Die letzte Diva: zum Tod von Dame Elizabeth Taylor

Elizabeth Taylor in Cleopatra - Twentieth Century Fox
Elizabeth Taylor in Cleopatra - Twentieth Century Fox
Eine der letzten Filmlegende (27.02.1932 - 23.03.2011) stirbt 79-jährig an Herzversagen in Hollywood

"Elizabeth Taylor hat uns verlassen", twitterte, in Anlehnung an das berühmte "Elvis has left the building" Perez Hilton, seines Zeichens Medienguru der allerjüngsten Generation von Hollywood-Berühmtheiten und -fans. Und auch wenn man sich fragt, wie viele seiner Anhänger überhaupt noch wissen, wer Elizabeth Taylor - geschweige denn Elvis - war, so muss man doch zugeben, dass die legendäre Paraphrasierung dem Ereignis angemessen ist.

Eine Hollywood-Ikone fast von der Wiege bis zur Bahre

Die Karriere von Dame Elizabeth Rosemond Taylor (die gebürtige Britin wurde am 16. April 2000 von der Queen in den Rang eines Commanders of the British Empire erhoben) fing 1942 mit dem Film Lassie Come Home an. Der Streifen um den findigen Collie entpuppte sich für Metro Goldwyn Meyer als wahre Gelddruckmaschine und bescherte der jungen Dame einen Vertrag mit dem Studio - im zarten Alter von 10 Jahren. Nach weiteren mehr oder minder gewichtigen Rollen katapultierte sie der Film National Velvet in die Star-Liga. Da war sie 12 - und es begann ein Leben, das Stoff genug geliefert hätte, um daraus gleich mehrere Legenden zu stricken.

Über die nächsten sechs Jahrzehnte sollte Liz Taylor, so der Kosename, den das Publikum ihr verpasste und der hängen blieb, unter den Augen einer faszinierten Öffentlichkeit beruflich und privat im atemberaubenden Tempo Höhenflüge und Tiefschläge aneinander reihen. Und wer sich heute nach den Gründen der Faszination fragt, der verkennt das Außergewöhnliche, das diese Frau verkörperte, außergewöhnlich im wahrsten Sinne des Wortes, "alle Rahmen sprengend" also.

Anders als alle anderen - und das mit violetten Augen

Jahrzehntelang trug sie den Titel "schönste Frau der Welt". Produzenten, Regisseure und Presse mochten sagen, was sie wollten, konnten sich beschweren nach Herzenslust, dass sie zu klein, zu dick, einfach nicht perfekt genug sei, am Ende wurden sie alle schachmatt gesetzt von einem Argument: "Ja, aber haben Sie diese Augen gesehen?" In der Tat. Diese Augen, groß und violett-leuchtend aus einem herzförmigen Gesicht unter schwarzer Lockenpracht, verzauberten alle, sämtliche Co-Stars, das Publikum für Generationen und so ziemlich alle Männer, die ihr begegneten. Noch in den ’70er Jahren, als Elizabeth Taylor schon nicht mehr so ganz in voller Blüte stand, träumten selbst harte Rocker von der Frau und benannten ihre Band nach ihr (in schlanker Form): Thin Lizzy.

Privat resultierte die Magie, die sie ausstrahlte, in acht Ehen. Milliardäre, Hollywoodstars und Senatoren warben nacheinander um sie, überhäuften sie mit Luxus und - ihre Schwäche für Juwelen kennend - mit dem teuersten Schmuck der Welt. Elizabeth Taylor hatte, neben violetten Augen und einer bemerkenswert strapazierfähigen Figur offensichtlich auch ein großes Herz und erhörte so manche von ihnen. Wen sie erhörte, den heiratete sie auch.

