
- Die Aufnahmesituation bestimmt die Wahl des Mikros - (c) Holger.Ellgaard
Als Barack Obama 2008 in Chicagos Grant Park vor die Welt-Öffentlichkeit tritt, hat er etwas wichtiges mitzuteilen. Er wird der neue Präsident der Vereinigten Staaten sein. Obamas Dankes-Rede ist in die ganze Welt übertragen worden. Seine Stimme wurde von dynamischen Mikrofonen eines großen Herstellers aufgezeichnet. Richtcharakteristik Niere. Sprecher im Rundfunkstudio sitzen meistens hinter Großmembran-Kondensatormikrofonen. Soll die Stimme eines Sprechers im Produktions-Studio allerdings einen besonders edlen und warmen Klang erhalten, dann wird eventuell sogar ein Röhren-Mikrofon eingesetzt. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Mikrofon-Typen sind hörbar und werden durchaus auch ungeschulten Hörern auffallen.
Die Bühne gehört den dynamischen Mikrofonen
Das Barack Obama am Rednerpult in ein dynamisches Mikrofon spricht, ist kein Zufall. Dieser Mikrofontyp eignet sich nahezu ideal für die Aufnahme auf Bühnen und auch im Freien. Die Richtcharakteristik Niere wurde gewählt, da so der Schall zu einem großen Teil von vorne her aufgenommen wird. Von hinten auf die Mikrofon-Kapsel treffende Geräusche werden eher abgeschirmt. Eine ideale Ausgangs-Voraussetzung, um Rückkopplungen durch die zum Publikum gerichteten Lautsprecher zu vermeiden. Ein weiterer Vorteil ist, dass auch hoher Schalldruck von dieser Bauart meist gut verkraftet wird.
Bei einem dynamischen Mikrofon wird der Schall über eine Membran aufgenommen und direkt von einem elektro-akustischen Wandler in Strom umgesetzt. Eine weitere Stromversorgung des Mikrofons wird nicht benötigt. Es kann direkt an einen Verstärker, ein Aufnahme-Gerät oder auch einen Laptop angeschlossen werden. Dynamische Mikrofone sind das ideale Werkzeug für Reporter im Außen-Einsatz und auf Live-Events. Sie sind vergleichsweise preisgünstig. Das bei Barack Obamas Rede benutzte Mikrofon liegt im Preisbereich um die 150 Euro und wird häufig von Ton-Technikern empfohlen.
Große Membranen geben angenehme Klangfarbe
Der Hollywood-Held im Kino spricht akzentfrei Deutsch, er wurde im Studio von einem Sprecher synchronisiert. In der Regel wurde die Stimme des Sprechers von einem Groß-Membran-Kondensator-Mikrofon aufgenommen. Grund sind die Audio-Eigenschaften dieses Mikrofon-Typs. Das Mikrofon verhilft der Stimme zu sattem, voluminösem und angenehmem Klang. Zudem sind diese Mikrofone sehr rauscharm. Ein Kriterium, das in Aufnahme-Studios das sprichwörtliche Gold wert ist, aus dem die Membranen der Kondensator-Mikrofone dann auch bestehen. Für Außenaufnahmen eignet sich dieser Mikrofon-Typ kaum. Da ihr Signal immer verstärkt werden muss, kommt ein Kondensator-Mikrofon nicht ohne zusätzliche, im Gehäuse integrierte Schaltungen aus. Das erklärt unter anderem auch, warum ein Kondensator-Mikrofon immer eine zusätzliche Stromversorgung benötigt. Meist wird diese sogenannte Phantomspannung über ein Mischpult eingespeist. Mit Groß-Membran-Mikrofonen lassen sich im Studio allerdings hervorragend klingende Aufnahmen produzieren.
Ein bekannter Hersteller in diesem Bereich ist das deutsche Unternehmen Neumann. Allerdings können die Anschaffungskosten durchaus im vierstelligen Bereich liegen. Seit kurzem bieten Hersteller, vorwiegend aus China, Großmembran-Kondensatormikrofone zu deutlich günstigeren Preisen an. Besonderes Augenmerk ist hier auf das Eigenrauschen zu legen, ein Schwachpunkt der billigeren Produkte, die in punkto Klangqualität durchaus auch im unteren Preissegment hörenswerte Leistungen abliefern.
Ein Röhren-Mikrofon adelt die Stimme
Ein sehr bekanntes Groß-Membran-Mikrofon ist das Neumann U47. Ein Röhren-Mikrofon aus dem Jahre 1949 und ein Sammlerstück. Auch heute noch werden Röhren-Mikrofone gebaut. Es sind edle Produkte, die dem vollen Sound eines Kondensator-Mikrofons mit ihrem warmen Klang die Krone aufsetzen. Diese in der Regel etwas teureren Geräte werden meist nur im Studio eingesetzt, da der Betrieb der Röhre noch einmal ein Extra-Gerät für die Stromversorgung benötigt.
Die Wahl des Mikrofon-Typs ist entscheidend
Welcher Mikrofon-Typ der beste ist, kann so nicht beantwortet werden. Die Einsatzbereiche und die spezifischen Anforderungen an das Klangbild bestimmen die Wahl zwischen dynamischem oder Kondensator-Mikrofon. Die Wahl der Richtcharakteristik wird durch die Aufnahmesituation bestimmt. Im allgemeinen wird in einem Studio, in dem mit einem einzelnen Sprecher gearbeitet wird, die Wahl auf Niere oder Super-Niere fallen.
Soll aber eine Diskussions-Runde aufgenommen werden oder sollen auch Umgebungs-Geräusche mit auf die Aufnahme, so könnte ein Mikrofon mit Richtcharakteristik Kugel gewählt werden. Ausschlaggebendes Merkmal für Aufnahmen ist das Eigenrauschen. In diesem Punkt unterscheiden sich teurere Produkte deutlich von den günstigeren. Neben der Klangfarbe bietet die Bauform des Kondensator-Mikrofon in diesem Punkt in der Regel Vorteile gegenüber dem dynamischen Mikrofon.
