
- Die Frauen der Mad Men - (c) Universal Home Entertainment
Im Zentrum der Serie „Mad Men“ – das suggeriert schon der Titel – stehen die Männer der Werbeagentur Sterling Cooper, die jeder Sekretärin selbstverständlich einen Klaps auf den Hintern geben und alle Frauen mit „Schätzchen“ anreden. Doch insbesondere ab der zweiten Staffel rücken die Frauen der Serie stärker in den Mittelpunkt. An ihnen zeichnet sich der bevorstehende Wandel der späten 1960er Jahre ab, aber sie repräsentieren auch die Möglichkeiten, die Frauen zu dieser Zeit hatten.
Die perfekte Ehefrau und Mutter – January Jones als Betty Draper
Das hervorstechendste Merkmal von Betty Draper ist ihre Schönheit, die ihre Mutter einst als ihre wichtigste Eigenschaft bezeichnet hat. Nach dem College arbeitete sie eine Weile als Model, lernte Don Draper kennen, heiratete ihn und lebt nun in einem ruhigen Vorort mit zwei Kindern in einem schönen Haus. Eine perfekte Idylle – wenigstens auf den ersten Blick. Doch in der ersten Staffel von „Mad Men“ wird ihr durch den Tod ihrer Mutter bewusst, dass ihre Schönheit vergänglich ist, und schon bald reift eine weitaus schreckliche Erkenntnis in ihr: Sie weiß, dass sie nach den Maßstäben der Zeit eigentlich mit ihrem Leben glücklich sein müsste. Aber sie ist es nicht. Nach außen ist sie lange Zeit die perfekte Hausfrau, Ehefrau und Mutter. Aber ihr wird zunehmend bewusst, dass sie ihrem Mann niemals nahe sein wird und sie ihr Leben nicht erfüllt. Eine Scheidung ist für eine Frau in den 1960er Jahren ein großer Schritt, sie kann nicht einfach ein neues Leben beginnen.
Betty Draper und das „Hausfrauenproblem“
Betty Draper ist der Inbegriff des einst von Betty Friedan in „Der Weiblichkeitswahn“ als „Hausfrauenproblem“ beschriebenen Dilemmas der Frauen in den 1960er Jahren: Sie ist unzufrieden und unglücklich, aber die Welt um sie herum ist überzeugt, dass sie doch alles hat, was sie sich jemals gewünscht hat. Stattdessen steckt sie in den Strukturen fest, die sie mit aufrecht erhält – und findet einen kleinen bösen Ausweg, der ihr einen beängstigenden Zug verleiht. Sie kompensiert ihre Wut mit Intrigen, Passivität und einen merkwürdigen Verhältnis zu einem Nachbarsjungen. Erst Mitte der zweiten Staffel von „Mad Men“ wird ihr Auftreten gegenüber Don mutiger – aber dann erleidet sie auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes Leben einen Rückschlag.
Die Karriere einer ledigen Frau – Elisabeth Moss als Peggy Olsen
Am Anfang von „Mad Men“ ist Peggy Olsen die neue unscheinbare Sekretärin von Don Draper, aber dank ihrer Beobachtungsgabe und guten Schreibe wird sie zur Werbetexterin befördert. Dabei muss sie sich aber nicht nur dem Neid der anderen Sekretärinnen auseinandersetzen, sondern schnell erkennen, dass ihre männlichen Kollegen sie nicht ernst nehmen. Die Männer sind weiterhin überzeugt, Peggy habe schlicht Glück gehabt und deshalb Karriere gemacht. Erst als sie sich allmählich den männlichen Verhaltensweisen anpasst und auch äußerlich femininer, aber zugleich selbstbewusster auftritt, wird ihr der Ansatz von Respekt entgegengebracht. Doch die herablassende Art der Männer wird sie den Rest ihrer Karriere begleiten, zumal auch die Menschen in ihrem Umfeld selbstverständlich davon aus, dass sie nur auf den Mann wartet, der ihr einen Heiratsantrag macht.
Peggy Olsen – Karriere in der Männerwelt
An Peggy wird vor allem deutlich, mit welchen Hindernissen eine unverheiratete junge Frau Anfang der 1960er Jahre konfrontiert wurde. Zwar wird ihr zur Verhütung die Pille verschrieben, der Arzt weist sie aber darauf hin, dass er ihr das Rezept jederzeit vorenthalten könne. Damit sie an den geschäftlichen Terminen mit den natürlich männlichen Kunden teilnehmen kann, muss sie einen Stripclub aufsuchen – und sich vergnügt auf den Schoß des Kunden ziehen lassen. Doch für ihren beruflichen Aufstieg scheint sie fest entschlossen, auf jegliches Privat- und Liebesleben zu verzichten und sich weitgehend den männlichen Strukturen der Berufswelt zu fügen.
Die Verführerin – Christina Hendricks als Joan Holloway
Einen anderen Typus der berufstätigen Frau repräsentiert Joan Holloway. Sie ist die Büroleiterin in der Werbeagentur Sterling Cooper, weiß über alles Bescheid, hat stets eine Aspirin, ein Heftpflaster und Whiskey parat und kennt alle Tricks einer selbstbewussten attraktiven Frau. Sie ist sich ihrer körperlichen Reize und der Vorteile ihrer Stellung sehr bewusst, außerdem ist sie überzeugt, dass sie zugleich schön und stark sein kann. Dennoch kennt sie ihre Position sehr genau. In der ersten Staffel von „Mad Men“ hat sie eine Affäre mit Roger Sterling, der ihr nach einem Stelldichein anbietet, seine Frau für ihn zu verlassen. Doch sie entgegnet ihm, dass sie ebenso so viel über Männer weiß wie er über die Werbung. Und seine Lieblingsbeschäftigung sei das Herumtreiben. Auch als sie in der zweiten Staffel Harry Crane in seiner Fernsehabteilung aushilft und hervorragende Arbeit leistet, tritt sie wortlos zurück, als ein Mann ihren Platz übernimmt. Ebenso äußerlich unerschüttert nimmt sie hin, dass sich ihr Verlobter von ihrem sexuellen Vorleben eingeschüchtert fühlt – und sie eines Tages im Büro von Don Draper vergewaltigt. Sie glaubt, dass ihr gar nichts anderes übrig bleibt, als diese männlichen Verhaltensweisen stumm zu akzeptieren.
Die zweite Welle des Feminismus steht bevor
Die Welt der „Mad Men“ ist eine Männerwelt, in der Frauen Hausfrauen wie Betty Draper, verführerische Marilyn-Monroe-Verschnitte wie Joan oder schüchterne Arbeitsbienen wie Peggy Olsen sind. Sie müssen in dieser Welt zurechtkommen, in dem sie in ihrem tristen Dasein in einem schmucken Vorort Zufriedenheit finden oder selbstbewusst ihren Bereich bewachen. Aber ein Umbruch der Zeiten deutet sich auch in „Mad Men“ an. Durch Betty Friedans Buch wird die zweite Welle des Feminismus weiter angestoßen, die zusammen mit der Bürgerrechts- und Friedensbewegung die gesellschaftliche Struktur der USA langfristig verändern wird. Und auch die Welt in „Mad Men“ wird von diesen Umbrüchen nicht verschont bleiben.
DVD-Boxen zu „Mad Men“ Staffel eins und „Mad Men“ Staffel zwei sind bei Universal erschienen. Viele Informationen bietet außerdem das Buch „Mad Men. Die Könige der Madison Avenue“ von Jesse McLean.