Die AIDS-Aktivistin

Das große Herz stellte sie dann später in den ’80ern erneut unter Beweis, als das prüde Amerika der Reagan-Jahre das neu-entdeckte HIV-Virus als Homosexuellen-Pest und gerechte Strafe Gottes für Randgruppen brandmarkte und entsprechend staatliche Budgets für die Erforschung und Bekämpfung der Krankheit verweigerte. Unter dem Eindruck des Todes von Rock Hudson, mit dem sie eine lebenslange Freundschaft verband, setzte Elizabeth Taylor sich mit ihrer Popularität und ihrem Vermögen dafür ein, dass die American Foundation for AIDS Research ins Leben gerufen wurde und gründete später mit der Elizabeth Taylor Aids Foundation noch eine eigene Stiftung. Für beide Organisationen sammelte sie mehr als 100 Millionen US-Dollar an Spenden ein. Ein ihr ebenfalls eigener Geschäftssinn wird zum Erfolg dieser Aktionen beigetragen haben.

Das Businessimperium der Elizabeth Taylor

Die Bekanntheit ihrer Leidenschaft für Schmuck und Luxus ausnutzend, begründete Elizabeth Taylor in den ’70er und ’80er Jahren, als ihre Auftritte vor der Kamera seltener wurden, eine eigene Schmuck- und Parfumkollektion, womit sie zum ersten Star wurde, der sich auch auf diesen Gebieten versuchte - und zwar, wie für sie üblich, mit außergewöhnlichem Erfolg. Ihre bei Piranesi erschienenen Schmuckdesigns werden über Christie’s verkauft, während die drei Parfums, die sie herausbrachte, einen jährlichen Umsatz von 200 Millionen US-Dollar verbuchen.

Doch turbulentes Privatleben, jahrzehntelange Ikone, Charity-Lady und Geschäftsfrau verblassen gegenüber ihren Leistungen auf der Leinwand.

Eine makellose schauspielerische Karriere

Die Laufbahn Elizabeth Taylors, so erfolgreich sie auch auf anderen Gebieten gewesen sein mag, war und blieb dominiert vom Zelluloid. Spencer Tracy, Robert Taylor, Peter Ustinov waren nur einige der Co-Stars, an deren Seite sie schon zu Beginn ihrer Karriere auffiel. Als sie 24-jährig im Texas-Epos Giants brillierte, da war Liz Taylor im Kreis des elf Jahre älteren Rock Hudson und des ein Jahr älteren James Dean der alte Hase am Set.

Giants brachte George Stevens den Oscar als bester Regisseur ein. Ein Jahr später erhielt auch die Taylor ihre erste Nominierung für Raintree Country an der Seite von Montgomery Clift, mit dem sie auch für Suddenly, Last Summer vor der Kamera stand, wofür sie ebenfalls für den Oscar nominiert wurde. Dazwischen lag noch die Rolle der Maggie in Cat on a Hot Tin Roof. Bei den Academy Awards gingen sowohl sie als auch ihr Mitstreiter Paul Newman, beide nominiert, erneut leer aus. Die Verleihung kam erst 1960, für Butterfield 8. Wie bei Newman, war es nicht der ganz große Wurf, der endlich die begehrte Auszeichnung einbrachte.

Doch immerhin, der erste Oscar verhalf Liz Taylor dazu, eine andere Landmarke einzunehmen: für Cleopatra durchbrach sie 1963 als erste Schauspielerin die Schmerzgrenze von einer Million US-Dollar Gage und eroberte, ganz nebenbei, auch Richard Burton, der Ehemann Nr. 5 (und 6) wurde. Das turbulente gemeinsame Leben verarbeiteten sie 1966 auf der Leinwand in Who's Afraid of Virginia Woolf?, wofür der zweite Oscar ins Haus stand.

Danach wurde es ruhiger um die Schauspielerin Elizabeth Taylor, wenn man bei 23 weiteren Rollen bis 2001 von "ruhig" sprechen kann. Das Fernsehen war dazu gekommen, das Kino änderte sich, und die Schauspieler mutierten von Leinwandgöttern zu Kumpels von nebenan.

Elizabeth Taylor zog es da vor zu bleiben, was sie war: Stoff, aus dem Träume sind.

Sie wird überlebt von zwei Ex-Gatten, vier Kindern, zehn Enkeln, vier Großenkeln und Millionen Fans.

Ruxandra Ilea - Geboren in Bukarest. Studium in Amsterdam, Bochum, Berlin (Jura und Geschichte). Unternehmensberatung bis 1999. Übersetzungen und ...

rss