
- Ikone - Peter Lachnit
Die westliche, lateinische oder römisch-katholische Kirche hat ihren Sitz in Rom. Die östliche christliche Kirche sah ihren Mittelpunkt in Byzanz, Konstantinopel, heute Istanbul. Im Jahre des Herrn 1054 kam es zum großen Schisma, der Kirchenspaltung, zwischen West und Ost.
Zunehmende Entfremdung
Für die mittelalterliche Christenheit bildete das oströmische Reich mehr und mehr ein Gebilde, das mit dem Abendland wenig zu tun hatte und auch als häretisch und schismatisch verurteilt wurde. Die zunehmende Entfremdung zwischen West und Ost wurde durch das Vordringen des Islams seit dem 7. Jahrhundert - vor allem nach Nordafrika (bis dahin ein blühendes christliches Kulturland) und Spanien beschleunigt. Das Mittelmeer war bis dahin eine wichtige Verkehrsverbindung zwischen West und Ost. Nun wurde es zu einer trennenden Barriere. Die Trennung der "orthodoxen", östlichen, griechischen Kirche von der lateinischen, westlichen, katholischen Kirche vollzog sich über einen längeren Zeitraum.
Das Schisma 1054
Die versuchte Einigung von West und Ost scheiterte im Jahr 1054. Kardinal Humbert (West) exkommunizierte Patriarch Michael (Ost). Dieser tat das gleiche mit Kardinal Humbert. Das Verhältnis der beiden Kirchen wurde durch die Hitzköpfigkeit beider Personen vergiftet. Die Kirchen verhielten sich nach 1054 zueinander genauso weiter, wie sie es vorher getan hatten. Immer wieder unternommene Einigungsversuche brachten keinen bleibenden Erfolg. Während der Kreuzzüge (1204 eroberten westliche Kreuzfahrer Konstantinopel) wurde aus der zunehmenden Entfremdung offene Feindschaft. Ein großer Schritt zur Versöhnung geschah 1965, als Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras von Konstantinopel die früheren Feindseligkeiten bedauerten und erklärten, die Erinnerung an die Bannflüche von1054 aus der Erinnerung ihrer Kirchen tilgen zu wollen.
Die Orthodoxie
Orthodoxe Kirchen nennen sich die christlichen Kirchen des byzantinischen Ritus, bestehend aus mehreren selbst verwalteten Kirchen, welche jeweils geografische, nationale und kulturelle Spezifika aufweisen, jedoch theologisch vereint sind. Orthodox bedeutet übersetzt aus dem altgriechischem "richtig, geradlinig, oder auch "Verehrung" und schlichtweg "Glaube". Die orthodoxen Kirchen bilden mit rund 225 Millionen Angehörigen die drittgrößte christliche Gemeinschaft der Welt. Wichtigste Quelle des christlichen Glaubens ist auch in der orthodoxen Kirche die Heilige Schrift. Der biblische Glaube bildet das Fundament und den Ausgangspunkt für die Theologie. Großen Einfluss auf die Lehre haben darüber hinaus die Kirchenväter Athanasius (+ 373), Gregor von Nazianz (+390), Basilius (+379) und Gregor von Nyssa. Die drei Letztgenannten prägten die Formel "Ein Wesen in drei Personen".
Orthodoxe Lebenspraxis
Die Liturgie gehört zum Kern orthodoxen Christentums. Der orthodoxe Gottesdienst beziehungsweise die Feier der Eucharistie gleicht einem "Mysteriumspiel", in dem das Drama vom Kreuztod und der Auferstehung dargestellt wird. Die Messe hat den Charakter eines "Gesamtkunstwerkes", bestehend aus Gesängen und vor allem Symbolen und Symbolhandlungen, welche dem Gläubigen eine Ahnung göttlicher Wirklichkeit ermöglichen sollen. Mit dem Wissen um die Natur des Menschen - als ein Geschöpf aus Geist, Seele und Körper - versucht die Orthodoxie den Glauben ganzheitlich und berührt Denken, Schauen und Fühlen zu vermitteln.
