Die Magie des Schriftstellers Haruki Murakami

Murakamis Opus - C. Schmidt
Murakamis Opus - C. Schmidt
Leben und Schaffen des japanischen Kurzgeschichten- und Romanautors Haruki Murakami.

Der japanische Schriftsteller Haruki Murakami, der als zukünftiger Literaturnobelpreisträger gehandelt wird, steht für magischen Realismus und bewegende, tagträumerische Romane und Erzählungen.

Vita von Haruki Murakami

Haruki Murakami wurde am 12. Januar 1949 in Kyoto geboren. Seine Eltern unterrichteten japanische Literatur. Der junge Haruki interessierte sich jedoch stärker für westliche Literatur und Kultur. Murakami studierte ab 1968 Theaterwissenschaft und Drehbuchschreiben. Während des Studiums lernte er seine Frau Yoko kennen, die er nach Abschluss des Studiums im Jahr 1971 heiratete. 1974 eröffnete er in Tokio seine eigene Jazzbar, die er bis 1982 leitete. Ende der 70er Jahre begann Murakami mit dem Schreiben. 1979 und 1980 erschienen seine beiden ersten Romane, "Kaze no uta o kike" (englisch: "Hear the wind sing") und "1973-nen no pinboru" (englisch: "Pinball, 1973"), von denen er sich später distanzierte. Ab 1984 verlegte er mehrmals seinen Wohnsitz (Fujisawa, Tokio, Oiso) und flüchtete aufgrund seiner Popularität ins Ausland (Italien, Griechenland und USA, wo er als Gastdozent tätig war).

Haruki Murakami steht vor Sonnenaufgang auf und schreibt bis Mittag. Anschließend joggt er, fährt Rad und schwimmt. Gegen 21 Uhr geht er zu Bett.

Stilistische Merkmale in den Werken Haruki Murakamis

Murakamis Protagonisten sind männlich, oftmals namenlos, im mittleren Alter. Andere Leitmotive und Symbole, die sich ständig wiederholen, sind mysteriöse Frauen, die als nicht zu attraktiv beschrieben werden, Jazzmusik, auch Klassik, (schöne) Ohren, Katzen, Tore (die oftmals Durchgänge symbolisieren), einfache Kost (Spagetti und Bier) und Sex.

Die Figuren in Murakamis Werken sind immer auf der Suche, das heißt sie haben etwas verloren, suchen nach jemandem, erforschen den Sinn ihres weiteren Daseins. Sehr oft geht es um die Bindung zwischen Mann und Frau (eine verlorene oder wieder gefundene Liebe, eine Affäre), die das Handeln des Protagonisten beeinflusst.

In den Handlungssträngen fließen physische und psychische Realität ineinander; Alltägliches und Phantastisches bilden ein homogenes Gebilde; Murakami hinterfragt die Fassade der Realität, reißt sie ein, um sie am Ende wie selbstverständlich wiederherzustellen. Seine Figuren sind mal redselig, mal schweigsam; was sie sagen ist jedoch meistens hintersinnig und philosophisch. Insgesamt ist das wohl der größte Verdienst Haruki Murakamis: Er erschafft magische Szenarien von übernatürlicher Größenordnung, dennoch bewegt er sich von Anfang bis Ende innerhalb der drei Dimensionen einfacher Mittdreißiger inmitten der japanischen Großstädte.

Romane von Haruki Murakami

„Wilde Schafsjagd“ (japanisch: hitsuji o meguru boken, erschienen 1982, deutsch 1991). Im Mittelpunkt steht der für Murakami typische namenlose Ich-Erzähler, um die 30, der aufgrund eines Fotos in eine surreale Welt zwischen Leben und Tod gezogen wird.

„Hard-Boiled Wonderland und das Ende der Welt“ (japanisch: sekai no owari to hadoboirudo wandarando, erschienen 1985, deutsch 1995). In der fernen Gegenwart tobt ein Datenkrieg. Der 35-jährige Ich-Erzähler gerät zwischen die Fronten. Die Handlung zerteilt sich in zwei parallele Welten – dem realen Tokio und einem märchenhaften, irrealen Ort. Letztlich wird der Protagonist jedoch nur in einer überleben können.

„Naokos Lächeln“ (japanisch: noruwei no mori, erschienen 1987, deutsch 2001). Der Literaturstudent Toru steht zwischen zwei Frauen, der geheimnisvollen labilen Naoko und der lebenslustigen Midori. Auch hier spielt das Thema des Verlustes eine große Rolle, da Toru und Naoko ihren Jugendfreund Kizuki, der jung verstorben ist, verloren haben. Ähnlich wie „Mister Aufziehvogel“ basiert der Roman auf einer Kurzgeschichte Murakamis („Glühwürmchen“ aus dem Jahre 1984).

