
- Vorrat - aboutpixel/stormpic
Eigentlich sollte man meinen, das schlimmste am Geldmangel im Leben einer Mutter mit Arbeitslosengeld 2 sei die Knappheit des Geldes. Aber das hat man inzwischen anders sehen gelernt. Das schlimmste am Geldmangel ist nicht, dass keins da ist, sondern dass man durch den permanenten Druck kirre gemacht wird. Und zwar so kirre, dass man vor lauter emotionalem Streß nicht mehr richtig zu rechnen weiß. Wer hat auch schon Lust, das Gegenteil dessen zu tun, was das Gefühlsleben in Streßzeiten gebietet: Eingraben – jeder nach seiner Natur, der eine durch Vergraben im Bett, der andere durch ein Mir-ist-alles-egal, der dritte durch dreißigtausend Kalorien in Form von Schokolade. Die auch schon wieder Geld kostet. Es liegt in der Natur der Sache, dass es Menschen nicht gut geht, wenn sie erst einmal bei Hartz 4 angelangt sind - ein Lebenskünstler, wer in diesem Zustand auch noch auf's Geld schauen kann.
Der Einkauf eines halben Weißkohls ist schwer machbar: klar abgegrenzte Portionen sind die Lösung
Einen klaren, gar kühlen Kopf zu bewahren, ist alles andere als einfach. Etwas mehr als € 3,00 gesteht Vater Staat einem Menschen pro Tag für die Ernährung zu. Marktanalysen im Kleinen durchzuführen (wo ist ein bestimmtes Produkt am günstigsten?), oder darüber nachzudenken, was ein halber Kopf Weißkohl wohl kosten mag und was man mit der anderen Hälfte anstellt, wenn man (bei dreiviertel angelangt) den Kohl nicht mehr sehen kann, erfordert intellektuelle und emotionale Höchstleistungen. Und Geldmangel hin oder her – wenn der Weißkohl erst angefangen hat, zu schimmeln, dann landet er leider im Müll.
Welche Lösung könnte es also geben? Den Einkauf von klar abgegrenzten Portionen wäre eine mögliche. Jedenfalls zu Zeiten, in denen alle Deiche zu brechen scheinen. Diese Portionen sind noch dazu auch preislich gut überschaubar: Brokkoli und Blumenkohl statt Weißkraut und Wirsing. Einzelne Zucchino, die innerhalb von drei Tagen im Topf landen statt eines Kilos Zucchini. Und die erst gegessen werden, bevor etwas Neues eingekauft wird.
Vorratshaltung möglichst gesund und unverderblich - auf die Basics kommt es an
Keine Vorräte mehr an frischen Lebensmitteln – dann kann es auch nicht mehr passieren, dass erst in kochfreudiger Stimmung eingekauft, dann aber vom Burn-Out-Syndrom heimgesucht, die Pizza geordert wird (die neuerdings unerschwinglich ist). Wenn also die Stimmung auf dem Nullpunkt ist, die drei Kinder kaum zu bändigen sind, weil Mutter ja augenblicklich so leicht zu besiegen geht, und der Magen knurrt, dann ist es besser, es sind unverderbliche Basics im Haus. Und natürlich solche, die möglichst wenig kosten, aber trotzdem gut schmecken, satt machen, einigermaßen gesund und relativ schnell zuzubereiten sind.
Ein paar Vorschläge zu Vorräten: Linsensuppe, kleine und große Dosen mit roten Kidneybohnen, Tomatenkonserven (ganze und pürierte), Fleischkäse in einzelnen Scheiben tiefgekühlt (läßt sich während des Kochens auftauen), Rotkraut und Sauerkraut, Makrele im eigenen Saft, Brathering, Bohnensalat aus dem Glas, saure Gurken. Und natürlich Reis, Nudeln, Kartoffeln, Kartoffelpüree, möglichst schon mit integrierter Milch, Apfelmus, Schattenmorellen. Und im Kühlschrank? Eier, Schafskäse oder Feta, großen Naturjoghurt, geriebenen Käse, rohen Schinken.
Ideen für schnelle, nahrhafte und lecker schmeckende Gerichte
Was kann man damit anstellen? Viel: Eine sehr schnelle Mahlzeit ist Spaghetti mit Tomatensauce und Schafskäsewürfeln oder Makrele. Bohnensalat mit Feta oder Makrele, dazu Bratkartoffeln. Rotkraut mit Fleischkäse und Kartoffelpüree. Rote Bohnen, gut gewürzt, mit Eiern und Brot. Rote Bohnen mit Feta und Brot, Milchreis als italienischen Risotto gekocht (ja, das geht, und sogar gut), mit untergehobenem Käse, dazu Tomatensauce. Bratkartoffeln mit Zwiebeln und Schinken gebraten, dazu saure Gurke. Naturjoghurt mit Knoblauch und Salz, vielleicht Zwiebeln und sogar frischer Gurke zu Pellkartoffeln. Das gerade verfügbare Gemüse gedünstet, mit Käse bestreut, dazu Parboiled-Reis. Oder in Schinkenwürfel gegart. Hauptsache, der Tag ist bald vorbei und Mutter hat den Gaumen, den Magen und die Kinder gleichermaßen zufriedengestellt und kann sich endlich entspannen. Und wer weiß, vielleicht gehen die Kinder ja mal tatsächlich ins Bett, wenn sie sollen.
