Benannt sind die Minoer nach der griechischen Sagengestalt von König Minos, der über Kreta geherrscht haben soll. Noch immer ranken sich Legenden um die minoische Hochkultur; doch seit etwa hundert Jahren – mit der Entdeckung und Ausgrabung der Palastanlagen von Knossos, Phaistos und Malia – hat man immer mehr Beweise ihrer hohen Kultur gefunden und Sicherheit über ihre Geschichte gewonnen.

Vorpalastzeit

Zwischen 2600 und 1900 vor Christus stieg die Bevölkerungszahl auf Kreta stark an; es wird davon ausgegangen, dass sowohl die Völker aus Kleinasien als auch aus Libyen nach Kreta kamen. Die Menschen der Kupferzeit wohnten in kleinen Siedlungen und waren hauptsächlich in der Metallbearbeitung tätig, stellten aber auch Keramiken her. Sie hinterließen Kuppelgräber, die heute noch im Süden der Insel zu finden sind. Eine weitere Neuerung aus diesem Zeitraum war die Entwicklung in der Landwirtschaft. Kreta war zu jener Zeit sehr reich, was die kostbaren Grabbeigaben belegen, die bei den Ausgrabungen gefunden wurden.

Altpalastzeit

Von 1900 bis 1700 vor Christus kam es zu einen deutlichen Aufschwung in Wirtschaft und Kultur, da die Handelsbeziehungen auf Kreta aufgebaut und erweitert wurden. In diesem Zeitraum wurden die Palastanlagen von Knossos, Phaistos und Malia erbaut. Diese Paläste waren zentrale Verwaltungsorte; sie dienten als Treffpunkt für Händler und als Austragungsort für kultische Handlungen. Um die Palastanlagen herum lagen die Städte, die für damalige Verhältnisse sehr groß waren und sich weiter ausbreiteten. Wahrscheinlich ein Tsunami, wohl ausgelöst durch einen Vulkanausbruch auf Santorin, verwüstete große Teile der minoischen Kultur; doch bald darauf begannen die Minoer mit dem Wiederaufbau.

Neupalastzeit

Ab 1700 vor Christus wurden die zerstörten Gebäude wieder aufgebaut und dabei noch vergrößert und verschönert. Die Paläste wurden noch prachtvoller gestaltet und um mehrere Stockwerke erweitert. Aus dieser Zeit stammen besonders schöne Fresken und Schmuckstücke. Im Vergleich zu anderen Kulturen ist auffällig, dass die minoische Kunst friedliche Szenen und Bilder zum Thema hat, anstelle von kriegerischen Darstellungen, wie man sie bei den meisten anderen Völkern findet. Um 1450 vor Christus gab es eine weitere Katastrophe, deren Ursprung bis heute nicht mit Sicherheit geklärt werden konnte. Möglicherweise gab es ein zweites großes Erdbeben, das mit seiner Flutwelle die Küstenstreifen vernichtete, aber auch Aufstände oder ein Angriff von außen können der Grund für den Niedergang der minoischen Kultur gewesen sein. Inzwischen vertreten immer mehr Historiker die These, dass die Mykener die minoische Kultur durch kriegerische Angriffe zerstörten.

Nachpalastzeit

Von 1450/1400 bis 1100 vor Christus übertrug sich die minoische Kunst auf die mykenische Kultur, so dass die beiden Kunstformen verschmolzen. Daher sind die Kunstwerke der Minoer heute nicht nur auf Kreta zu finden, sondern auch auf den nächsten Inseln und auf dem Festland. Kreta wurde den Griechen untergeordnet und von dem wieder aufgebauten Knossos aus regiert. Die minoische Linear-A-Schrift wurde mit der frühgriechischen Sprache kombiniert und so entstand die Linear-B-Schrift. Das Kunsthandwerk der Minoer verlor an Einfallsreichtum und die Fresken und Kunstwerke bekamen einen kriegerischen Charakter. Um 1380 wurde der Palast von Knossos durch ein weiteres Erdbeben und einen Brand zerstört. Aufgrund von Unruhen und Zerstörungen im gesamten Mittelmeerraum ging es zwischen 1200 und 1100 mit der minoischen Hochkultur auf Kreta zu Ende.

Quellen: