Bankenkrise, Euro-Sorgen, Griechenland-Katastrophe – trotz dieser und noch anderer ökonomisch-politischer Negativismen gibt es überraschenderweise eine optimistische Vorhersage: Der Luftfahrt gehört die Zukunft, sie kann – zum Teil sogar bis ins Jahr 2030 – mit nicht einem beträchtlichen Aufwind rechnen. Das prophezeihen sowohl die IATA, die International Air Transport Association, als auch die größten Flugzeugbauer, Airbus und Boeing, übereinstimmend. Zugrunde liegt dem die Annahme, dass der Luftfahrtsektor in Asien sehr schnell und dramatisch wachsen wird, zudem aber auch die Billigfluglinien Europas und der USA vor Expansionen stehen.
Airbus will bis 2030 etwa 27 800 Maschinen verkaufen
Hatte die europäische Airbus-Industrie knapp vor Weihnachten 2010 noch vorausgesagt, bis zum Jahr 2030 rund 26.000 Flugzeuge verkaufen zu können, wurde diese Anzahl ein gutes Jahr später auf 27.800 erhöht. Das sind immerhin sieben Prozent plus. Nicht anders sieht es beim Konkurrenten Boeing aus, die Amerikaner wollen bis 2030 sogar 33.500 neue Flugzeuge absetzen. Bei einem Vergleich ist dies zu berücksichtigen: Die Airbus-Vorhersage betrifft Maschinen mit wenigstens 100 Sitzplätzen, während Boeings Zahlen auch solche Flugzeuge umfasst, die zwischen 70 und 100 Passagiere befördern können.
Zuwachsraten vor allem im asiatisch-pazifischen Raum
Airbus rechnet damit, dass der weltweite zivile Flugverkehr binnen der nächsten zwei Dekaden um 4,8 Prozent wachsen wird. Die vergleichbare Boeing-Zahl liegt hier bei rund fünf Prozent. Airbus glaubt, dass ein Drittel aller neuen Passagiermaschinen im asiatisch-pazifischen Raum gekauft werden, vor allem von Indien und China, wo der Passagierverkehr mit einem jährlichen Wachstum von 9,8 bzw. 7,2 Prozent rechnen kann.
Airbus schon 2011 sehr erfolgreich
Schon im Jahr 2011 war Airbus sehr erfolgreich in Asien. Vor allem die europäischen Modelle mit nur einem Gang zwischen den Passagiersitzreihen im Flugzeug (Airbus A320) sind dort gefragt. Allein Air Asia, eine in Malaysia ansässige Billigfluglinie, kaufte 200 solche Maschinen – für insgesamt 18 Milliarden Dollar. Zwei indische Fluggesellschaften trugen ebenfalls dazu bei, dass 2011 ein Rekordjahr für Airbus wurde: GoAir kaufte 150 Maschinen für 16,6 Milliarden Dollar, die Bestellungen seitens Indigo belaufen sich auf 180 Flugzeuge und 16 Milliarden Dollar. Airbus sagt auch dies voraus: Die Typen A320 – sie haben in der Regel 150 Sitzplätze – werden die Verkaufsrenner für die kommenden 20 Jahre sein, verantwortlich für 70 Prozent aller Airbus-Verkäufe.
Konkurrenz aus Kanada und Brasilien droht
Diese Ein-Gang-Modelle (single-aisle segment in der Fachsprache) sind auch bei Boeing (Modell 737) besonders gefragt, so dass zwischen den beiden Herstellern Airbus und Boeing dabei die Konkurrenz besonders zu Tage tritt. Hier allerdings steht den beiden Herstellern Boeing und Airbus binnen der kommenden Jahre Ärger ins Haus, denn ihre Vormachtstellung auf diesem Sektor geht zu Ende: Abgesehen von möglichen Anbietern aus China werden Bombardier/Kanada und Embraer/Brasilien mit völlig neuen Modellen aufwarten, die ebenfalls um die 150 Passagiere befördern können.
Die Prognosen der IATA
2011 schätzt die IATA in ihrer globalen Prognose trotz der weltweiten wirtschaftlichen Krisen und Unsicherheiten noch positiv ein, wie nach einer Tagung in Singapur bekannt gegeben wurde: Es dürften weltweit 5,9 Prozent mehr Passagiere als im Vorjahr registriert werden – das ist eine Berichtigung, denn in einer früheren Prognose war nur ein Plus von 4,4 Prozent erwartet worden. Damit dürfte es im Jahr 2011 weltweit rund 2,833 Milliarden Passagiere geben. "Damit werden die Fluggsellschaften weltweit insgesamt etwas höhere Gewinne erzielen, als wir ursprünglich dachten", kommentierte dazu in Singapur IATA-Generaldirektor Tony Tyler. Für 2012 ist der Ausblick weniger positiv – aber warum soll es auch da nicht wieder Korrekturen geben?
