
- Simonetta Vespucci von Sandro Botticelli, um 1476 - public domain
Die Geschichte der Simonetta und ihrer Verehrer reflektiert das aristokratische Leben im Florenz des 15. Jahrhunderts. Sie handelt von Leidenschaft, Tod und Intrige. Eine Geschichte, die der Feder eines Hollywood-Drehbuchautors entsprungen sein könnte.
Die Geburt der Simonetta Cattaneo
Die Tochter der Aristokraten Gaspare Cattaneo und Cattocchia Spinola erblickt 1453 in Genua das Licht der Welt. Durch ihre außergewöhnliche Schönheit, dem blonden Haar, dem Schwanenhals und der perfekten Blässe entspricht sie dem Bildnis der perfekten Frau. Schon sehr früh zieht sie die Blicke der Menschen auf sich. Im zarten Alter von 15 Jahren wird die „Bella Simonetta“ mit Marco Vespucci aus Florenz vermählt. Sie muss ihre Heimatstadt Genua verlassen und folgt ihrem Gatten nach Florenz.
Das Florenz der Medici – Hochburg von Kultur und Kunst
Als Simonetta in Florenz eintrifft, ist die Stadt bereits auf dem Höhepunkt der damaligen Zivilisation angekommen. Sie blüht als Handelsstadt auf und ist ein Kunst- und Kulturzentrum, dessen Bekanntheitsgrad weit über die italienischen Landesgrenzen hinausreicht. Hier treffen sich Adel, Gelehrte und Künstler. An der Spitze der politischen Macht steht die Familie der Medici. Simonetta findet schnell Anschluss an die High Society aus Florenz.
Botticelli – Meister der Renaissance
Auch Alessandro di Mariano Filipepi lebt als Sohn eines Gerbers in Florenz. Nach einer Lehre als Goldschmied stellt er fest, dass er sich der Malerei verpflichtet fühlt. Schon bald bekommt er Aufträge aus den höchsten florentinischen Rängen, darunter vom Stadtherrn Lorenzo I. de‘ Medici. Er eröffnet eine kleine Werkstatt und wird als Sandro Botticelli bekannt. Vermutlich war es sein Bruder, der ihm den Spitznamen Botticelli, was so viel wie ‚Fässchen‘ bedeutet, verlieh und wohl genug über sein Aussehen verrät.
Botticelli fühlt sich dem Humanismus verpflichtet, der die Würde und Persönlichkeit des einzelnen Menschen in der Gesellschaft hervorhebt. Diese Konzentration auf die Individualität erklärt auch die Entstehung des Porträts, das bis dahin nicht als reine Kunstform existierte. Der romantisch veranlagte Botticelli muss schwer von der reinen Schönheit Simonettas beeindruckt gewesen sein. Er portraitiert die Ehefrau Vespucci mit elegant geflochtenem Haar und edlen Kleidern, nach dem damaligen Bild der perfekten Frau. Doch auch danach entstehen zahlreiche Bilder, in denen Simonetta wiederzuerkennen ist.
Simonettas Verehrer – Giuliano I. de‘ Medici
Botticelli ist jedoch nicht der einzige Verehrer der schönsten Frau von Florenz. Auch Giuliano de Medici, Bruder des Stadtherrn Lorenzo I. de‘ Medici, ist von ihrem Anmut verzaubert. Er organisiert 1475 ein Turnier zu ihrer Gunst, wo er ein Banner mit der Aufschrift „La Sans Pareille“ („Die ohne Gleichen“) hervorhebt. Er macht so seine Verehrung für die verheiratete Simonetta öffentlich bekannt. Ob es bei einer rein platonischen Beziehung bleibt oder zu einer Affäre zwischen Simonetta und Giuliano kommt, bleibt bis heute unklar.
Tod und Intrige – das jähe Ende von Simonetta und Giuliano
Ein Jahr sollten sie gemeinsam verbringen, dann verstirbt die „Königin der Schönheit“ im jungen Alter von 23 Jahren. Vermutlich ist es Tuberkulose, die im 15. Jahrhundert in Italien wütet, und auch vor der blühenden Schönheit Simonettas keinen Halt macht. Die florentinische Gemeinde ist zutiefst betroffen und tausende Trauergäste erscheinen auf Simonettas Beisetzung in der Familienkapelle der Vespuccis. Ein Gerücht besagt, dass am Tag ihres Todes ein neuer Stern am Nachthimmel von Florenz erschienen ist.
Doch auch Giuliano ergeht es nicht besser. Auf den Tag genau zwei Jahre nach Simonettas Tod fällt er der Pazzi-Verschwörung zum Opfer. Es geht um Macht und viel Geld. Am Ostersonntag verüben die Pazzis einen Anschlag auf Lorenzo und Giuliano. Giuliano wird erstochen und verblutet auf dem Boden der Kathedrale. Lorenzo hingegen entkommt und die Attentäter werden ergriffen, getötet oder nackt durch die Straßen gejagt. Die Pazzis werden daraufhin ihren Besitztümern enteignet und aus Florenz verbannt.
Muse über den Tod hinaus
Es entsteht ein Mythos um Simonetta Vespucci, die weit über ihren Tod hinaus Künstler inspiriert. Piero di Cosimo malt sie als Cleopatra mit perlenbesetztem Haar und einer Schlange um den Hals. Angelo Poliziano schreibt in seinem „Stanze“ über ihr süßes Antlitz, von dem man die Augen nicht zu lösen vermochte. Auch Botticellis Verehrung für die „Bella Simonetta“ hält lange an. Man kann ihr Antlitz in vielen seiner Porträts und Madonnenbilder wiedererkennen. Vermutlich ist es auch sie, die er in der „Geburt der Venus“ als nackte Göttin mit wehendem Haar darstellt. Botticelli ist seiner Muse so verpflichtet, dass er in seinem Testament verlangt, zu ihren Füßen begraben zu werden.
Einige Werke Botticellis sowie Portraits von vielen weiteren Künstlern der Renaissance sind noch bis zum 20. November 2011 im Bode-Museum Berlin zu betrachten.
Quellen:
Die Ausstellung „Gesichter der Renaissance“
