Die Kunst der Rede. So lautet die klangvollle Übersetzung des griechischen Begriffs. Ziel ist es, den Zuhörer zu überzeugen, für sich einzunehmen; ihn zu mobilisieren.
Ursprünge und Techniken
Stets existierte der Drang des Individuums, seine Ansichten glaubhaft zu machen, um so persönliche Vorteile daraus zu gewinnen. Eine konkrete Lehre bezüglich diesem Verlangen entstand jedoch erst im antiken Griechenland.
Bürgerliche Konflikte (beispielsweise um Grundbesitz/Eigentum) wurden in den Stadtstaaten zumeist bei Gericht geklärt. Um dort Erfolg zu haben, stellte es eine Unerlässlichkeit dar, die persönliche Auffassung glaubwürdig darzulegen. Ansprechende Formulierungen taten ihr Übriges.
Selbstverständlich sah sich nicht jedermann befähigt, derartige Bedingungen zu erfüllen.
Die Zeit der Rhetoriklehrer und -fachbücher begann.
Ab dem 5. Jh. analysierten Gelehrte wie Aristoteles die Basiselemente einer gelungenen Rede.
Die Grundlage besteht aus einem systematisch verknüpften Netz aus Thesen, Argumenten, Belegen und stilistischen Mitteln.
Ob ein Vortrag gelingt, hängt vor allem aber von der Interaktion mit dem Publikum ab. Je nach Thema der Rede, Sozialebene der Zuhörer und den allgemeinen Umständen muss der Redner in Wortwahl, Stil etc. variieren. Idealerweise sollte der Auditor -positiv wie negativ- berührt werden.
Dies geschieht durch Aufrufe, Fragen mit nur einer denkbaren Antwort (der des Redners), sowie mit dem Verweis auf allgemein anerkannte Wertvorstellungen.
Weiterhin kann versucht werden, Gegenargumente zu falsifizieren oder sich auf anerkannte Persönlichkeiten (Autoritäten) zu berufen.
Wichtige stilistische Mittel stellen unter anderem die Metapher (ein Art der Versinnbildlichung), der Euphemismus (Beschönigung) und die Wiederholung (Bedeutungssteigerung) dar.
Weitere rhetorische Figuren dienen ebenso dem Zweck, durch eine ansprechende Gestaltung den inhaltlichen Wert der Rede zu steigern. Oft auch ihn zu kaschieren.
Rhetorik als Manipulationsinstrument
Hervorstechende Persönlichkeiten der Geschichte waren häufig gleichzeitig begabte Redner. Vor allem die stark ideologisch gefärbten Reden des national-sozialistischen Propagandaministers J. Goebbels und des italienischen Diktators Mussolini vermochten riesige Volksmassen zu betören.
Absolute Entschlossenheit, scheinbare Volksverbundenheit und eine perfekt einstudierte non-verbale Kommunikation. Jene Charakteristika wirken besonders intensiv auf den menschlichen Geist ein.
Das Bedürfnis nach Sicherheit, einem "Fels in der Brandung", wird auf diesem Wege befriedigt.
Offen zur Schau getragene mentale Stärke vermag eine Welle des Enthusiasmus zu entfesseln.
Ein Gefühl der Verbundenheit mit dem Redner entsteht beim Zuhörer. Er genießt es, das eigene Denken in den Hintergrund rücken zu lassen. Von nun an trägt der "vertraulich" erscheinende Rhetoriker die Verantwortung. Dieser gewinnt Macht über die Emotionen und letztendlich die Gesinnung seiner Zuhörer.
Derartige extreme Beispiele erscheinen im ersten Moment unglaubwürdig; irreal.
Doch abgesehen von den Lehren der Geschichte; ergreift nicht auch Sie eine "packende" Rede?
Denken Sie an Martin Luther King. Kennedy. Oder - wenn Ihnen das besser gefällt - an die Parolen des Jürgen Klinsmann während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006.
Und vergessen Sie nicht:
Eine gekonnte Rhetorik vermag vieles...
