Die neue Staatsgalerie Stuttgart

Neue Staatsgalerie - Cosima Joerger-Friocourt
Neue Staatsgalerie - Cosima Joerger-Friocourt
Sakrale Kunst des Mittelalters mit vielen Künstlern aus Baden-Württemberg, Holländische Meister und eine umfangreiche Sammlung Italienischer Barockmalerei.

In der neuen Staatsgalerie befinden sich die Werke aus dem 14. bis zum 18. Jahrhundert. Will man chronologisch vorgehen, dann beginnt man mit Raum 41, dem Raum der internationalen Gotik und endet beim italienischen Barock und Rokoko, Raum 28. Italienischer Barock bildet einen Schwerpunkt der Sammlung, da bereits 1852 eine wichtige Sammlung, die Pinacoteca Barbini-Breganze, zugekauft wurde. Später wurde dieser Bereich Dank Lottogeldern erweitert.

Altäre und Heilige

Es fängt – wenn man von Raum 42 mit zeitgenössischen Werken von Georg Baselitz und Ferdinand Hodler absieht – mit sakraler Kunst an. Die Künstler sind oft unbekannt und werden nach ihren bekanntesten Werken benannt. Bei den biblischen Werken ist das Hintergrundwissen über das Leben der dargestellten Heiligen aufschlussreich. Denn was früher zur Allgemeinbildung gehörte, wird zunehmend zu Spezialwissen.

In Raum 40, Frühe Italienische Tafelmalerei, befinden sich zwei Tafeln mit der Apokalypse des Evangelisten Johannes Angelus Militans, der Engel, der mit seiner Posaune die Apokalypse ankündigt. , gemalt vom Meister der Erbach’schen Tafeln. Dabei hängt sehr reizvoll ein Werk Paul Klees,

Besonders beeindruckend sind die Werke von Bartholomäus Zeitblom in Raum 37. Die Malerei der Dürerzeit versammelt Werke, die unter Albrecht Dürers Einfluss entstanden sind (Raum 36). Die bekanntesten Künstler sind Lucas Cranach der Ältere und der Jüngere. Besonders gelungen ist Judith mit dem Haupt des Holofernes. Eine verstörende Szene aus der Bibel. Man sieht die stolze Judith, die ihre belagerte jüdische Heimatstadt dadurch rettet, dass sie Holofernes nach einem Gelage den Kopf abschlägt.

Beuys: Jeder Mensch ist ein Künstler

Das Zitat von Beuys ist bekannt, entscheidend ist allerdings wie es weiter geht: „in dem Sinne, dass er etwas gestalten kann.“ Es ging dem Künstler darum, dass Menschen die Entfremdung in der Arbeitswelt zu überwinden, und der künstlerische Prozess auch therapeutisch wirken kann. Der Prozess war ihm wichtiger als das Ergebnis.

Dass Raum 38 nicht in sein Umfeld passt, hat einen guten Grund: Es ist einer der letzten Räume, die noch von Joseph Beuys eigenhändig eingerichtet wurden. Beuys glaubte an die Symbiose von Leben und Kunst. Der Mensch und die Natur stehen im Mittelpunkt seiner Kunst. Im Raum dominieren seine Lieblingsmaterialien Filz, Wachs und Fett, für ihn Sinnbilder des Lebens. Plastischer Fuß Elastischer Fuß soll durch das Spannungsverhältnis von formbarem Filz und elastischem Gummi einen mit Energie aufgeladenen Raum erzeugen.

Stillleben und Landschaften

Die Zusammenstellung Malerei der Renaissance und des Manierismus nördlich der Alpen in Raum 34 ist besonders gelungen. In Pieter Bruegels Landschaft mit Elster auf einem Galgen ist der zentral stehende Galgen leer. Man blickt weit ins Tal. Die Elster scheint zu warten, während im Hintergrund ein fröhliches und buntes Treiben herrscht. Sie scheint sich sicher, dass diese Unbeschwertheit nicht lange dauern kann.

