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Die Mispel - eine uralte Kulturfrucht wieder entdeckt

Mispeln und Gelee - Hannelore Dittmar-Ilgen
Mispeln und Gelee - Hannelore Dittmar-Ilgen
Die Römer brachten sie mit und Hildegard von Bingen hegte die Mispel in ihrem Klostergarten. Stellen Sie Marmelade und Hundsarsch-Likör aus Mispeln her.

Schon in Römerzeiten und vor allem im Mittelalter war die Mispel (nicht verwechseln mit Misteln!) ein beliebter Fruchtstrauch, der botanisch zu den Rosengewächsen gehört. Auch Hildegard von Bingen hatte Mispeln in ihrem Klostergarten und überliefert zahlreiche Rezepte dazu. Heute findet man den eher breitwüchsigen, ausladenden Mispelstrauch leider nur noch selten, eher zufällig bei einem Spaziergang durch verwilderte oder aufgegebene Gärten und Wiesen. Vor allem in der Nähe von Klöstern oder an Stellen, an denen Römer siedelten, findet man sie als Kulturrelikte.

Herkunft und Aussehen der Mispel

Woher die Mispel kommt, ist tatsächlich nicht bekannt. Wahrscheinlich wurde sie jedoch von den Römern aus dem vorderasiatischen Raum mit nach Deutschland gebracht, wo sie wegen ihrer geringen Ansprüche augenscheinlich auch gut gedieh. Weder starker Regen noch Trockenheit oder Minusgrade machen ihr etwas aus. Mispelsträucher können – wie einige Exemplare hier und auch in England zeigen – uralt werden, teilweise über hundert Jahre alt.

Der Strauch ist leicht zu erkennen an seinen Laubblättern, die an der Unterseite filzig behaart sind und an seinen Blüten, die an wilde Rosen erinnern. Im Herbst fallen natürlich die Früchte auf, die kleinen Äpfeln und farblich Kiwis ähneln. Sie können Ende Oktober, Anfang November geerntet werden. Auffällig an den Mispeln sind die Kelchblätter an der Spitze der Frucht, die ihnen – völlig zu Recht - mancherorts den Namen „Hundsarsch“ einbrachten. Das feste Fruchtfleisch führte zu der Bezeichnung „Steinapfel“.

Die Früchte der Mispel

Erntet man den „Steinapfel“ im November, ist er noch extrem hart. Essbar wird die Frucht wie bei Schlehen erst nach Frosteinwirkung (Gefrierschrank!) oder nach längerer Lagerung. Der Geschmack ist dann säuerlich und aromatisch. Man kann Mispeln zu Marmelade und Gelee verarbeiten, dies begründet auch ihre frühere Beliebtheit als Obstbaum und Kulturfrucht. Und auch dem Wein oder Most wurden sie wegen ihrer Gerbsäure beigegeben. Er wurde dadurch haltbarer.

Wenn Sie also einen Mispelstrauch finden, ernten Sie die Früchte und konservieren Sie den einmaligen Geschmack als Gelee oder Likör. Oder tragen Sie zur weiteren Verbreitung dieser seltenen Frucht bei: Setzen Sie einige Früchte in ihrem Garten in die Erde und warten Sie, ob ein Spross kommt.

Marmelade mit Mispeln

Für diese herbfruchtige Marmelade benötigen Sie 2 kg Mispeln. Etwas „weicher“ wird der Geschmack, wenn Sie Mispeln, Äpfel, Birnen und/oder Quitten mischen. Schneiden Sie die borstigen Stellen an den Mispelfrüchten ab und vierteln Sie diese dann samt Schale. Nach dem Einfrieren ist das Fruchtfleisch weich, fast teigig. Nun kochen Sie alle Früchte zusammen auf und streichen sie dann durch ein Sieb, so dass Kerne und hartes Stützgewebe zurückbleiben. Eventuell müssen Sie den Fruchtbrei noch mit etwas Apfelsaft auf 800 g auffüllen.

Nun mischen Sie 500 g Gelierzucker (2:1) unter, kochen das Mus nach Vorschrift auf der Packung auf und füllen die außergewöhnliche Fruchtmarmelade in Gläser.

Hundsarsch-Likör

Mispeln lassen sich auch zu diesem einzigartigen Likör aufsetzen. Sie benötigen 15 – 20 gut gelagerte und gut ausgereifte Mispeln. Schneiden Sie auch hier die borstigen Stellen ab und zerteilen Sie die Früchte. Die Mispeln werden zusammen mit 250 g braunem Kandis, Zimt- und (aufgeschnittener) Vanillestange in ein großes, verschließbares Glasgefäß geschichtet und mit 1 l Korn, Rum oder Weinbrand übergossen. Nun heißt es abwarten: Der Aufgesetzte muss mehr als 6 Wochen durchziehen, dabei ab und zu schütteln, damit sich der Zucker auflöst und verteilt. Dann filtern Sie den Likör in eine hübsche Flasche ab.

Lust auf mehr? Vielleicht probieren Sie den Kartoffelpudding, ein Rezept aus Urgroßmutters Schulkochbuch, oder Sie backen die Frankfurter Bethmännchen aus Kartoffelmarzipan, ein durchaus leckeres Rezept aus Notzeiten. Auch die Apfelsinentorte ist ein Klassiker, allerdings aus den 50er Jahren.

Bildnachweis: Abb. 1 und Abb. 2: Hannelore Dittmar-Ilgen

Hannelore Dittmar-Ilgen, Hannelore Dittmar-Ilgen

Dr. Hannelore Dittmar-Ilgen - Physikerin, Wissenschaftsjournalistin, Buchautorin, Mathe-Erklärerin, Hobbybäckerin und... Physikhexe. Und so schreibe ich ...

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