
- The Beatles - Apple Corps Ltd.
Es war George Harrison, der sich im Jahr 1965 für indische Musik zu interessieren begann. Er war es auch, der eine Sitar ins Aufnahmestudio mitbrachte, als die Beatles an dem Song "Norwegian Wood" arbeiteten. Ab diesem Zeitpunkt wurde der Klang der Sitar und anderer indischer Instrumente in der Musik der Beatles zu einem festen Bestandteil. Bald darauf begannen sich die Beatles, vor allem Harrison, auch für indische Religion und Philosophie zu interessieren.
Meditation und Natur als Inspiration
Ein Großteil der Songs auf dem Weißen Album und Songs auf "Abbey Road" ("Mean Mr. Mustard", "Polythene Pam") entstand in Rishikesh, Indien. Die Beatles hielten sich dort gemeinsam mit anderen Popgrößen Anfang 1968 im Ashram des Maharishi Mahesh Yogi auf, um Transzendentale Meditation zu erlernen. Nach der bunten Pracht von Alben wie "Sgt. Pepper" und "Magical Mystery Tour" wandelte sich jetzt nicht nur die Kleidung der Beatles in simple weiße Baumwolle, auch ihre Songs wurden auf die Basis reduziert. Das Motto lautete: "zurück zur akustischen Gitarre", was sich aus der Situation und dem einfachen Leben im Ashram ergab.
Die Lektionen des Maharishi, das Meditieren und die herrliche Natur am Fuße des Himalayas inspirierten die Beatles beim Songschreiben. Paul McCartneys "Mother Nature’s Son" und John Lennons "Child of Nature" entstanden unmittelbar nach einem Vortrag des Maharishi über die Natur. "Child of Nature" verschwand in der Versenkung, bis Lennon die Melodie des Songs 1971 für "Jealous Guy" verwendete.
Prominente Hilfe beim Songwriting
Auch von ihren prominenten "Mitschülern" erhielten die Beatles Inspiration. Von Donovan etwa lernte Lennon den Finger Picking-Stil, der in Songs wie "Julia", "Happiness is a warm Gun" oder "Dear Prudence" seine Verwendung fand. Auch McCartney verwendete Finger Picking, zum Beispiel bei "Blackbird". Der Song basiert ebenfalls auf dem Folk-Stil, der damals im Pop weit verbreitet war.
Von Beach Boy Mike Love inspiriert ist McCartneys "Back in the USSR", Love brachte McCartney auf die Textpassage mit den "Moscow girls", "Ukraine girls", etc. Musikalisch ist der Song vom Harmoniegesang der Beach Boys beeinflusst.
Jäger, Tiger und Affen: Die Realität fließt in die Songs ein
Oft führten auch konkrete Vorfälle zur Idee für einen Song: Etwa als Mia Farrows Schwester Prudence sich in ihrem Bungalow einschloss und nicht mehr herauskommen wollte (sie hatte zuviel meditiert und den Bezug zur Realität verloren). Lennon und Harrison sollten sie dazu bewegen, wieder herauszukommen. Danach schrieb Lennon: "Dear Prudence, won’t you come out to play?", was die erste Zeile des Songs "Dear Prudence" wurde.
"The Continuing Story of Bungalow Bill" war inspiriert von einem amerikanischen Jäger, der nach Rishikesh gekommen war, um Tiger zu schießen. Danach kam er zum Meditieren in den Ashram, eine Sache, die Lennon einigermaßen verwirrte. Immerhin propagierte der Maharishi ja das, was im Hinduismus "Ahimsa" genannt wird, wörtlich übersetzt das Prinzip des "Nicht-Verletzens": Leben und Leben lassen (und das bedeutet hier, streng genommen, auch keine Bäume zu fällen).
Auch wenn so mancher Autor in "Why don’t we do it in the road?" einen Bezug zum gegenkulturellen Straßentheater entdeckt hat, so war die ursprüngliche Inspiration doch eher das Paarungsverhalten von Affen auf offener Straße (wie Paul McCartney später enthüllte).
Songwriting als Katharsis
"Sexy Sadie" schrieb Lennon in schlechter Stimmung, nachdem er, enttäuscht vom Maharishi, zusammengepackt hatte und auf den Abtransport aus dem Ashram wartete. Ursprünglich hieß der Song "Maharishi" und war voller wüster Beschimpfungen; die endgültige Version war entschärft und wurde, etwas unverfänglicher, eben "Sexy Sadie" genannt. Der Song nimmt Bezug auf die Vorwürfe gegen den Maharishi: "What have you done/you made a fool of everyone".
Lennons "Yer Blues" war, wie viele Songs aus dieser Periode, eine Folge von der durch die Ruhe und Meditation ausgelöste Innenschau, die Lennon teilweise unangenehme Erkenntnisse brachte. er fasste es 1980 in einem Interview so zusammen: "Me trying to reach God and feeling suicidal".
Formale Einflüsse
Obwohl die Beatles, vor allem George Harrison und John Lennon, ernsthaft Transzendentale Meditation (TM) praktizierten, floss die Methode eher subtil in ihre Musik ein und wurde nicht explizit erwähnt (im Gegensatz zu den Beach Boys, die einen "TM Song" schrieben). Der Einfluss war nicht nur inhaltlicher, sondern auch formaler Natur: In späteren Beatlessongs tauchen vermehrt Wortwiederholungen auf, die an das Chanten indischer Mantras erinnern: Zum Beispiel in Songs wie: "Here comes the Sun", "I'm the Walrus", "Hello Goodbye", "You know my name (look up the number)" oder "All together now".
Während das Interesse der anderen Beatles an TM eher kurzfristig war, blieb George Harrison dem Thema treu und vertiefte während der nächsten Jahre sein Studium der indischen Kultur.
