
- Nacht der Mystik 2011 - tempelmeister/pixelio.de
Nach 2008, 2009 und 2010 veranstaltet der über die Landesgrenzen hinaus bekannte Philosoph Dr. Johannes Berchtold am 28. Oktober 2011 ab 20 Uhr zum vierten Mal die Nacht der Mystik im heiligen Stephansdom zu Wien. Damit erfährt dieser besondere Ort, mitten im Ersten Wiener Gemeindebezirk in Wien, wiederum ein besonderes Mysterienspiel im Spannungsverhältnis zwischen Mystik und Religion. Der gesamte Stephansdom wird mit seinen architektonischen Tiefen und Höhen in das Mysterienspiel eingebunden sein. Gelesen werden Texte der bekannten Dichterin Mechthild von Magdeburg. Musikalisch wird dieses unterstützt durch Orgelimprovisationen über Geistliche Musik des 10. bis 13. Jahrhunderts.
Dr. Johannes Berchtold, Philosoph, Männerforscher, Pfarrgemeinderat
Der Veranstalter Dr. Johannes Berchtold ist nicht zufällig der Organisator und Schirmherr der Nacht der Mystik. Als promovierter Philosoph, und darin wiederum ausgewiesener Hegel- und Meister Eckart-Spezialist, schöpft er aus dieser Basis den Stoff für seine Beschäftigung mit der Mystik. Durch seinen ursprünglichen Brotberuf als Herausgeber und Lektor einer Reihe herausragender politisch-philosophischer Sammelwerke suchte und fand er Anschluss am Themenkreis Philosophie, Religion und Kunst. In den Folgejahren lernte er die Politik und Verwaltung als praktische Philosophie kennen und hat sich vor allem auch als Männerforscher und zuständiger Abteilungsleiter für die Agenden der Männerpolitik einen ausgezeichneten Namen in der deutschsprachigen Fachwelt gemacht.
Gesellschaftspolitischer Pionier in der Geschlechterphilosophie- und Geschlechterpolitik
Im Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz kümmert er sich um männerpolitische Grundsatzfragen, die Koordination der Männerpolitik, die männerspezifischen Aspekte der Gleichstellung, die positive Identitätsbildung von Buben und männlichen Jugendlichen, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie - aktive Vaterschaft; die Gewaltprävention, die Männerforschung, die Information und Beratung in männerspezifischen Angelegenheiten, die Pflege internationaler Kontakte und Förderung männerpolitischer Projekte. In diesem Zusammenhang ist ihm der normativ-ontologische Ansatz in einer sowohl geistig als auch sozialwissenschaftlich verstandenen Forschung sehr wichtig. Damit hebt er sich von zeitgeistigen Forschern bewusst ab. Dazu kommt sein Engagement als Pfarrgemeinderat in der Pfarrei zu St. Stephan, die ihm den Dialog mit den Gläubigen erschließt.
Berchtolds Ziel ist der Dialog zwischen Mystik und Religion
Berchtold hat seit Start dieser Veranstaltungsreihe den Dialog zwischen Mystik und Religion zum Ziel. Für Berchtold haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten vor allem die christlichen Religionsgemeinschaften die Mystik vernachlässigt. Durch dieses Mysterienspiel, das alle Jahre wieder im heiligen Dom zu St. Stephan durchgeführt wird, versucht Berchtold nun wieder einen Dialog zwischen der christlichen Religion und der Mystik in Gang zu setzen. Mystik wird durch den Philosophen Berchtold als Erfassung des Übersinnlichen, des Göttlichen, des Transzendenten durch innere Erfahrung, unmittelbare Intuition, Kontemplation, gefühlsmäßiges Erleben und liebendes Erfassen im Zustande der Ekstase definiert. Durch das Streben nach einer Versenkung in die eigenen Gemütstiefen soll es zu einer Vereinigung mit dem göttlichen Sein kommen. Und diesem soll man als Teilnehmer auf unbegreifliche, geheimnisvolle Weise teilhaftig werden.
Die Hülle des Unfassbaren ist die Nacht
Um dieses mystische Erleben zu gewinnen bedarf es als Hülle der Nacht. Diese Dunkelheit als wesentliches Merkmal der Nacht beschützt und umschließt das Mysterienspiel, lässt von draußen nichts an die sich der Mystik hingebenden Personengruppe heran. Gemeinsam mit dem Dom zu St. Stephan werden die Gläubigen eingehüllt, geschützt, abgeschirmt vor dem lauten, dem da draußen. Dieses Abschotten von der alltäglichen Welt unterstützt die Einkehr, die Verbindung mit dem Göttlichen. Als Nacht bezeichnet man allgemein den Teil eines Tages zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang, also die Zeit, in der die Sonne von einem bestimmten Standort auf der Erde aus betrachtet, nicht zu sehen ist. In striktem astronomischem Sinne ist die Nacht die Zeit zwischen Ende der astronomischen Dämmerung am Abend und deren Beginn am Morgen. Am Nachthimmel zeigen sich die Sterne, die tagsüber von der Sonne überstrahlt werden. Dieser naturwissenschaftliche Rahmen wird hier für die Herstellung der Mystik genutzt.
Der besondere Ort ist der Heilige Stephansdom zu Wien
Nicht zufällig gibt der heilige Stephansdom als besonderer Ort dem Mysterienspiel Herberge. Begründet wurde diese mächtigste Kirche Österreichs im Jahr 1137 im Zusammenwirken zwischen dem Markgrafen und Babenberger Leopold IV. und dem Passauer Bischof Reginmar durch den Vertrag von Mautern. Geweiht wurde die erste romanische Kirche an diesem Ort im Jahr 1147. Von Grund auf umgestaltet in der Mitte des 13. Jahrhunderts, wurde dieser zweite, spätromanische Bau von St. Stephan im Jahr 1263 wiederum feierlich geweiht. Und im Jahre 1267 gründete der damalige Pfarrer zu St. Stephan, ein gewisser Herr Magister Gerhard, die bis auf den heutigen Tag bestehende Priestergemeinschaft der Cur. Am Beginn des 14. Jahrhunderts wurde der gotische Neubau von St. Stephan mit der Errichtung einer Chorhalle mit drei Kirchenschiffen begonnen. Das traditionsbewusste Wiener Bürgertum war an der Spitze der Neugestaltung und unterstützte den Bau mit viel Geld und Sachleistungen. Im April 1340 wurden die fertig gestellten Chorhallen durch den Passauer Bischof Albert feierlich eingeweiht. Jede dieser drei Chorhallen hat ihre eigene Bestimmung, die sich jeweils in den einzelnen Altären und im besonderen Figurenschmuck verdeutlichte: Der Mittelchor wurde dem Hl. Stephanus als Kirchenpatron und allen Heiligen, der Nordchor der Muttergottes und der Südchor den zwölf Aposteln geweiht. Nach den Zerstörungen durch Bomben und Kriegshandlungen im 2. Weltkrieg wurde er wiederum aufgebaut und wird seitdem durch öffentliche und private Zuwendungen erhalten.
