
- Rosenmontagszug in Mainz - Joachim Reisig / pixelio.de
Die Määnzer Fassenacht, wie die Mainzer Fastnacht in Mainz eigentlich heißt, hat eine ebenso interessante Entstehungsgeschichte wie der Kölner Karneval. Mainz ist heute eine der wichtigsten Karnevalshochburgen, der Rosenmontagszug in Mainz ist ebenso beliebt wie die Rosenmontagszüge in Köln und Düsseldorf. Die Mainzer Fastnacht unterscheidet sich jedoch in vielen Details vom Rheinischen Karneval, heute sind viele Karnevalisten sogar der Meinung, dass der Fasching in Mainz noch wesentlich traditioneller gefeiert wird und das Politische einen höheren Stellenwert hat, als im Kölner Karneval. So ist der Mainzer Fasching etwas weniger albern und schlägt auch mal ernste, kritische Töne an. Aber natürlich wird in Mainz während der Faschingszeit auch ordentlich und fröhlich gefeiert.
Die Entstehung der Mainzer Fastnacht
Der Beginn der Mainzer Fastnacht lässt sich nicht an einem bestimmten Datum festmachen, bekannt ist jedoch, dass in Mainz bereits im 16. Jahrhundert Fastnacht gefeiert wurde. Die ersten Fastnachtsvereine wurden allerdings erst im 19. Jahrhundert gegründet.
Den ersten Faschingsumzug gab es in Mainz im Jahre 1837. Nikolaus Krieger, ein Mainzer Kaufmann, organisierte eine närrische Bürgerwehr, die als Bunter Zug, dem „Krähwinkler Landsturm“ durch Mainz zog. Noch im selben Jahr wurde aus dieser Bürgerwehr die Mainzer Ranzengarde, deren Uniform an jene des letzten Mainzer Kurfürsten, Friedrich Karl Joseph von Erthal, angelehnt war.
Die Ranzengarde verstand sich fortan als Leibgarde des Karnevalsprinzen. Unter dem Mundartausdruck „Ranze“ versteht man in Mainz einen dicken Bauch. Als Parodie auf die „langen Kerls“ des Preußenkönigs und die dick gefressenen Bäuche der Adligen mussten Ranzengardisten einen Leibesumfang von mindestens sechs Fuß aufweisen oder zwei Zentner wiegen. 1838 wurde außerdem der Mainzer Karnevalsverein gegründet.
Politische Fastnacht in Mainz
Ursprünglich hieß das Motto des Mainzer Karnevalvereins „Die Verbreitung von Frohsinn und Wohltun“. Dabei sollte es jedoch nicht bleiben, denn schnell wurde der Fasching dazu genutzt, politische Themen aufzugreifen und Kritik an der aktuellen Politik zu üben. Unter dem Deckmantel des Narren konnte Kritik gefahrlos geäußert werden. Bereits 1838 entstanden die ersten Sitzungen und Fastnachtspossen. Die Kappenfahrt und die Theaterposse am Faschingsdienstag sind auch heute noch Tradition in Mainz, sie haben ebenfalls ihren Ursprung in den Anfangsjahren nach der Gründung des Karnevalvereins. Die Politisierung des Mainzer Faschings verstärkte sich in der Zeit der 48er Revolution, also in den Jahren 1842-1848. Die Themen des Vormärzes wurden natürlich im Rosenmontagszug aufgegriffen. Als Kritik an der Zensur und der eingeschränkten Pressefreiheit steckten Karnevalisten 1846 ein selbst gebautes Denkmal in Brand. Ebenfalls in den 1840er Jahren erschienen die Fastnachtszeitungen „Narrhalla“ und „Neue Mainzer Narrenzeitung“, die ebenfalls vorwiegend politisch waren.
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