Die Musik von Joy Division

Die Postpunk-Band aus Manchester gilt als Vorreiter des Gothic-Rock

Joy Division - Unknown Pleasures Cover - c Peter Saville/Rhino Records
Joy Division - Unknown Pleasures Cover - c Peter Saville/Rhino Records
Es begann mit Punk und endete mit "Death Disco": Joy Division kreierten mit Hilfe ihres Produzenten Martin Hannett einige der dunkelsten Musikstücke des Postpunk.

Joy Division haben ihre Wurzeln in der Punkszene von Manchester der späten Siebziger Jahre. Auf den frühen Aufnahmen (noch unter dem alten Bandnamen „Warsaw“) ist der Einfluss der Sex Pistols und der Stooges ist nicht zu überhören. Dennoch hatten Joy Division mehr zu bieten als das bloße „F*** you“ des Punk. Sie stießen schnell an die Grenzen des Genres und gingen weiter: Aus „Warsaw“ wurde „Joy Division“, die Songs wurden langsamer, introspektiver, dunkler. Der Unterschied zu Warsaw ist immens: die Band ist kaum wiederzuerkennen.

Doors, Kraftwerk, Velvet Underground als Einfluss

Die Einflüsse von Joy Division sind vielfältig: David Bowie, Brian Eno, die Doors, Velvet Underground, Kraftwerk, Can u.a. Vor allem die Avantgarde-Truppe Throbbing Gristle hatte es Leadsänger Ian Curtis angetan. (Später freundete er sich mit deren Frontman Genesis P-Orridge an). Die wahre Originalität des Joy Division-Sounds kam aber von Joy Division-Produzent Martin Hannett. Was den Sound der Band auf Platte betrifft, kann seine Rolle nicht genug betont werden.

Der Sound von Martin Hannett

Die Songs "Digital" und "Glass", die Joy Division für einen Sampler des frischgebackenen Indie-Labels Factory aufnahmen, waren ihre erste Zusammenarbeit mit Hannett. Dieser hatte erst kurz zuvor begonnen, mit dem AMS Digital Delay-Effekt zu arbeiten, und Joy Division war die erste Band, bei der er es einsetzte. Die Songs verschwanden in einer Landschaft aus Reverb- und Delay-Effekten und Geräuschen; ein Umstand, der der Band (mit Ausnahme Curtis') damals überhaupt nicht gefiel, weil sie lieber ihren rauen, härteren Live-Sound auf Platte gehabt hätten.

Minimalismus und Ian Curtis’ Bariton

Charakteristisch für die Musik von Joy Division sind Curtis' Baritonstimme, Peter Hooks hohe Bassnoten, Steve Morris' zyklische Drumpatterns, der ungewöhnliche Sound, die einsame Rhythmusgitarre Bernard Sumners und der minimalistische, schnörkellose Einsatz des Synthesizer. Die Melodie kommt oft vom Bass, große Gitarrensoli fehlen völlig. Im Grunde spielen vier Lead-Instrumente, jedes verfolgt seinen Weg, und dazwischen bleibt eine Menge Raum, eine Menge Leere übrig.

Die totale Separation der Klänge

Um den besonderen und damals völlig neuartigen Drumsound zu erreichen, der Joy Division damals wie heute auszeichnet, griff Martin Hannett zu ungewöhnlichen Methoden: Er ließ für einige Songs Morris sein Schlagzeug komplett auseinandernehmen und alle Drumparts einzeln einspielen (also zuerst Snare, dann Hi-Hat, etc), um jegliches Ineinanderfließen der einzelnen Drum-Elemente zu verhindern. Dass es beim Schlagzeugspielen gerade um das Zusammenklingen geht, störte Hannett nicht im Geringsten. Ihm ging es um die totale Separation der Elemente und Klänge.

„Unknown Pleasures“: Death Disco

Diese puristischen, reduzierten Arrangements ähneln einer kargen Winterlandschaft: Das perfekte Setting für Curtis' dunkle Texte, die von Verzweiflung, Isolation, Kälte und Kontrollverlust handeln. Dennoch sind viele Joy Division-Songs tanzbar, was ihrer Musik bald das Etikett „Death Disco“ einbrachte. Über ihr Debütalbum „Unknown Pleasures“ (1979) wurde gesagt, dass es der perfekte Soundtrack für einen Selbstmord sei. Der Journalist Paul Morley bezeichnete die Band als eine „marsianische Version der Doors“ und ihren Sound als „eine Science Fiction-Interpretation von Manchester“; ihre Single „Atmosphere“ (1980) klinge, als ob Kafka einen Song für Sinatra geschrieben hätte, so Morley.

Auch nach dem Postpunk noch aktuell

Joy Division funktionieren auch außerhalb des Kontextes der Postpunk-Bewegung (ca. 1978-1984), der sie zugeordnet werden. Martin Hannett verließ sich sehr auf die Technik der damaligen Zeit; ein Risiko, wo doch der technische Fortschritt elektronische Musik schnell veraltet klingen lässt. Trotzdem klingt Joy Divisions Musik auch heute noch zeitlos und bleibt so relevant wie vor 30 Jahren.

Von Joy Division zu New Order

Trotz potenzieller Hits wie „Transmission“ oder „Love will tear us apart“ blieb Joy Division der große Erfolg verwehrt, nicht zuletzt wegen der eigensinnigen Promotion-Philosophie ihres Indie-Labels Factory Records. Dazu kam, dass sie nicht lange genug existierten, um die Früchte ihrer Arbeit zu ernten: Am Vorabend ihrer ersten großen Amerika-Tournee beging Sänger Ian Curtis Selbstmord, was das Ende von Joy Division bedeutete. (Seine Bandkollegen gründeten danach New Order und wurden kommerziell äußerst erfolgreich).

Großer Einfluss auf U2 und The Cure

Trotz des relativ kleinen Songkatalogs (zwei Alben, eine Handvoll Singles und EPs) übertreffen Einfluss und Bedeutung von Joy Division ihre Popularität und Plattenverkaufszahlen bei Weitem. Auch heute noch berufen sich viele Bands auf Joy Division, wie zum Beispiel die Editors, Interpol, Bloc Party, White Lies, Moby oder auch Gitarrist John Frusciante (Red Hot Chili Peppers).

Joy Division gelten als Vorreiter der Gothic-Bewegung (The Cure, Siouxsie and the Banshees, Bauhaus etc). Großen Einfluss hatten Joy Division aber auch auf U2: die damals noch blutjunge Band war 1980 bei den Aufnahmen zum zweiten Joy Division-Album „Closer“ im Studio zu Besuch; im selben Jahr produzierte Martin Hannett die U2-Debüt-Single „11 o'clock Tick Tock“.

Elisabeth Vock - Geboren 1978 in Wien, wuchs ich am Land auf, zwischen Musikinstrumenten und Pferden. Bereits im Grundschulalter begann ich, Geschichten zu ...

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