
- Hat Konkurrenz aus dem Jahr 1919: Kettenkarussell - B. Roemmelt/Tourismusamt Muenchen
Therese von Sachsen-Hildburghausen hieß die junge Dame, die der bayerische Kronprinz Ludwig im Oktober anno 1810 ehelichte und die den Münchnern das Oktoberfest bescherte. Fünf Tage lang wurde anlässlich der Hochzeit gefeiert, wobei am letzten, dem fünften Tag ein Pferderennen auf einer Wiese vor den Toren Münchens stattfand. Der Braut zu Ehren bekam die Wiese den Namen Theresens-Wiese und weil dem Volk das Pferderennen gefiel, wurde beschlossen, es künftig zu wiederholen, womit das Oktoberfest geboren war, das zwar 1872 in den September verlegt wurde, seinen Namen aber dennoch behielt. Um das Jubiläum entsprechend zu würdigen, fand 2010 auf einem abgegrenzten Areal im südlichen Teil der Theresienwiese eine "Historische Wiesn" statt, mit Volksbelustigungen wie anno dazumal und einem Pferderennen. Die "Historische Wiesn" gefiel den Besuchern und deshalb soll sie in etwas abgespeckter Form (fast) zur Dauereinrichtung werden. Der Name jedoch ist neu: ab 2011 heißt sie Oide Wiesn.
Alle vier Jahre keine Oide Wiesn
Geplant sei es, so erklärt Dr. Gabriele Papke, für die Pressearbeit des Oktoberfests zuständig, auf Anfrage, die Oide Wiesn künftig weiterhin stattfinden zu lassen „aber aus Platzgründen nicht in den Jahren des Zentrallandwirtschaftsfestes“. Dieses Fest hat auch schon eine lange Wiesntradition und findet alle vier Jahre statt und zwar auf eben jenem Platz im südlichen Teil der Theresienwiese auf dem nun auch die Oide Wiesn stattfindet. So fällt diese immer dann flach, wenn das Landwirtschaftsfest seinen angestammten Platz belegt, was 2012 das nächste Mal der Fall sein wird, in allen anderen Jahren findet sie statt, so auch 2011. Im Gegensatz zur Historischen Wiesn werden auf der Oiden Wiesn jedoch ein paar Dinge fehlen, so findet das Pferderennen nicht mehr statt, auch das Tierzelt und das Museumszelt wird es nicht mehr geben, so Gabriele Papke.
Historische Volksbelustigungen und Fahrgeschäfte
Weiterhin geben wird es jedoch einige historische Fahrgeschäfte, von denen zwar auch auf der „normalen“ Wiesn welche zu finden sind, die liebenswerte Krinoline etwa oder die Hexenschaukel, auf der Oiden Wiesn findet sich allerdings eine noch größere Auswahl, so kann der Besucher im Kettenflieger Kalb aus dem Jahr 1919 eine Runde drehen, Schiffschaukel oder Kinderkarussell ausprobieren oder den Calypso aus den 50er Jahren – wenn er’s denn kann. Mancher Oide-Wiesnbesucher ist ja über die Jahre zum oiden Wiesnbesucher geworden, der, wenn er vor lauter Erinnerungsseligkeit an Kindheit und Jugend Kettenflieger oder Calypso besteigt, vergisst, dass einen dabei in reiferem Alter der Schwindel befallen kann. In solchen Fällen empfiehlt es sich eher, sich am berühmten „Hau-den-Lukas“ zu versuchen, seine Treffsicherheit an den historischen Schieß- oder Wurfbuden zu testen oder gleich mit den lieben Kleinen das Kasperltheater zu besuchen. All das ist recht günstig, zwar kostet die Oide Wiesn drei Euro Eintritt, wobei Kinder bis 14 frei sind, jedoch betragen die Fahrpreise nur einen Euro.
Das Geld spielte auf der Wiesn schon immer eine Rolle und es wird beim kleinen Mann früher kaum für ein Böfflamott gereicht haben, jenes marinierte Rindfleisch, das eigentlich Boef à la Mode heißt, eher genehmigte er sich wohl eine Rumfordsuppe aus Graupen und getrockneten Erbsen. Beides, aber auch Stockwürste oder Zwetschgenbavesen bietet das historische Festzelt dem Gast, wenn er nicht doch lieber im Biergarten, vormittags ein Weißwurstfrühstück zu sich nimmt, kombiniert mit Bier, das wie in den Anfangszeiten des Oktoberfests aus Keferlohern, also Steinkrügen, serviert wird. Das hätte vermutlich auch Bally Prell gefallen, der längst verblichenen „Schönheitskönigin von Schneitzlreuth“ und noch viel mehr hätte ihr wohl gefallen, dass das 2011 erstmals vertretene Kulturzelt „Zur Schönheitskönigin“ ihr, der Volkssängerin, seinen Namen verdankt, weshalb dort neben vielen anderen Veranstaltungen auch ein Bally-Prell-Preissingen stattfindet.
Nicht oid aber nützlich: Der Geldautomat
Viel los also auf der Oiden Wiesn und wer dabei sein möchte auf dem abgesperrten zirka drei Hektar großen Areal hat jeden Tag zwischen 10 und 22 Uhr Gelegenheit dazu, letzter Einlass ist um 21 Uhr. Insgesamt 16 Schaustellerbetriebe, zwei Festzelte und zwei Wurstbratereien warten auf Kundschaft und natürlich auch Eis und Süßwarenverkäufer. Damit dürfte alles aufgezählt sein – bis auf den Bierpreis: 8,95 kostet die Maß auf der Oiden Wiesn und wer da bald mit leeren Taschen dasteht, dem sei gesagt: ein Geldautomat steht auch auf dem Gelände.
Quellen: muenchen.de, Pressemitteilung des Tourismusamtes München
