
- Metallbücher mit christlichen Symbolen - Vincenzo Pascale
Es tauchen immer wieder Meldungen über spektakuläre Funde verschollener Artefakte in den Medien auf, bei denen man anfangs nicht so recht weiß, ob es sich dabei nur um eine weitere Fälschung, oder tatsächlich um einen Schatz handelt. Man denke dabei nur an zwei „historisch bedeutsame Funde“ der letzten Vergangenheit: „Die Hitler-Tagebücher“ und „Qumran-Schriftrollen vom Toten Meer“. Ersteres stellte sich im Nachhinein bald als riesiger Fake, als Fälschung von Konrad Kujau heraus. Zweiteres, "Die Schriftrollen von Qumran", wurden nach Jahren der Forschung als echte historische Zeugnisse mit erheblicher wissenschaftlicher Bedeutung bestätigt. Ähnlich wie mit den Schriftrollen von Qumran könnte es sich auch mit dem neuesten sensationellen Fund, der seit Kurzem durch die Weltpresse geistert, verhalten. Gemeint sind auch hier schriftliche Hinterlassenschaften aus einer längst vergangenen Zeit: Die Metallbücher aus Jordanien.
Ein Schatz, wie aus einem Indiana Jones-Film
Die Geschichte der Entdeckung der außergewöhnlichen Schriften könnte fast einem Indiana Jones-Film entstammen. In einem abgelegenen Tal inmitten einer Wüste im Norden von Jordanien entdeckte ein Beduine eine Höhle, die Tage zuvor noch nicht da gewesen war. Der Eingang war durch die Wassermassen einer Sturzflut freigelegt worden. Der Einheimische betrat die Felshöhle und fand sich in einer Gruft wieder, in der sich mehrere Nischen befanden. Und in zwei der Nischen lagen merkwürdige Artefakte. Bei der näheren Betrachtung stellten sich diese Dinger als Metallbücher heraus. Der Beduine nahm diese an sich und schmuggelte sie außer Landes, nach Israel.
2.000 Jahre alte Schriften zeigen erstmals ein Porträt von Jesus
Im März 2011 tauchte der seltsame Fund, der sage und schreibe 70 metallene Bücher umfasste, in den Medien auf. Das Sensationelle daran: Die Metallbücher seien vor circa 2.000 Jahren „geschrieben“ worden. Außerdem seien sie nicht nur das älteste archäologische Zeugnis aus der Zeit der ersten Christen, sondern sie sollen auch das erste und einzige Porträt von Jesus Christus zeigen. Die zwischen 2005 bis 2007 unweit von Qumran gefundenen Bücher sind aus Kupfer und Blei. Jeweils fünf bis fünfzehn Seiten sind mit Metallringen zu einem Buch zusammen gebunden. Viele dieser Werke sind nicht größer als eine gewöhnliche Kreditkarte. Und auf diesen Platten, finden sich verschlüsselte Texte, die in einer alten Sprache geschrieben worden sind, und diverse Symbole und Darstellungen. Diese scheinen wahllos angebracht und nicht direkt in einem Zusammenhang zu stehen. So sind auf den mysteriösen Metallbüchern beispielsweise achteckige Sterne, Palmen, Krokodile, ein siebenarmiger Leuchter (jüdisches Symbol) und zwei Porträts, wovon eines das Anlitz von Jesus sein soll, zu sehen.
Metallbücher bedeutender als die Qumran-Schriftrollen
Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass die Schriften von den ersten Christen stammen, kommt der Bibliothek aus Metall eine immense geschichtliche Bedeutung zu, die sogar den Fund der Schriftrollen von Qumran übertreffen könnten. Davon ist auch David Elkington, britischer Forscher, überzeugt. Als einer von wenigen hat er einen Großteil der Metallbücher selbst sehen dürfen. Er sorgte auch dafür, dass von einigen Büchern Proben genommen wurden und diese in einem renommierten Labor untersucht werden konnten. Mittlerweile hat Elkington ein Team von Wissenschaftler um sich geschart, die die frühchristlichen Codices untersuchen.
