
- Malediven, flache Inseln - A.Dreher / PIXELIO
Eines der schönsten Reiseziele der Erde droht unterzugehen – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Die Malediven, dieses aus mehr als tausend Inseln bestehende Paradies im Indischen Ozean, gilt Experten als das voraussichtlich erste Opfer der globalen Klimakatastrophe. Sollte die Erderwärmung in den kommenden Jahrzehnten den Meeresspiegel wie erwartet ansteigen lassen, so wird von dem Inselreich nicht mehr bleiben als die Erinnerung an eine unvergleichliche Naturschönheit – und ein Volk, das sich eine neue Heimat suchen muss. Denn an keiner einzigen Stelle liegt der Boden hier mehr als zwei Meter über dem Meer, die meisten der vielen Koralleninseln sind noch deutlich flacher.
Die Malediver bereiten sich auf den Untergang vor
Und die Malediver nehmen diese Bedrohung äußerst ernst. Der Ende 2008 neugewählte Präsident Mohamed Nasheed gab bekannt, dass zukünftig regelmäßig ein bestimmter Anteil der Einnahmen aus dem Tourismus für den Ankauf von Land in Indien, Sri Lanka oder Australien zurückgelegt wird. Dort soll das Volk der Malediven eine neue Heimat finden, wenn die Inseln im ansteigenden Meer versinken. Leicht wird das nicht werden – schon deshalb, weil dieses Volk bisher wie kaum ein anderes in der Isolation lebt. Es wird streng darauf geachtet, dass Touristen und Einheimische nur wenig Kontakt zueinander haben. Dörfer und Hotels (darunter einige der luxuriösesten der Welt) finden sich niemals auf denselben Inseln. An Touristeninseln herrscht dabei kein Mangel – nur etwa 200 der Eilande sind von Maledivern bewohnt. So bleiben die Einheimischen unter sich. Auch Religionsfreiheit sind diese Menschen nicht gewohnt, Staatsreligion ist der Islam.
Trotz des Tourismus sind die Malediven sehr arm
Die Flucht der Malediver hat indes bereits eingesetzt – zunächst jedoch aus ganz gewöhnlichen Gründen, die auch in anderen Teilen der Welt anzutreffen sind. Viele Bewohner des Inselstaates können dort einfach nicht mehr ihren Lebensunterhalt erwirtschaften, denn die Malediven gehören zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Tatsache, dass einige wenige Menschen durch den Tourismus sehr reich geworden sind, macht es nicht besser. Und auch der Raubbau an der einzigartigen Unterwasserwelt, etwa der Abbruch von Korallen für den Hausbau, gibt nicht viel Anlass zur Hoffnung – beraubt sich das Land damit doch seines größten und inzwischen wirtschaftlich bedeutendsten Schatzes.
Eine überwältigende Natur – über und unter Wasser
Noch aber lohnt das Land am Äquator eine Reise allemal. Umso mehr, als die Gelegenheit dazu vielleicht bald für immer vertan sein wird. Taucher finden dort noch immer einige der schönsten Tauchreviere der Welt mit einer unvorstellbaren Artenvielfalt. Selbst wer nur an der Wasseroberfläche durch eine der Lagunen schnorchelt, wird eine unvergessliche Erfahrung machen. Aber auch auf diejenigen, die es nicht unter Wasser zieht, wartet ein unvergleichliches Erlebnis. Das unwirkliche Blau des Wassers, das leuchtende Grün der Palmen, der flammende Sonnenuntergang, weiße Korallenstrände und ein atemberaubender nächtlicher Sternenhimmel werden jeden Besucher überwältigen. Wer Bilder davon sieht, hält sie für geschönt - bis er es selbst erlebt.
