So wirklich neu ist das alles beim Folkwangmuseum nicht: Eine Pfosten-Riegel-Konstruktion, die für die Massenfertigung der Teile ideal ist und ein Raster bildet, das sich durch die gesamte Gebäudefassade zieht. Insofern es diese Konstruktionsmerkmale nutzt und vor allem: offenlegt, ähnelt das 2010 eröffnete Museum Folkwang Bauhauskonstruktionen wie der Zeche Zollverein. Anders als bei Massivbauweise stützt das (Stahl)Skelett, nicht die Mauern. Der Skelettbau hat zudem den Vorteil, dass er einfach umbaubar ist.

Ausblicke, Einblicke, Anblicke - Fassade aus strukturiertem Glas

Ein Sockel zieht sich um das gesamte Gebäude. Die Fassadenhaut wird mit strukturiertem hellgrau-lindgrünen Glas verkleidet. Der Übergang zum rötlich verklinkerten Altbau wirkt nicht sonderlich geglückt (siehe Foto unten). Am Neubau viel Glas, Metall, Alu. Innen ist viel Platz, lässt man, besonders im Eingangsbereich, Besuchern, Sitzgelegenheiten und Kunstwerken Raum – ein wohltuender Kontrast zum Museum Ostwall in Dortmund, wo alles beengt ist, selbst der Eingang.

Im Essener Folkwang gibt es Kleinräumlichkeit auch, zum Beispiel im Museumscafé, in dem möglichst viele Gäste auf möglichst geringem Raum eingepfercht werden, oder in den Bereichen des Plakatmuseums, der grafischen und fotografischen Sammlung, die etwas stiefmütterlich behandelt werden. In der ersten Sonderausstellung "Das schönste Museum der Welt" war es ebenfalls sehr beengt: die merkwürdige Innenraumaufteilung sollte wohl an das alte Osthaus-Konzept erinnern, tat es aber nicht. Bei den Folkwang-Sonderausstellungen 2011 ist das anders.

Wie dies in den Großstadtmuseen heute üblich ist, blickt man auch im Folkwang an den Kunstwerken vorbei durch die großen Fensterfronten nach draußen, ins direkt angrenzende Essener Wohnviertel mit typischen Siedlungshäusern der 1950er/60er Jahre, und das so einen künstlerischen Kontrast-Hintergrund, eine Art Museums-Fototapete, bildet. Es gibt atrium-ähnliche Innenhöfe, auch Attrappeninnenhöfe, die - so lange man sie auch umkreisen mag – nicht zugänglich sind.

"Moderner Standard", sagt die Architekturstudentin Anna Bardacheva beim ersten Besuch. Sie hatte sich mehr erwartet und ist nicht begeistert.

Nichts Neues, aber modern ist das Folkwang jetzt schon!

Der Neubau soll der der Kunst nicht die Schau stehlen, lässt das Folkwang verlauten. Schön. Schwingt hier ein Hauch von Kritik an den extravaganten Museumsneubauten wie das Centre Pompidou in Metz an? Oder ist es das trotzige Verteidigen des Unauffälligen? Nun ist es aber so, dass Essen nicht gerade für seine herausragende, auffallende, pretentiöse Architektur berühmt ist. Da stellt sich schon die Frage, weswegen für einen solchen Bau (unpretentiös oder nennt man es offen: langweilig?) ausgerechnet ein Londoner Stararchitekt verpflichtet wurde. Wenn ja doch - auch wegen des Zeitdrucks (man wollte ja zur Kulturhauptstadt eröffnen) - ein Bau aus der Schublade gewünscht war. Angesichts des potenten Geldgebers mit Beitz und seiner Kruppstiftung – hätte es auch ruhig mal was Besonderes und Spektakuläres für Essen sein können.

Hervorgehoben wird die Drehung des ursprünglichen, alten Museums um 90 Grad (jetzt liegt die Eingangsfront zur Straße hin) – das ist zwar ein nettes Schmankerl, nur fällt ein solches Detail nur demjenigen auf, der das alte Gebäude kannte.

Und bezahlt und fertig!

Lieber den Spatz in der Hand als den Schwan auf dem Dach, muss man im Nachhinein natürlich sagen, mit Blick auf das Dortmunder Desaster beim U-Turm und das noch in der Schwebe befindliche Leuchtturmprojekt am Museum Küppersmühle in Duisburg. Kulturelle Großprojekte sind nicht des Ruhrgebiets Sache. Das lässt sich sogar bei den beiden herausragenden Fußballstadien im Revier feststellen, der Schalke-Arena und dem Dortmunder Westfalenstadion, die ihre Vereine an den Rand der Insolvenz gebracht haben.

Quellen und weitere Informationen