
- Maya-Tempel in Edzná, Yucatan - Constanze Ließ
Die alten Hochkulturen Mittelamerikas – allen voran die Maya – faszinieren uns mit ihren großartigen Hinterlassenschaften. Versunkene Städte, geheimnisvolle Tempel, Kalender und Schriften und Straßensysteme bewegen die Fantasie ebenso wie die Geschichten von Menschenopfern und verschlungenen Unterwelten.
Die Maya – Gottkönige Guatemalas, Belizes und Yucatans
Mächtige Gottkönige herrschten einst über weite Teile Mesoamerikas von den nördlichen Bergländern im heutigen Honduras bis in die verschlungenen Wälder Yucatáns. Sie regierten die Region über Kriege, Eroberungen und intrigierten einander mit raffinierter Heiratspolitik.
Maya ist eigentlich eine Sprachfamilie, noch heute sind mehr als zwanzig Maya-Sprachen in Guatemala, Belize und Mexiko lebendig. Die Maya waren also im Grunde eine Reihe von Völkergruppen mit ähnlicher Kultur im präkolumbischen Mittelamerika, von denen heute meist als ein einzelnes Volk gesprochen wird. Erste Spuren der Maya stammen aus dem dritten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung. Über einen Jahrtausende währenden Zeitraum bis ins 16. Jahrhundert hinein erlebten die Maya so manchen Aufschwung und Niedergang. Diese lange Zeit unterscheidet sie von den anderen berühmten Hochkulturen Lateinamerikas wie den Azteken und den Inka, deren Blüte jeweils nur wenige Jahrhunderte währte.
Die Kunst der Maya
Wandmalereien, detailreiche Architektur und ganze Bücher, die Codizes, zeigen die Heldentaten der Mayakönige und die Schöpfungsmythen in der einmaligen, geradezu comicartigen Hieroglyphenschrift der Maya. Kunstvolle Stelen und Fassaden aus den verschiedenen Epochen der Mayakultur von der Präklassik (ab circa 3.000 v. Chr.) bis in die Spätklassik (15. und beginnendes 16. Jahrhundert) kurz vor der Ankunft der Spanier erzählen nicht nur von der Sagenwelt der Maya sondern auch von den außerordentlichen Fähigkeiten ihrer Steinhauer. Die Maya errichteten großartige Stadtstaaten mit zehntausenden Einwohnern wie Tikal im guatemaltekischen Petén, Copán in Honduras oder das weltberühmte Chichen Itzá in Mexiko. Viele der beeindruckenden Ruinenstädte der Maya faszinieren jährlich Hunderttausende Besucher in den Ländern Mittelamerikas.
Die Religion und die Kalender der Maya
Die Religion der Maya war ein von Schöpfungsmythen und einem zyklischen Zeitempfinden bestimmter Vielgötterglaube. Für die Maya gab es neben der Erde, welche meist durch eine Schildkröte oder ein Krokodil dargestellt wurde, neu Stufen der Unterwelt und dreizehn Stufen einer Art Himmel. Der Weltenbaum ceiba verband all diese Welten. Von zentraler Bedeutung im Glauben der Maya waren die Sonne und die Venus, verkörpert durch die Zwillinge Hun Ajaw und Yax Balam.
Das Leben der Maya war bestimmt und durchzogen von der Religion. Ihre Priester bestimmten rituelle Daten ebenso wie Zeiten für Ernte und Saat, drei verschiedene Mayakalender verwendeten sie dabei. Blut spielte immer wieder eine zentrale Rolle in den Ritualen der Maya. Um sich mit den Göttern gutzustellen, opferten sie Nahrungsmittel, Tiere und auch Menschen. In rituellen Ballspielen kämpften Untertanen der Oberschichten um die Anerkennung der Götter und der Herrscher und damit um ihr eigenes Leben. Und auch letztere unterzogen sich schmerzhafter Prozeduren, um ihr Blut den Göttern darzubieten, durchstachen sich Zunge oder Penis mit einem Rochenstachel.
Kollaps und Niedergang der Maya
Im neunten Jahrhundert kam es zu einem Kollaps der Mayabevölkerung im Tiefland von Guatemala, dessen Ursachen bis heute nicht ganz geklärt sind. Vermutlich griffen verschiedene Faktoren wie Überbevölkerung, Nahrungsmangel und Kriege ineinander. Gleichzeitig jedoch kam es während dieser Zeit zu einem Aufschwung der Maya in Yucatán, Chichen Itzá erreichte seine Blütezeit. Entgegen häufiger Auslegung war jener Kollaps demnach keinem Niedergang des gesamten Mayareiches gleichzusetzen.
Nach der Ankunft der Spanier im sechzehnten Jahrhundert kam es zu keiner schnellen und endgültigen Unterwerfung des Maya-Reiches wie bei der Eroberung der Azteken durch Hernan Cortéz oder den spektakulären Sieg Franzisco Pizarros über die Inka. Nach mehreren brutalen Schlachten der Spanier gegen die Maya leisteten Maya-Gruppen noch über 150 Jahre erbitterten Widerstand gegen die Konquistadoren bis sie sich endgültig unterwarfen. Noch heute leben die Nachfahren der Maya in Honduras, Guatemala, Belize und Mexiko.
Lesen Sie auch über die Mixteken im alten Mexiko, über die Maya-Ruinen von Uxmal und Edzná sowie über den Maya-Markt von Chichicastenango.
Bücher zum Thema:
- Die Maya; Autor Davide Dominici, ISBN 978-3867260022, WHITE STAR VERLAG, 2008
- GEO Epoche Maya, Inka und Azteken; 14/2004, Gruner + Jahr
