Die Mannheimer Straßenschule

Ein großartiges Projekt gibt Straßenkindern die Chance, ein Schulabschluss nachzuholen und unterstützt sie beim Einstieg in das Berufsleben.

Man mag es kaum glauben, aber in Deutschland leben rund 13.000 Jugendliche auf der Straße. Nicht wenige von ihnen sind abhängig von Drogen oder Alkohol, rutschen in die Kriminalität und Prostitution. Sie sind vor ihren Eltern oder Pflegeeltern oder aus Heimen fortgelaufen, weil sie ein Leben unter einer Brücke dem Familien- oder Heimleben vorziehen. Man möchte gar nicht so genau wissen, was ihnen dort alles widerfahren ist, wenn ein Leben ohne Perspektive die bessere Alternative ist. Die meisten haben noch nicht einmal einen Schulabschluss. Dieses Los teilen sie mit 7,4 % aller Jugendlichen. Man muss kein Hellseher sein, um die Zukunft diese Schulabbrecher vorhersagen zu können. Die meisten von ihnen werden wohl dauerhaft Hartz-IV-Empfänger sein.

Ein Projekt macht Schule

Im September 2010 ist das Projekt „Mannheimer Straßenkinder“ an den Start gegangen, mit dem Ziel, Schulverweigerern und –abbrechern einen Haupt- oder Realschulabschluss zu ermöglichen. Getreu dem Motto: Mehr Bildung eröffnet mehr Chancen, und Bildung ist die Chance zu einem selbstbestimmten Leben. Hinter der „Mannheimer Straßenschule“ stehen die Kooperationspartner Pädagogische Hochschule Heidelberg mit dem Masterstudiengang Straßenkinderpädagogik und die von Sozialarbeitern geleitete Anlaufstelle für Jugendliche, die auf der Straße leben, „Freezone“. In diesen Räumlichkeiten befindet sich auch die Straßenschule. Hier fühlen sich die Jugendlichen geborgen, hier ist ihre vertraute Umgebung. Für viel der Jugendlichen ist „Freezone“ auch der Lebensmittelpunkt.

Unterricht nach Maß

An vier Abenden in der Woche findet der Unterricht statt, in dem die Straßenkids auf einen externen Haupt- oder Realschulabschluss vorbereitet werden. Die Prüfung kann einmal im Jahr abgelegt werden. Unterrichtet werden die Jugendlichen von Absolventen und Studierenden der Straßenkinderpädagogik. Die Bildungsangebote sind von Hochschuldozenten, Mannheimer Lehrern und Studenten entwickelt und sind auf die spezielle Situation der Jugendlichen zugeschnitten. Nach erfolgreich abgeschlossener Prüfung sind die Jugendlichen nicht auf sich gestellt, sie werden in Form von Bewerbungstrainings und Kontakten zu Unternehmen bei ihren Berufseinstieg begleitet.

Derzeit befinden sich drei Jugendliche in der Prüfungsphase, weitere vier können 2012 ihre Prüfung ablegen. Ein Einstieg in das Programm ist für die interessierten Jugendlichen jederzeit möglich, auch wenn nur einmal pro Jahr Prüfungen stattfinden. Für manche mag es erstaunlich klingen, aber die Jugendlichen von der Straße sind hoch motiviert dabei und Fehlzeiten sind eher selten. Wer dennoch eine Weile nicht am Unterricht teilgenommen hat, kann zu jeder Zeit wieder dort anknüpfen, wo er aufgehört hat. Diese Möglichkeit ist insofern von Bedeutung, als viele der Kids schon länger ohne Regeln und Lebensordnung in den Tag hinein leben und erst wieder lernen, Regeln einzuhalten und Ordnung und Struktur in ihr Leben zu bringen.

Übertragbarkeit erwünscht

Das Projekt „Mannheimer Straßenschule“ orientiert sich an den Ghettoschulen in Südamerika und setzt auf Übertragbarkeit. Dieses Modell soll auch in anderen Städten „Schule" machen.

Gudrun Dreier, Gudrun Dreier

Gudrun Dreier - In Essen habe ich Germanistik, Philosophie und Erziehunsgwissenschaften studiert, bevor ich mich nach bestandenen Prüfungen 1993 ...

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