Die Minze - duftende Vielfalt

Von Pfefferminze und Fruchtminzen

Blüten der Ackerminze - Dr. Gerald Albach
Blüten der Ackerminze - Dr. Gerald Albach
Die Minze ist eine äußerst vielseitige Pflanze, die in der Küche, als Tee oder Gewürz Verwendung findet und für ihre gesundheitliche Wirkung bekannt ist.

Minze ist allgegenwärtig: Sie begegnet uns im Alltag in Kaugummis, Hustenbonbons, Teemischungen und Zahnpasta, in Cocktails wie dem Mojito und Schokolade, in den verschiedensten Speisen sowie in Duftölen und Kosmetika. Doch nicht nur in ihrer Verwendung, auch bezüglich ihrer Arten und Sorten weist die Minze eine ungeheure Vielfalt auf.

Die Minze – Wachstum und Gestalt

Die Gattung Minze (Mentha) gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) und zeichnet sich durch einen großen Artenreichtum aus. Neben den Wildsorten existieren zahlreiche Bastarde und Hybriden – Minzarten kreuzen sich häufig und eignen sich deshalb auch sehr gut für die Züchtung – sowie fälschlicherweise als Minze bezeichnete Duftpflanzen wie die Katzenminze (Nepeta cataria).

Wer Minze im Garten anbauen will, benötigt einen halbschattigen oder schattigen Standort mit lockerem Boden. Nicht selten finden die Pflanzen allerdings von selbst ihren Weg in den Garten: Minze ist sehr wanderfreudig, eine Tatsache, der man sich vor einer Ansiedlung bewusst sein sollte. Und wie erkennt man Minzen in der Natur oder im Garten? Nun, Minze blüht von Juli bis Oktober und treibt im Frühling neu aus. Ihre mitunter verzweigten Stängel sind vierkantig und besitzen häufig eine rötlich-violette Färbung. Die meist behaarten Blätter wiederum sind länglich oder herzförmig, der Blattrand ist überwiegend gezahnt oder gesägt. Die ährenartigen weißlich bis rosa Blüten bilden Scheinquirle. Das charakteristischste Merkmal ist jedoch sicherlich der aromatische Duft – streift man mit dem Finger über die Blätter, riecht man die in der Pflanze enthaltenen ätherischen Öle.

Wilde Minzen – Acker-Minze, Wasser-Minze und Grüne-Minze

Die Acker-Minze (Mentha arvensis) besitzt im Gegensatz zu den meisten anderen Minzarten keine Scheinähren, die Scheinquirle sitzen stattdessen um den Blattstielansatz und den Pflanzenstängel. Eine Sorte der Acker-Minze ist Hauptbestandteil des seit einigen Jahren als Mittel gegen Kopfweh und Muskelschmerzen äußerst beliebten Tigeröls. Die auch als Bach-Minze bekannte Wasser-Minze (Mentha aquatica) wächst bevorzugt an Bach- und Teichufern. Neben den violetten Scheinquirlen bildet sie am Stängelende kugelige Blütenköpfchen aus. Die Grüne-Minze (Mentha spicita) ist Bestandteil vieler Mundpflegeartikel, Bonbons und Kaugummis (spearmint). Sie wird auch Ähren-Minze, Speer-Minze oder Waldminze genannt. Weitere Wildarten sind beispielsweise die Ross-Minze (Mentha longifolia), die Polei-Minze (Mentha pulegium) und die Korsische Minze (Mentha requienii).

Pfefferminze und Fruchtminzen

Die seit dem 18.Jahrhundert kultivierte Pfefferminze (Mentha x piperita) ist ein Bastard aus den Wildarten Wasser-Minze und Ähren-Minze. Sie findet vor allem als Arzneitee Verwendung. Zu der Hybridgruppe der Pfeffer-Minzen gehören neben der robusten Thüringer-Minze auch so genannte Fruchtminzen: die fruchtige Orangen-Minze, die Zitronen-Minze und die aufgrund ihres Aromas vor allem für Süßspeisen geeignete Schokoladen-Minze. Beispiel einer wilden Fruchtminze wäre die nach Apfelkuchen duftende Apfel-Minze (Mentha suaveolens). Fruchtminzen besitzen einen niedrigen Mentholgehalt und tragen ihre Beinamen wegen der Ähnlichkeit in Geschmack und Duft.

Gesundheit – die Heilwirkung von Minze

Die bekannteste Minze ist wohl die Pfefferminze, bedingt durch ihre häufige Verwendung als Tee: Der an ätherischen Ölen reiche Pfefferminztee (wie auch Tees aus den meisten anderen Minzen) besitzt eine krampflösende Wirkung bei Magen- und Darmbeschwerden sowie bei Husten und Bronchialerkrankungen, regt den Appetit und die Verdauung an und wirkt lindernd bei Hals- und Rachenschmerzen. Im Falle einer Erkältung empfiehlt sich neben der Anwendung als Tee auch die Inhalation – klassischerweise mithilfe einer Schüssel dampfenden Wassers und Handtuch oder in der angenehmen Atmosphäre eines heißen Vollbades. Das in der Minze enthaltene Menthol regt die Durchblutung der Schleimhäute an, wirkt schleimlösend und desinfizierend. Häufig verwendet man auch das Öl der Minze: Aus der Japanischen Minze (einer Varietät der Ackerminze) wird das Japanische Heilpflanzenöl gewonnen, das wie Tigeröl aufgrund seiner kühlenden und duftenden Wirkung vor allem äußerlich bei Kopf- und Muskelschmerzen angewandt wird.

Wegen der reizenden Wirkung von Menthol auf den Magen sollte Minztee nicht im Übermaß genossen werden. Säuglinge und Kleinkinder sollten keine Minze inhalieren – Menthol kann bei ihnen unter Umständen Atemstillstand auslösen! Alles in allem ist Minze jedoch eine gesunde, aromatische und vielseitige Pflanze: als Tee – heiß oder kalt, pur oder in Kräutermischungen – und Gewürzkraut in Salaten oder Desserts, als Duftspender und Arzneimittel. Im Artikel fand nur eine kleine Auswahl aller existierenden Minzen einen Platz.

Weitere Minzen sowie wertvolle Tipps, Anleitungen und Rezepte finden sich in:

Birgitte Kleinod/Friedhelm Strickler: Minze. frisch - aromatisch - gesund. Eugen Ulmer Verlag, 2006. Broschiert, 63 Seiten. Euro 7,90.

Thomas Sedlmeyr, Thomas Sedlmeyr

Thomas Sedlmeyr - Studium der Deutschen Literaturwissenschaft, Geschichte und Ethnologie in Augsburg. Seit 2008 arbeite ich als freier Autor und ...

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