
- Erdölförderung bedroht die Weltmeere zunehmend. - Dieter Schütz/pixelio.de
An den Küsten der US-Bundesstaaten Lousiana oder Mississippi ist die landschaftliche Idylle verschwunden. Nachdem die Ölförderplattform "Deepwater Horizon" vor wenigen Monaten in den Fluten des Golf von Mexiko versank, ruft der Blick auf den Ozean nicht mehr Entspannung, sondern blankes Entsetzen hervor. Tote Seevögel liegen an den schwarz gefärbten Stränden, Fischerboote ankern verwaist in ihren Häfen und die Hilflosigkeit der Menschen ist mit den Händen greifbar. Sie haben nur eine Frage: Wie konnte das passieren?
Natur und Fischerei drohen aufgrund der Ölpest zu kollabieren
Die endgültige Ausmaß der Katastrophe ist momentan noch nicht abzusehen, denn nach wie vor bahnt sich das Öl seinen Weg aus dem Untergrund. Die bisherigen Austrittsmengen lassen das schwere Tankerunglück der "Exxon Valdez" 1989 in Alaska mittlerweile wie eine Lapalie erscheinen, denn die Umweltzerstörungen an der amerikanischen Südküste sind schon jetzt als dramatisch zu bezeichnen. Doch auch die Wirtschaft der betroffenen Bundesstaaten droht an der Ölpest zu kollabieren, da zentrale Wirtschaftszweige, wie der Tourismus oder die Fischerei, erheblich beeinträchtigt werden beziehungsweise zum Erliegen kommen. Allein der 2,4 Milliarden schwere Fischerei-Sektor in Lousiana liefert bis zu 40% der in den USA konsumierten Meeresfrüchte und beschäftigt beinahe 30.000 Menschen. Die weitreichenden Fangverbote ruinieren nun die Betriebe, weshalb die geschädigten Bundesstaaten den "Notstand für die Fischerei" ausgerufen haben. Wie lange dieser jedoch dauert, kann niemand genau sagen. Bisherige Versuche den Ölfluss zum Erliegen zu bringen, scheiterten in der Regel kläglich. Von offizieller Seite heißt es bereits, dass die Menschen bis weit in den Herbst mit dem Öl leben müssten.
Korruption ist eine Ursache der Umweltkatstrophe - aber bei weitem nicht die einzige
Die Ursachen für die Ölpest im Golf von Mexiko schockieren dabei ebenso wie ihre Auswirkungen. Der Öffentlichkeit offenbart sich mehr und mehr ein weit verzweigtes Netz bestehend aus Korruption, Unfähigkeit und fehlendem Verantwortungsbewusstsein. Die zuständige Behörde Minerals Management Service (MMS) war weniger Kontrolleur der Ölkonzerne, als vielmehr ihr Handlanger. Die dortigen Beamten ließen sich von den Öl-Multis hofieren und zu privaten Feiern oder Sportevents einladen. Im Gegenzug wurden Sicherheitsverstöße weitgehend ignoriert oder Bohrprojekte ohne erforderliche Umweltprüfung genehmigt. Die US-Regierung kam daher zu dem Schluss: "Die Ölindustrie hat sich weitgehend selbst reguliert". Und ihre Profite ins Unermessliche gesteigert.
Die Ölkonzerne bohren immer tiefer - und stoßen auf große Risiken
Die Förderung von Erdöl auf dem offenen Meer ist jedoch nicht nur im Golf von Mexiko ein riskantes Geschäft. Auch in anderen Teilen der Welt, wie zum Beispiel in der Nordsee, ist die Gefahr einer Ölpest jederzeit gegeben. Jüngst konnte auf der norwegischen Bohrinsel "Gullfaks C" nur knapp ein unkontrolliertes Ausströmen des Erdöls verhindert werden. Es war bereits der dritte kritische Vorfall innerhalb von sechs Monaten, weshalb das Vertrauen der Bevölkerung in den staatlichen Energiekonzern Statoil nachhaltig erschüttert ist. Denn trotz strengerer Auflagen als etwa in den USA, ist die Möglichkeit einer Havarie keinesfalls ausgeräumt. Die Öl-Konzerne weiten die Förderung zunehmend auf die Tiefsee aus, um vielversprechende Vorkommen zu erschließen. Die technische Entwicklung hinkt dieser Entwicklung allerdings hinterher und neue Gerätschaften werden oftmals direkt im laufenden Förderbetrieb getestet. Die Gefahren sind in diesem Fall natürlich kaum einzuschätzen, doch die Konzerne sind bereit, sie einzugehen.
Bessere Kontrollen sind von Nöten - doch vor allem eine andere Energiepolitik
Die Profitinteressen der Ölkonzerne können aber nicht als alleiniger Beweggrund für die zunehmenden Tiefseebohrungen gelten. Die ständige Ausweitung der Fördergebiete und die immer diffizileren Unternehmungen der Bohrmannschaften sind auch der steigenden weltweiten Nachfrage geschuldet. Aufstrebende Industrienationen, wie zum Beispiel China oder Indien, besitzen einen rasant wachsenden Energiebedarf, um ihre wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Die Menge des global geförderten Erdöls stagniert allerdings seit geraumer Zeit und die Endlichkeit fossiler Brennstoffe rückt immer mehr in den Fokus. Um das bisherige Förderniveau zu halten oder sogar auszuweiten, müssen die Öl-Konzerne zwangsläufig Tiefenrekorde aufstellen, um der Erde genügend schwarzes Gold zu entringen. Naturkatastrophen wie im Golf von Mexiko werden in Zukunft daher nicht nur durch bessere Kontrollen verhindert, sondern vor allem durch eine Abkehr vom Erdöl. Die Industrieländer müssen ihre Wirtschaft zunehmend mit regenerativen Energiequellen betreiben, wenn sie wirkliche Sicherheit für die Umwelt erzeugen wollen. Das hat auch US-Präsident Obama erkannt, als er erklärte: "Die nächste Generation darf nicht die Geisel der Energiequellen des vergangenen Jahrhunderts sein." Hoffentlich werden seine Worte endlich gehört.
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