
- Hitchcocks Psycho: Horror unter der Dusche - flickr/thescatteredImage
Als Low-Budget-Film angelegt, erwies sich "Psycho" als einer der erfolgreichsten Filme der Filmgeschichte. Alfred Hitchcocks bekanntestes Werk und bis heute ein Kultfilm.
Die Handlung von "Psycho" in Kürze
Marion Crane (Janet Leigh) hat Geld unterschlagen und ist auf der Flucht. Bei strömendem Regen landet sich in einem Motel. Dort lebt Norman Bates (Anthony Perkins) zusammen mit seiner eifersüchtigen Mutter. Als Marion am Abend unter die Dusche steigt, ist sie entschlossen, das gestohlene Geld zurückzubringen. Doch dazu kommt es nicht mehr. Von einer Frauengestalt wird sie brutal ermordet...
Norman entdeckt die Leiche, beseitigt sorgfältig die Spuren der Bluttat und lässt die Tote verschwinden. Inzwischen sind ein Privatdetektiv, Marions Schwester Lila und Marions Freund Sam auf der Suche nach der flüchtigen Frau. Der Detektiv ist bald auf einer Spur und muss ebenfalls sterben. Misstrauisch geworden, mieten sich nun auch Lila und Sam im Motel ein. Lila entdeckt die mumifizierte Leiche von Mrs. Bates. Norman, als seine Mutter verkleidet, überrascht Lila und nur mit Sams Hilfe entgeht sie dem Tod.
Erst in der vorletzten Szene im Polizeirevier erfährt der Zuschauer von Normans gespaltener Persönlichkeit und davon, dass er seine Mutter zehn Jahre zuvor eigenhändig getötet hat. Mit ihrem gestohlenen Leichnam, den er sorgfältig präparierte, lebte er seitdem in der Rolle von beiden Personen.
Der Serienmörder Ed Gein diente als Vorlage für "Psycho"
Vorlage des Films "Psycho" war Robert Blochs gleichnamiger Roman, der auf dem authentischen Fall des nekrophilen und kannibalischen Mörders Ed Gein basierte. Als Hitchcock das Buch in die Finger bekam und den Entschluss fasste, es zu verfilmen, ließ er alle Exemplare aufkaufen: Keiner sollte das Ende der Story kennen.
Hitchcock plante mit der Verfilmung des Stoffes bewusst einen preiswerten Film. Für 800.000 Dollar wurde der Film abgedreht. Hitchcock sparte an Vielem – und vieles davon hat zum Erfolg des Filmes beigetragen: Obwohl Hitchcock zu diesem Zeitpunkt bereits Farbfilme gedreht hatte, entschied er sich für einen Schwarzweißfilm. Auch bei der Besetzung wurde gespart: Janet Leigh war zu dem Zeitpunkt zwar bekannt, aber kein gefeierter Weltstar. Anthony Perkins hatte in ein paar Fernsehserien gespielt und war praktisch ein unbekanntes Gesicht. Anders als üblich verzichtete Hitchcock bei "Psycho“ auf ein komplettes Orchester zur musikalischen Untermalung. Bernard Herrmann komponierte die Filmmusik ausschließlich für Streicher.
Wie Hitchcock in "Psycho" die Spannung erhöht
Der Zuschauer als "Peeping Tom", als stiller Beobachter, das war – nicht nur bei "Psycho" – eines von Hitchcocks zentralen Stilmitteln. Der Betrachter sollte eng mit in das Geschehen eingebunden werden. Gedreht wurde mit einer 50-Millimeter-Linse, deren Bild am ehesten dem menschlichen Blickfeld entspricht. Auf dem Set herrschte oberste Geheimhaltung über das Ende des Films. Selbst einem Teil der Crew war der Schluss des Films nicht bekannt. Zur Irreführung gab es sogar einen Regiestuhl für Mrs. Bates.
Hitchcocks "Psycho“-Vermarktung war perfekt. Seine groß angelegte Geheimhaltungsstrategie weckte die Neugier der Zuschauer ebenso wie sein striktes Verbot, nach Beginn der Vorstellung noch Einlass zu bekommen. Die Schlangen vor den Kinokassen waren lang. Die Reaktionen während des Films grenzten zum Teil an Hysterie.
Andere, kritische Stimmen meinten der Film sei brutal und geschmacklos und warnten sogar vor einem Kinobesuch. Nachdem sich jedoch der Erfolg des Filmes abzeichnete, wurden die kritischen Stimmen leiser.
Das berühmteste "Psycho"-Zitat: Die Szene unter der Dusche
Psycho ist in nur 36 Drehtagen entstanden. Sieben davon entfielen alleine auf die berühmte Szene in der Dusche. Sieben Tage, die die Hauptdarstellerin Janet Leigh unter strömendem Wasser verbrachte. Hitchcock war dafür bekannt, dass er es seinen weiblichen Stars am Set nicht unbedingt gemütlich machte. Nach einer Woche "Wasserspiel“ war die Szene vollbracht und Janet Leighs Einsatz zu Ende. Nach nur 47 Minuten beförderte Hitchcock seinen Star filmisch ins Jenseits. Ein Schritt, so gewagt, dass Paramount diesen Film nicht machen wollte. Und ein genialer Schachzug zur Steigerung der Hochspannung: Der Tod einer jungen Frau, die doch soeben den Schluss gefasst hatte, auf den Pfad der Tugend zurückzukehren, kam für den Zuschauer völlig überraschend.
70 Kamerapositionen und 50 Schnitte ergeben die wohl am häufigsten kopierte Szene der Filmgeschichte. Untermalt von den schaurigen stakkatoartigen Misstönen des Streichorchesters wurde in nur 45 unvergesslichen Sekunden einer der wohl nervenaufreibendsten Morde der Filmgeschichte gezeigt.
Eigentlich hatte Hitchcock für die Leiche einen Torso anfertigen lassen, den er dann aber nicht verwendete. Stattdessen engagierte er das Body Double Marli Renfro. Von Janet Leigh waren nur Schultern, Hände und Kopf zu sehen.
Als Blut im Abfluss diente Schokoladensirup. Hitchcock, der sich immer bewusst war, dass der Teufel im Detail steckt, hatte mit verschiedenen Substanzen experimentiert. Schokosirup erschien ihm in der Konsistenz besonders authentisch.
Für die Einstellungen, die den Duschkopf von unten zeigen, wurde ein riesiges Modell von fast zwei Metern Durchmesser angefertigt, so konnte gedreht werden, ohne dass Wassertropfen auf dem Objektiv zu sehen waren.
Obwohl man nie tatsächlich sieht, wie das Messer in den Körper der Frau fährt, hat man das Gefühl, dem brutalsten aller Morde beizuwohnen. Eine Szene, die auch 50 Jahre nach ihrer Verfilmung nicht an Grauen verloren hat. Wie viele Frauen nach dem Film unter der Dusche ein ungutes Gefühl hatten? Janet Leigh war jedenfalls eine von ihnen.
