unglaubwürdig gespielt. Richtig schlecht sind die dargestellten, aufgebrachten Eltern-Szenen, als diese zur Lehrer-Konferenz erscheinen und sich künstlich aufregen. Klassen aufteilen, zu einer Form der Routine zurückkehren – während die angeschossene Katja schwach im Koma liegt und ihre Kollegin mit Worten um deren Leben ringt. „Die Theatralischen isolieren, wenn sie keine heulende Klasse haben wollen“ - neue Themen auf der Schule des Amoks. Katja hatte ja eigentlich nicht im Biologie-Saal Unterricht, es hätte auch Andrea treffen können. Diese leidet nun darunter, dreht emotional durch.
Wer ist der Amok-Schütze, warum handelte er?
„Schmeckt doch lecker – hauptsache es 'knallt'“. Immer wieder wird in Rückblenden die Freundschaft der Lehrerinnen erzählt, die ihre Mojitos mit Oregano anstatt Minze trinken. Nicht nur der Alkohol knallt, auch Justin, der Amok-Schüler. Wer er ist und weshalb er Amok lief, wird nicht großartig thematisiert. „Es gibt nichts Heilenderes als Arbeit, es bringt nichts, wenn die Gedanken sich ständig im Kreis drehen“ - so die überlebende Lehrerin zu ihren Schülern, die lediglich durch Malen von Selbstportraits ihre Erschütterung zum Ausdruck bringen.
Mobbing - doch als Lehrerin muss man immer Sieger sein?
Justin - er wurde gemobbt. Rechthaberisch, erregbar, faul und respektlos. Ein Wanderpokal: immer waren die Lehrer schuld. Sie sollten ihn nicht wieder abschieben, sondern integrieren, als er einen Stuhl nach einem Schüler warf. Über Justin wird nur geredet – man sieht ihn nicht. Jasmin ist das Thema und Mutter-Kind-Zentren. Sie ist schwanger und erst 14, der Vater 18. „Als Lehrerin muss man immer Sieger sein“ - ein unglücklicher Zufall, wenn man nur nach dieser These unterrichtet. Justin fühlte sich schlecht behandelt, er hatte keine Freunde außer Marc, er war unglücklich wegen Lisa. Peng!
„Du stirbst nicht und ich kündige nicht“ - geht dieser Deal auf?
Andrea versucht Koma-Katja zu schminken, herzurichten. Meret Becker wirkt in ihren Performances in letzter Zeit immer leicht überdreht und als habe sie bei Pinochio Sprach-Unterricht genommen. Die Synchron-Stimme des Lügenbolds ist ihrer so ähnlich, dass man meint, ihre Nase wächst gleich einen Meter, wenn sie wieder wie Pinochio spricht. Richtig gut singen kann Anna Loos. „Mercedes Benz“ hört sich in ihrer Version ausdrucksstark an, als Frontfrau der Kultband Silly landete sie ganz oben in den Charts, wovon Meret Becker mit ihrer Pinochio-Pieps-Stimme nur träumen kann. Insgesamt ist dieser TV-Film unterdurchschnittlich, doch wegen Anna Loos noch sehenswert, aber nicht bis zum Ende.