Das Stillleben mit Austern, Konfekt und Früchten von Osias Beert thematisiert die Tugend des Maßhaltens, die durch Rosinen, Zitronen und Oliven dargestellt wird. Im Gegensatz dazu stehen die für Ausschweifung stehenden Speisen Austern, Konfekt und Maronen. Das Vanitas-Stillleben lebt von der Schönheit, die einprägsamer ist als die Mahnung, wie vergänglich sie ist.

Der Expressionist Max Beckmann

Nochmals ein Raum, der wie ein Fremdkörper wirkt. Doch das Auge erholt sich vom Gewohnten, wird durch Max Beckmanns Strich wachgerüttelt. Beckmann und die Frauen könnte Raum 31 auch heißen, denn in Reise auf dem Fisch ist er mit seiner Frau Mathilde Kaulbach, genannt Quappi, an einen Fisch gefesselt. Traum von Monte Carlo zeigt eine rot gekleidete Frau, neben ihr ein Mädchen und eine alte Frau. Es handelt von der Vergänglichkeit der Liebe und des Glücks – schließlich werden Karten gespielt und man befindet sich im Casino. Die Männer tragen Schwerter: Gewalt und Sexualität sind in diesen phallischen Objekten eins.

Die goldene Zeit in dunklem Gewand

Die Malerei der Goldenen Zeit in Raum 30 zeigt Variationen der spanischen Hofmode, die damals in ganz Europa getragen wurde. Schwarz, hochgeschlossen und einengend war die Kleidung des 16. und 17. Jahrhunderts. Besonders markant ist die Halskrause, später trugen vor allem junge Leute nur noch einen gestärkten Leinenkragen (Bildnis einer Jungen Frau von Helst). In den Niederlanden erfreute sich einer wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Blüte, daher auch der Name Goldenes Zeitalter.

Peter Paul Rubens Werk Alte Dame mit jungem Mädchen zeigt trotz einer gewissen Steifheit den Charakter der alten Dame und die Unbeschwertheit des Mädchens. Sehr schön, wenngleich vermutlich nur aus Rembrandts Werkstatt, ist das Selbstporträt mit roter Mütze.

Wolkenleicht und üppig

Die venezianischen Ansichten zeigen helle, duftig gemalte Szenen mit antikisierenden Monumenten. Die dargestellten Fantasielandschaften werden Capriccio genannt. Sie wirken wie Theaterkulissen.

Im letzten Raum befindet sich Italienische Malerei aus Barock und Rokoko. Hervorzuheben ist Roma Antica von Giovanni Paolo Pannini. Man sieht einen Raum mit Gemälden von antiken Gebäuden und Skulpturen, dazwischen stehen Zeitgenossen des Malers, betrachten und beurteilen die Werke.

Aus heutiger Sicht bizarr ist Die wunderbare Genesung des Heiligen Dominicus, dem Gründer des Dominikanerordens, von Sebastiano Conca. Über ihm schwebt Maria mit entblößtem Busen, aus dem Milch direkt in den Mund des Heiligen spritzt. Ausdrucksstark ist ein Gemälde von Alessandro Magnasco: Spieler, Soldaten und Vagabunden. Das Thema ist inmitten der frommen Sujets verstörend. Es ist düster und mit fahrigem Pinselstrich gemalt, als kündige sich in diesem Gemälde schon die Moderne an.

In der alten Staatsgalerie befindet sich die Kunst von 1850 bis heute.

Di + Do: 10 Uhr bis 20 Uhr

Mi, Fr, Sa, So 10 Uhr bis 18 Uhr

Mittwoch und Samstag freier Eintritt für die Sammlung

Haltestelle: Staatsgalerie

Cosima Joerger-Friocourt, Simone Ruckstuhl

Cosima Joerger-Friocourt - Lektorin und Projektmanagerin Ich laufe mit offenen Augen und Ohren durch die Welt, lese viel und interessiere mich für eine ...

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