„Tanz mit dem Schafsmann“ (japanisch: dansu dansu dansu, erschienen 1988, deutsch 2002) ist die Fortsetzung von „Wilde Schafsjagd“. Der 34-jährige Ich-Erzähler wird von seiner Frau überraschend verlassen und reist nach Sapporo, um seine frühere Geliebte ausfindig zu machen. Sein Alter Ego, der Schafsmann, steht ihm zur Seite.

„Gefährliche Geliebte“ (japanisch: kokkyo no minami, taiyo no nishi, 1992, deutsch 2000) behandelt die Leidenschaft des verheirateten Jazzbarbesitzer Hajime für seine Jugendliebe Shimamoto, die er nach Jahren zufällig wieder findet. Der Roman gelangte in Deutschland auch zu Ruhm, weil es in der Sendung „Das literarische Quartett“ zwischen Marcel Reich-Ranicki und Sigrid Löffler zum Streit wegen der erotischen Komponenten des Romans kam.

„Mister Aufziehvogel“ (japanisch: nejimakidori kuronikuru, erschienen 1995, deutsch 1998). Der 30jährige Held, arbeitslos, ist auf der Suche nach seinem Kater und wird von seiner Frau verlassen. Bei seiner weiteren Sinnsuche erhält er mysteriöse Anrufe, trifft auf eine merkwürdige Frau und ihren stummen Sohn, macht die Bekanntschaft mit einem jungen Mädchen aus der Nachbarschaft und entdeckt ein altes verfluchtes Haus mit einem tiefen Brunnen. Bei dem Roman handelt es sich um die Wiederaufnahme eines Stoffes, den Murakami erstmals 1986 in der Kurzgeschichte „Der Aufziehvogel und die Dienstagsfrauen“ verarbeitet hatte.

„Sputnik Sweetheart“ (japanisch: suputoniku no koibito, Roman, erschienen 1999, deutsch 2002). Der Protagonist K. ist in die junge Sumire verliebt, aber sie hegt nur freundschaftliche Gefühle für ihn und liebt eine ältere Frau. Als Sumire in Griechenland verschwindet, macht sich K. auf die Suche nach ihr.

„Kafka am Strand“ (japanisch: umibe no kafuka, erschienen 2002, deutsch 2004) erinnert formal an „Hard-boiled Wonderland oder das Ende der Welt“: Es gibt zwei parallele Handlungsstränge, von denen sich einer mit der Flucht des Knaben Kafka Tamura befasst. Dieser verlässt seine Heimat und landet in einer alten Bibliothek, wo er Unterschlupf und Arbeit findet. Der andere Handlungsstrang behandelt das Schicksal von Nakata, einem geistig Behinderten, der mit Katzen sprechen kann. Eines Tages begibt sich Nakata auf eine Mission und reist mithilfe eines Fernfahrers quer durch Japan. Da ihr Weg in die Stadt führt, in der sich auch Kafka aufhält, vermischen sich die Handlungsstränge unaufhaltsam.

„After Dark“ (japanisch: afuta daku, erschienen 2005, deutsch 2005) spielt in einer einzigen Nacht. Der Erzähler beschreibt im Wechsel das Leben zweier Schwestern, die völlig unterschiedlich sind: Die eine irrt schlaflos umher, die andere befindet sich in einem komaähnlichen Zustand. Ähnlich divergent ist die Erzählweise, die die weitere Entwicklung der beiden beobachtet.

„1Q84“ (japanisch: ichi kyu hachi yon, erschienen 2009), das in deutscher Übersetzung im Oktober 2010 erscheinen wird, wird wie einst George Orwells Klassiker die Frage behandeln, wie das Jahr 1984 hätte werden können, allerdings aus einer eher philosophischen statt politischen Sichtweise.

Erzählungen von Haruki Murakami

Murakami gilt eher als Romancier (und sieht das selbst ähnlich). Nichtsdestotrotz schrieb er auch eine große Anzahl bewegender und fesselnder Kurzgeschichten, die in mehreren (teilweise nicht in Japan veröffentlichten) Erzählbänden erschienen sind.

„Der Elefant verschwindet“(1993, deutsch 1995)

„Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah“ (deutsch 1996)

„Nach dem Beben“ (2000, deutsch 2003)

„Birthday Girl“ (2002, deutsch 2004) - diese Anthologie ist eine Sammlung von Erzählungen verschiedener Autoren, Haruki Murakami fügte ihr eine Erzählung gleichen Titels bei.

„Blinde Weide, schlafende Frau“ (2006)

ich , ich

Christian Schmidt - selbständig, vielseitig, vielfältig, ambivalent * 1976 seit 2006 in Dresden wohnhaft Vorlieben: Literatur, Filme, ...

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