Die Leichenfarm des William Bass

Ein Schäödel von der Leichenfarm? - KoboldScholz
Ein Schäödel von der Leichenfarm? - KoboldScholz
In Tennessee befindet sich ein Wald voller Leichen. Sie dienen der Polizei bei der Verbrechensaufklärung.

Krimiautorin Patricia Cornwell, ehemalige Gerichtsreporterin und Computerspezialistin, beschreibt in ihrem Buch „The Body Farm“ (Droemer Knaur-Verlag) die Eindrücke der Pathologin Kay Scarpenter, die sich - auf Spurensuche nach einem Serienkiller - auf die Farm der Leichen begibt. Diese „Body Farm“ gibt es tatsächlich. Sie befindet sich im US-Staat Tennessee, genauer gesagt im Wald hinter der Universitätsklinik von Knoxville am Fuße der Smoky Mountains.

Die Entstehung der „Body Farm“

Dr. William Bass, ein passionierter Leichenforscher und Leiter des Anthropologischen Instituts von Knoxville, sollte im Jahre 1971 für die Polizei eine bereits aufgedunsene kopflose Wasserleiche identifizieren. Es war Wochenende und Bass fand keinen Aufbewahrungsort für den Toten. Also packte er ihn ein und deponierte ihn in der Abstellkammer des nahen Football-Stadions. Davon hatte jedoch der Hausmeister des Stadions keine Ahnung und öffnete das Paket…

Der Dekan der örtlichen Uniklinik wies Bass daraufhin ein Gelände zu, damit dieser seine Leichenforschungen fortführen konnte. Nach anfänglichen Protesten seitens der Spaziergänger, die ungewollt auf das Terrain einen Blick warfen, wurde das Gelände umzäunt. Derzeit befinden sich dort bereits hunderte von Leichen in verschiedenen Verwesungszuständen und unter unterschiedlichen Bedingungen: nackt, bekleidet, in unterschiedlicher Tiefe begraben, im Schatten, in der Sonne, auf dem Rücken oder Bauch liegend, in Säcken verpackt, im Wasser oder auch in Autos.

Untersuchungen an den Toten

Die unterschiedlichen Bedingungen für die Lagerung der Leichen sind wichtig, da verschiedene Verbrechenszenarien nachgestellt werden müssen. Untersucht werden u.a. die Zeit, die ein Körperteil braucht um abzufallen sowie die Konzentration der Bakterien in den Organen. Alle 6 Stunden werden die Körper fotografiert und die Resultate akribisch dokumentiert. Die Wichtigkeit der Studien bewirkte, dass Protestaktionen z.B. seitens religiöser Gruppen die Forschungen nicht zum Abbruch brachten.

Der Sinn der Leichenfarm

Offiziell Anthropological Research Facility genannt, ist die Farm das Schlaraffenland für allerlei Lebensformen, die sich von Aas ernähren wie Bakterien, Fliegen, Maden, Käfer. Je nach Befall und Entwicklungsstadien zum Beispiel von der Made zur Fliege, kann der Forscher William Bass den Todeszeitpunkt der Verstorbenen genau berechnen und ist somit bei der polizeilichen Arbeit enorm wichtig geworden. Vor allem bei der Verbrechensaufklärung ist der Eintritt des Todes von großer Prägnanz.

Wer sind die Toten auf der „Body Farm“?

Mittellose Verstorbene, die keine Verwandten mehr haben und in die Obhut des Staates fallen, sind die unfreiwilligen Versuchsobjekte. Jedoch finden sich immer mehr Personen, die sich nach ihrem Tod der Farm zur Verfügung stellen wollen. Genauso wie diejenigen, die ihren Körper der Wissenschaft spenden wollen. Die letzteren dürfen allerdings nur mit dem Einverständnis ihrer Verwandten der „Body Farm“ überstellt werden.

Der Knochenleser William Bass

Eigentlich wollte er Therapeut werden, entschied sich dann aber für die forensische Anthropologie und war knappe drei Jahrzehnte Professor im Anthropologie-Department der Universität von Tennessee. Inzwischen im Ruhestand, stellt sich William Bass in seinen Memoiren „Der Knochenleser“ die Frage nach dem Verbleib seiner eigenen sterblichen Überreste: „Werde ich praktizieren, was ich predige? Werde ich mein Leben zu seinem logischen Abschluss bringen?“

Quelle: „Der Knochenleser“, Goldmann-Verlag

Sylvia Prokop, Sylvia Prokop

Sylvia Prokop - Trainerin für Verkauf, Kommunikation, Rhetorik, Motivation, Deutschtrainerin für Migranten (Österreichisches ...

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