Die Niagarafälle sind die Wasserfälle des Niagara-Flusses an der Grenze zwischen der kanadischen Provinz Ontario und dem amerikanischen Bundesstaat New York. Mit einer Fließgeschwindigkeit von fast 50 Km/Std., ist der Niagara Fluss einer der wildesten Flüsse Nordamerikas.

Die Gischt sieht man bis nach Toronto

Die Fälle ergießen sich am spektakulärsten von den knapp 60 Meter breiten und 1000 Meter hohen "Horseshoe Falls“ (so genannt wegen der halbrunden Form) auf der kanadischen Seite. Mehr als 180 Millionen Liter Wasser fallen pro Minute von dieser Klippe in die Tiefe. Ein brodelndes Wasserinferno, dessen ewige Gischt an manchen Tagen sogar noch vom CN Tower in Toronto aus gesehen werden kann.

Mit der "Maid of the Mist" unter die "Brautschleierfälle"

Hautnahes, feuchtes bis sogar nasses Spritzvergnügen, bietet seit 150 Jahren die Fahrt mit dem kleinen Schiff "Maid of the Mist“ (Mädchen der Nebel). Das Boot fährt dicht an die zischenden Wasserfälle heran und imposanter kann man dieses Naturwunder wohl kaum erleben. Tausende lassen sich täglich auf einem der sechs Schiffe der Maid of the Mist-Flotte von den American Falls zu den Horseshoe Falls schippern. Zu Fuß und genauso feucht, kann man die herab stürzenden Wände aus Wasser, die sogannten "Brautschleierfälle", in einem Tunnel hinter den Horseshoe Falls erleben oder in einer Höhle hinter den American Falls. Wer es lieber trocken mag, steigt in den Helikopter oder ins Sportflugzeug und schwebt über die Fälle.

Die Niagarafälle sehen von der kanadischen Seite am schönsten aus

Die Amerikaner und die Kanadier ereifern sich ganz gerne darüber, von welcher Seite aus die Fälle denn schöner zu bestaunen sind. Aber objektiv gesehen, haben die Kanadier die Konkurrenzfrage für sich entschieden: Denn 90 Prozent der Wassermassen fließen über die kanadischen Fälle, nur zehn Prozent stürzen sich auf amerikanischer Seite hinab. Und subjektiv betrachtet gibt es schon gar keine Zweifel. Die Sicht auf die Fälle ist von Kanada aus einfach nicht zu überbieten.

Das feuchte Spektakel zieht jährlich mehr als zwölf Millionen Touristen aus der ganzen Welt an. Die meisten kommen während des Tageslichtes zum Bestaunen der Fälle. Aber die natürliche Schönheit dieses Wasserwunders wird am Abend durch das künstliche Licht, mit dem die Niagarafälle in unterschiedlichen und alle fünf Minuten wechselnden Farben beleuchtet werden, noch eindringlicher hervor gehoben und hüllt das Wunder in eine fast bizarre Atmosphäre. Und Tag und Nacht und rund um die Uhr hört man das Donnern des Wassers, das niemals Ruhe gibt.

Flitterwochen-Tourismus und Nonstop-Entertainment im kleinen Städtchen Niagara

Der Tourismus kam erst mit der Eisenbahn um 1840 zu den Fällen und das bis dahin öde Nest Niagara Falls, verwandelte sich in kurzer Zeit in ein lebendiges, pulsierendes Städtchen mit Unterhaltungsangeboten Nonstop. Die Touristen kamen nun in Scharen per Schienen und schon bald boomte auch der Flitterwochen-Tourismus um die tobenden Wasser herum. Die ersten Tourismuskritiker meldeten sich angesichts des überflüssigen, unnützen Nippes und Nepp, welcher von cleveren Geschäftsleuten angedreht wurde, wo er nur angedreht werden konnte und von den Touristen kritiklos gekauft wurde, lästernd zu Wort. Oscar Wilde beschrieb es zum Beispiel so: Der Anblick der Fälle sei die erste Enttäuschung im amerikanischen Eheleben.

Der Nippes und Nepp ist geblieben, hat sich breit gemacht und ist fast unüberschaubar und manchmal auch unerträglich in dem kleinen Örtchen an den Fällen geworden. Die donnernden Wasser zählen zu den berühmtesten Touristenattraktionen Nordamerikas. Ihre Schönheit sind es ganz bestimmt auch wert, bereist und bestaunt zu werden, wenn man sich nur auf dieses natürliche Wunder konzentriert und den ganzen überzogenen Zirkus und unerträglichen Kitsch, lauten Klamauk und die anstrengende Unterhaltungsmaschinerie drumherum möglichst wenig beachtet.

Viele Kanadier fahren leider nach Niagara Falls gar nicht mehr der Fälle wegen, sondern wegen dem puren Amüsement. Sie bevölkern Spielcasinos, Bars, Restaurants und fraglich vergnügliche Angebote wie die Geisterbahn oder das Wachsfigurenkabinett.

Der Winter taucht die Niagarafälle in mystische Amosphäre

Wer die Fälle doch noch ein wenig unergründlich, ursprünglich und auf jeden Fall atemberaubend erleben will, der bestaunt sie im Winter. Denn dann liegt das Land drum herum in Schnee und Eis und die Gischt sieht aus wie gefrierender Atem, der zu Eis erstarrt bevor er herab wehen kann in das brodelnde Wasser, das niemals so ganz einfriert. Im Fluss erheben sich dann majestätische Eisberge, die sogar bis zu 30 Meter hoch sein können.

Zu der kalten Jahreszeit haben die Fälle einen unwiderstehlich mystischen Charme, bereiten diesen donnernd einschüchternden Eindruck, vor dem schon die Ureinwohner Kanadas und Amerikas andächtig standen und sich sogar ein wenig fürchteten angesichts dieses einmaligen Anblicks, der etwas ganz Besonders ist und der immer noch und immer wieder verzaubert.