Die Nekropole und das Grab des Petrus unter dem Vatikan

Tief unter dem Petersdom in Rom befindet sich eine römische Totenstadt, in welcher das Grab des Hl. Petrus vermutet wird.

Nach römischer Tradition durften keine Bestattungen innerhalb des geweihten Stadtgebietes vorgenommen werden. Daher wurden die Toten traditionsgemäß außerhalb des Pomeriums (Grenze zwischen Stadt und Umland) und aus Repräsentationszwecken an den Straßenseiten beigesetzt. Der vatikanische Hügel lag im 1. Jh. n. Chr. außerhalb des eigentlichen Besiedlungsgebietes im Nordosten Roms auf der anderen Seite des Tibers. Es liefen zahlreiche Straßen an ihm vorbei, an welchen Tote bestattet werden konnten. Zudem befand sich dort der im 2./3. Jh. n. Chr. aufgelassene Circus, in welchem Petrus wahrscheinlich hingerichtet wurde.

Archäologie

Die großen Grabbauten der Nekropole unter dem Vatikan stammen vorwiegend aus trajanischer bis in die severische Zeit (2.-3. Jh.). Die Bauten aus dieser Epoche reduzieren im Gegensatz zu Grabmonumenten aus früheren Jahrhunderten ihre repräsentative Darstellung der Außenfassaden zur Straße und verlagern diese in die Gebäudetiefe (introvertierte Repräsentation). Jedoch zeugen verstreute Funde von Grabmauern schon von einer früheren Nutzung des Areals als Bestattungsort. Als Straße, welche an der nördlichen Außenwand des damals hier gelegenen Circus verlief, wird die via Cornelia vermutet. Eine erste Grabung wurde unter Papst Pius XII. von 1940-1949 unter dem Petersdom durchgeführt.

Das Grab des Petrus

Seit der Mitte des 2. Jh. n. Chr. etablierte sich ein fortwährender Kult um Petrus. Verschiedene historische Quellen widersprechen sich jedoch im Sterbedatum. So will Hieronymus dessen Tod in das Jahr 68 n. Chr. setzen, wobei viele andere Autoren das Jahr 64 n. Chr. als Todesjahr ansehen, in dem Petrus im Circus unter Nero hingerichtet wurde. Es wurde schon um 160 n. Chr. dort ein Tropaion, ein Denkmal, errichtet. Bestehend aus zwei Säulen, die von einem Architrav gekrönt wurden, maß diese Ädikula ca. 1,70 in ihrer Höhe. Heute befindet sich der Papstaltar im Petersom in direkter Lage darüber und ist in den letzten Jahren insbesondere durch den Film "Illuminati" nach einem Roman von Dan Brown ins Interesse der Allgemeinheit geraten.

Die konstantinische Basilika

Erst der erste christliche Kaiser Konstantin ließ im Jahre 324 eine Kirche erbauen. Der Baubeginn ist unklar, da uns für die Datierung hauptsächlich nur ein Münzfund aus einem der Mausolea zur Verfügung steht. Es ergibt sich folglich ein terminus post quem für das Jahr 318. Für die benötigten Ländereien musste Konstantin erst seinen Mitkaiser Lucilius beseitigen, dies ereignete sich 324. Die römische Nekropole wurde folglich mit einer fünfschiffigen Basilika überbaut. Als Stifter ist ohne Zweifel Konstantin zu nennen, da nur er allein als Pontifex Maximus ein sakrosanktes Areal überbauen lassen durfte. Der heutige Peterdom liegt auf den Fundamenten der eben beschriebenen konstantinischen Basilika.

Literatur:

  • Guarducci, Margherita: Hier ist Petrus, Regensburg 1967.
  • Hesberg, Henner von: Planung und Ausgestaltung der Nekropolen Roms im 2. Jhdt. n. Chr., in: Römische Gräberstraßen, München 1987.
  • Hesberg, Henner von: Die heidnische Nekropole unter St. Peter in Rom.
Profilbild, Markus Rinner

Markus Rinner - Clarorum virorum facta moresque posteris tradere... (Die Taten und die Sitten der ehrwürdigen Männer den Nachkommen zu ...

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