Es gibt erste Beweise für die Echtheit der antiken Bücher
Erste Hinweise und „Beweise“ für die Authentizität der mystischen Bücher aus Metall gibt es bereits schon. Bei dem Text auf den Metallseiten soll es sich um eine altertümlich–semitische Schriftform aus dem Althebräischen handeln. Zu diesem Schluss kam Professor Philip Davies von der Universität Sheffield, ein angesehener Experte für das Alte Testament und die Qumran-Schriftrollen. Diese Schriften auf den Metallbüchern sind dem letzten und ersten Jahrhundert um Christi Geburt zuzuordnen.
Die ersten metallurgischen Untersuchungen scheinen ebenso Erfolg versprechend zu sein. Die in anerkannten Laboratorien durchgeführten Analysen ergaben das die korrodierte Oberfläche der untersuchten Bücher auf ein Alter von 1.800 bis 2.000 Jahre zu datieren ist, also in die Zeit der ersten Christen.
Die Codices werden bereits in der Bibel erwähnt
Noch erstaunlicher scheint es, dass sich womöglich bereits ein erster Hinweis auf die Metallbücher in der Bibel selbst zu finden ist. Im Buch der Offenbarung ist von versiegelten Dokumenten, Codices die Rede. Von dieser Annahme geht Frau Dr. Barker, frühere Präsidentin der Gesellschaft für Alttestamentarische Studien in Cambridge, aus. Da bereits die ersten Christen verfolgt wurden, mussten sie ihr Wissen schützen. Hinzu kommt, dass die Metallbücher dort gefunden wurden, wohin die Christen nach der Belagerung Jerusalems 70 nach Christus geflohen waren. Bekanntlich wurden auch 150 Kilometer entfernt die Schriftrollen vom Toten Meer gefunden.
Im Gegensatz zu dem Leiter der jordanischen Antiquitätenverwaltung, der den Fund „als den wichtigsten in der Geschichte der Archäologie“ wähnt und von seiner Echtheit überzeugt ist, gibt es eine Reihe von Zweiflern und sogar Indizien, die das Bild der großen sensationellen Entdeckung ins Wanken bringt. Bereits die Geschichte über die Entdeckung der Bücher wirft Fragen auf. Als Jordanien den in Israel befindlichen Schatz zurückhaben wollte, behauptete der Besitzer Hassan Saeda, von Beruf Lastwagenfahrer, die Bibliothek nicht selbst außer Landes geschmuggelt zu haben. Die Kostbarkeiten befänden sich bereits seit über 100 Jahren im Familienbesitz.
Hebräische Sprache bringt die Echtheit der Funde ins Wanken
Die Israelis, besorgt in einen Konflikt mit Jordanien hineingezogen zu werden, konterten ebenfalls entsprechend. Derartige Metallbücher, seien nur Fälschungen. Diese fände man zu Tausenden auf den Märkten des Mittleren Ostens als angeblich wertvolle Antiquitäten. Auch wird die metallurgische Untersuchung der Bücher in Zweifel gezogen. Es seien tatsächlich nur zwei Bücher von insgesamt 70 Stück untersucht worden. Doch das wohl stichhaltigste Argument für das Vorliegen einer Fälschung ist: Die Sprache auf den Platten ist nicht aus einer Zeit. Es wurden Formen der aramäischen Sprache auf den Textplatten vorgefunden, die 2.500 Jahre alt sind, sowie neuere Formen, die nicht von den ersten Christen des ersten Jahrhunderts stammen können.
Doch reicht dies aus, um die Metallbücher als Fälschungen zu entlarven? Elkington räumt zwar ein, dass in die Sammlung der antiken Bibliothek möglicherweise das ein oder andere Stück aus moderner Zeit stammen könnte, der Großteil der antiken Metallbücher sei jedoch echt. Er ist jedenfalls davon überzeugt. Man kann daher nur hoffen, dass bald neue Forschungsergebnisse Klarheit über die Echtheit des sensationellen Fundes bringen.
