Die Mintarder Ruhrtalbrücke zwischen Essen und Mülheim

Ruhrtalbrücke mit Ruhr - Moreinput, Pixelio
Ruhrtalbrücke mit Ruhr - Moreinput, Pixelio
Die Mintarder Ruhrtalbrücke, von Einheimischen kurz Ruhrtalbrücke genannt, ist ein Teilstück der Autobahn 52.

Die A52 verläuft vom Autobahndreieck Essen-Ost durch den Südosten der Stadt an Mülheim und Ratingen vorbei bis zum Mörsenbroicher Ei im Düsseldorfer Norden. Die Ruhrtalbrücke ist ein Teilstück der Autobahn, das zwar zu Mülheim an der Ruhr gehört, jedoch sehr dicht an der Essener Stadtgrenze verläuft.

Technische Daten der Ruhrtalbrücke, Bau und Fertigstellung

Die Brücke ist insgesamt 1,8 Kilometer lang und verläuft vom Mülheimer Stadtteil Ickten über das Ruhrtal hin zum Auberg auf Mülheimer Stadtgebiet beziehungsweise zum Mintarder Berg auf Ratinger Seite. Die höchste Stelle der aus massivem Stahlbeton bestehenden Brücke liegt 65 Meter über dem Erdboden, die Stützpfeiler stehen 64 bis 126 Meter auseinander. Ihr Verlauf ist leicht kurvenförmig.

Die Planungen für die Mintarder Ruhrtalbrücke, kurz Ruhrtalbrücke oder Mintarder Brücke genannt, wurden 1960 abgeschlossen. 1963 erfolgte der Baubeginn, Mitte 1966 wurde die Ruhrtalbrücke fertig gestellt. Die Kosten für den Bau beliefen sich auf 20 Millionen Euro, damals also etwa 38 Millionen D-Mark.

Da der Verkehr ab den 1980er Jahren massiv zugenommen hat, wurde die Brücke zwischen 2001 und 2005 vollumfänglich saniert. Weitere Sanierungsmaßnahmen unterhalb der Fahrbahndecke erfolgten im Frühjahr und Sommer 2010.

Wetterkapriolen auf und unterhalb der Mintarder Ruhrtalbrücke

In seltenen Fällen ist bei Sommergewittern und bei tiefhängenden Wolken zu beobachten, dass die Wolken direkt auf der Fahrbahn zu liegen scheinen. Auch die Baumwipfel des angrenzenden Aubergs und Mintarder Bergs sind dann teilweise in den Wolken versunken.

Liegt dichter Nebel über der Ruhr, steigt dieser vielfach auf, sodass die Landschaft unterhalb der Ruhrtalbrücke nicht mehr auszumachen ist, stattdessen kann nur noch eine gleichmäßige weiße Decke wahrgenommen werden. Steigt der Nebel sogar bis auf die Brücke, so ist auf der Fahrbahn selbst meist jedoch lediglich ein leichter Dunst auszumachen.

Obwohl kurz vor Befahrung der Brücke durch ein entsprechendes Verkehrszeichen vor einer möglichen Vereisung der Fahrbahn im Winter gewarnt wird, so kommt es dennoch äußerst selten vor, dass es auf der Brücke tatsächlich einmal glatt ist.

Traurige Berühmtheit der Ruhrtalbrücke: Selbstmorde

Da gerade in den 1980er Jahren die Zahl der Selbstmörder, die sich von der Brücke aus in den Tod gestürzt haben, signifikant zugenommen hat, wurden schließlich Gitter an den Seitenwänden der 27 Meter breiten Brücke angebracht, um hierdurch einen Sprung von der Mintarder Brücke zu erschweren. Die Zahl derjenigen, die sich von der Ruhrtalbrücke in den sicheren Tod gestürzt haben, nahm tatsächlich in der Folgezeit ab, dennoch gibt es bis in die heutige Zeit hinein immer wieder vereinzelt Selbstmörder, die ihren Pkw auf dem Standstreifen abstellen, auf das Dach ihres Autos klettern und so die Schutzgitter problemlos überwinden, um in den Tod zu springen.

Die Firma Thyssen - vor der Fusion mit Krupp - bot in den 1980er Jahren einigen ihrer Mitarbeiter Häuser und Grundstücke am Fuße der Brücke zu einem relativ günstigen Preis an. Natürlich konnten sich viele Käufer zunächst nicht erklären, warum sie großzügig geschnittenene Grundstücke und Häuser in landschaftlich schöner Lage direkt an der Ruhr zu solch einem günstigen Preis erwerben konnten. Des Rätsels Lösung erfolgte spätestens dann, wenn sie den einen oder anderen Selbstmörder nach seinem Sprung von der Brücke im Garten hatten.

Nicht-Einheimische halten die Schutzgitter an der Seite der Fahrbahn nicht für einen Schutz, sondern für einen Windshot, da Brücken und die darauf fahrenden Fahrzeuge bekanntermaßen sehr seitenwindanfällig sind.

Leider kamen in den Jahren seit Errichtung der Brücke auch immer wieder Arbeiter, die in großer Höhe unterhalb der Brücke gearbeitet haben, bei tragischen Arbeitsunfällen zu Tode.

Anekdoten zu den Parkplätzen vor der Ruhrtalbrücke

Sowohl in Fahrtrichtung Essen als auch in Fahrtrichtung Düsseldorf befinden sich kurz vor dem Brückeneingang zwei Rastplätze mit Sitzgelegenheiten an der A52. Der Rastplatz Bergschlag in Fahrtrichtung Düsseldorf wird tatsächlich nur für kurze Pausen oder als Nachtquartier von Lkw-Fahrern genutzt, während der Rastplatz in Fahrtrichtung Essen am Mintarder Berg zumindest bis etwa 2005 ein berühmter Treffpunkt für schwule Männer war. Ahnungslose Frauen, die nicht aus dem Ruhrgebiet stammten und die dort eigentlich nur kurz rasten wollten, waren deshalb oft ziemlich überrascht, dass sie bei den dort auf dem Parkplatz wartenden Männern nicht sonderlich willkommen waren. Heute wird jedoch auch dieser Rastplatz eher als Übernachtungsmöglichkeit für Lkw-Fahrer genutzt.

_______________________________________________

Bildnachweis:

Ruhrtalbrücke von unten: (c) Moreinput, Pixelio

Ruhrtalbrücke im Sonnenschein: (c) Thomas Max Müller, Pixelio

Mülheimer City: (c) Bardewyk, Pixelio

Alexandra Döll, Autorin, Marina Hong, Düsseldorf

Alexandra Döll - Persönliche Daten: geboren 1974 in Essen, wohnhaft ebendaFamilienstand: ledig, keine KinderAbitur 1993, anschließend ...

rss