
- Zwei Mollis in Heiligendamm - H. Schröder/pixelio.de
Seit 1886 dampft die einzige Schmalspurbahn mit einer Spurenbreite von 90 cm an der Mecklenburgischen Küste entlang. Benannt wurde sie nach dem Mops der ersten Passagierin: Molli. Urlauber, Eisenbahnfans und Einheimische sind von ihr begeistert. Die Eisenbahn ist pure Nostalgie, tuckert gemächlich an malerischen Küstenabschnitten und Wäldern vorbei, bimmelt sich durch die Straßen der kleinen Ostseestädte und ist trotzdem ein ernstzunehmendes Verkehrsmittel: Der Fahrplan ist mit den Fernverkehrszügen abgestimmt, und sie verkehrt mehrmals täglich zu einem erschwinglichen Preis.
Die Geschichte der Schmalspurbahn Molli
1793 wurde das erste deutsche Seebad in Heiligendamm gegründet. Um die beschwerliche Anreise zu erleichtern, erteilte Großherzog Friedrich Franz III. die Konzession für eine Schmalspurbahn zwischen der großherzoglichen Residenzstadt Bad Doberan und Heiligendamm. 1886 wurde die Strecke in Betrieb genommen. 1910 wurde sie bis Kühlungsborn verlängert, insgesamt auf 15,4 km. Damals wurden auch Güter mit der Eisenbahn befördert – das wurde allerdings 1969 eingestellt.
Die Betreiber von Molli
Bis 1920 wurde die Strecke von einer privaten Eisenbahngesellschaft betrieben, danach von der Deutschen Reichsbahn. 1994 beschloss die Deutsche Bahn alle Schmalspurbahnen entweder stillzulegen oder zu privatisieren.
Der Landkreis Bad Doberan erklärte sich 1995 zur Übernahme bereit und die Mecklenburgische Bäderbahn GmbH übernahm den Betrieb der Eisenbahn, die Gebäude und die Gastronomie. Kapitalgeber sind Bad Doberan, Kühlungsborn und mit einem geringen Anteil auch private Gesellschafter. Die Gesellschaft hat umfangreiche Rekonstruktionen und Restaurierungen vorgenommen, die Gastronomie ausgebaut, ein Museum errichtet und eine neue Dampflokomotive angeschafft: Ergänzend zu den vier noch betriebsfähigen Dampfloks wurde 2009 nach fast 50 Jahren erstmals wieder eine deutsche Dampflokomotive für den laufenden Betrieb hergestellt.
Unterstützt wird der Betreiber von einem Verein, dessen Mitglieder beispielsweise bei der Restaurierung von Fahrzeugen Hand anlegen, durch das Museum führen oder bei Sonderfahrten in historischen Kostümen mitfahren.
Praktische Tipps zur Fahrt mit der Molli
Die Schmalspurbahn verkehrt ganzjährig, im Sommer tagsüber stündlich, im Winter seltener. Die Fahrpläne sind mit den Fernverkehrszügen aus Rostock und Wismar abgestimmt, ein Umsteigen ist ohne Wartezeit möglich und Molli fährt auch erst los, wenn alle Fahrgäste ihre Fahrkarte am Schalter gekauft haben und eingestiegen sind. Die Tickets sind übrigens kleine Pappkärtchen, wie die Älteren sie noch kennen, und werden vom Schaffner mit einer Zange abgeknipst.
Ein Einzelfahrschein von Bad Doberan bis Heiligendamm kostet 4,20 Euro, bis Kühlungsborn 6,20 Euro (Preise 2011). Wird die Rückfahrt gleich mitgekauft ist es günstiger – so wie früher. Neben den üblichen Ermäßigungen gibt es auch Familienkarten, 10er-Karten, Wochen-, Monats- und Gruppentickets. Eine Fahrradmitnahme ist möglich.
Die Fahrt von Bad Doberan bis Heiligendamm dauert eine gute Viertel Stunde, bis Kühlungsborn sind es weitere 20 Minuten. Bei einigen Zügen fährt ein Salonwagen mit, in dem es nach Voranmeldung Kaffee, Kuchen oder einen Imbiss gibt.
Wer seinen Kindern oder sich selbst Kindheitsträume erfüllen möchte, kann nach Anmeldung auch vorne in der Dampflok mitfahren und Lokführer und Heizer bei der Arbeit zuschauen (25 Euro, Preis 2011).
Veranstaltungen und Erlebnisfahrten mit dem „Hundertjährigen Zug“
Vor allem in den Sommermonaten gibt es zahlreiche Veranstaltungen, bei denen der Dampfzug die Hauptrolle spielt: Es gibt zum Beispiel einen Volkslauf an der Bahnstrecke, einen Kindertag oder Konzerte. Das Bedeutendste sind aber die regelmäßigen Sonder- und Erlebnisfahrten, bei denen der „Hundertjährige Zug“ eingesetzt wird. Er besteht aus den historischen Wagen der Molli, die aufwändig und liebevoll restauriert wurden: Lampen und Türschlösser sind aus Messing, die Gepäcknetze handgeknüpft, die Fenster haben Holzrahmen und Lederriemen und die Beschriftungen und Zierleisten sind handgemalt. In der dritten Klasse gibt es die historischen Holzlattensitze, in der zweiten Klasse sitzt man auf Kunstleder- und Stoffsitzen. Angetrieben wird die Eisenbahn von einer originalen Dampflok aus dem Jahr 1932.
Museum und Erlebnisgaststätten
Am Endbahnhof in Kühlungsborn West existiert seit einigen Jahren ein kostenloses Molli-Museum, in dem die Geschichte gezeigt wird. Direkt daneben liegt das im Dampfzug-Stil eingerichtete Museumscafe.
Im Bahnhof Kühlungsborn Ost entstand 2005 die Erlebnisgaststätte Mollis Lo(c)kschuppen: Hier gibt es Sitze wie in einem Bahnabteil, Gepäcknetze, nostalgische Gepäckstücke, Schilder, Lampen und einen Tresen im Molli-Design.
Im klassizistischen Bahnhofsgebäude von Heiligendamm wird im „Herzoglichen Wartesaal“ heute nicht mehr nur gewartet, sondern auch gespeist. In den nostalgisch eingerichteten Räumen blicken die Gäste aus dem ehemaligen Schalterfenster und können den Zugleiter beobachten, der seine Arbeit am Stellwerk verrichtet.
Quellen:
Merten, Christoph: Ostseeküste, Mecklenburg-Vorpommern. 1999.
Informationen der Mecklenburgische Bäderbahn
