
- Kate Winslet mit Oscar als beste Hauptdarstellerin - (c) AMPAS
Im Vorfeld der diesjährigen Oscarverleihung gab es viele Spekulationen über die streng geheimen Überraschungen, die die Produzenten Laurence Mark und Bill Condon geplant haben. Immerhin waren sie nach den schlechten Einschaltquoten im letzten Jahr und der dadurch notwendig gewordenen Senkung der Werbepreise gezwungen, die Show für ein größeres Publikum interessant zu machen.
Zurück zu Billy Crystal – Hugh Jackman als Moderator
Schon der Anfang der Oscarverleihung war vielversprechend. Im Gegensatz zu den letzten Jahren, in denen Talkshow-Gastgeber und Comedians wie David Letterman, Whoopi Goldberg, Chris Rock und Jon Stewart die Verleihung mit einem Monolog eröffneten, besannen sich die Produzenten auf die legendären Eröffnungsnummern, mit denen Billy Crystal in den 1990er Jahren bei den Oscars erfolgreich war. Nach einer kurzen Begrüßung bot der diesjährige Moderator Hugh Jackman eine klassische Eröffnungsnummer dar, in der die nominierten Filme in einem musikalischen Medley charmant präsentiert wurden. Mit dieser Eröffnung ist auch deutlich geworden, warum die Produzenten Laurence Mark und Bill Condon Hugh Jackman als Moderator ausgewählt haben. Mit einer ähnlichen Showeinlage hat Hugh Jackman bereits die Verleihung der Tony-Awards eröffnet. Leider kam im Verlauf der Verleihung seine vielgepriesene Spontaneität kaum zum Einsatz, außerdem fehlte ihm bisweilen das Charisma seiner berühmten Vorgänger.
Das Konzept der Oscars 2009
Während in den letzten Jahren die Reihenfolge der Preise oft zufällig erschien, stand in diesem Jahr eine Idee hinter der Show. Abgesehen von den Nebendarstellerkategorien wurden die Preise nach dem Entstehungsprozess eines Films übergeben und teilweise in Blöcke unterteilt. Somit standen am Anfang die Preise für das Original- und adaptierte Drehbuch, danach folgte ein Filmset-Block, in dem die Oscars für Ausstattung, Kostüme und Make-Up vergeben wurden. Im Anschluss kamen dann die Preise für die beste Kamera, den besten Schnitt und so weiter. Begleitet wurden diese Abschnitte von Rückblicken auf das Filmjahr 2008, in denen auch eine Vielzahl der nicht durch Nominierungen berücksichtigten Filme ihre Anerkennung erhielten.
Allerdings hat das Konzept den Nachteil, dass die Unterhaltsamkeit der jeweiligen Stationen stark von den Präsentatoren abhängt, die nun nicht mehr nur einen Oscar, sondern gleich mehrere übergaben. Während Steve Martin und Tina Fey den Drehbuch-Block souverän und amüsant präsentierten, blieben Sarah Jessica Parker und Daniel Craig bei der Präsentation der Ausstattungs- und Make-up-Oscars blass.
ProSieben und die Werbepausen
Außerdem bedingt diese Aufteilung der Oscars in verschiedene Abschnitte eine ungleichmäßige Verteilung der Werbepausen. Während am Anfang und am Ende der Show mehrere Oscars ohne Werbeunterbrechung hintereinander vergeben wurden, wurde im Mittelteil nach jedem Preis eine Werbung gezeigt. Das ist für den Zuschauer störend – und für ProSieben bedeutete es, dass manche Werbeblöcke des amerikanischen TV-Senders ABC in Deutschland mit Programmankündigungen überbrückt werden mussten.
Beyoncé, Vanessa Hudgens und Zac Efron statt Peter Gabriel
Vor allem mit der Kategorie „Bester Song“ wurde in den letzten Jahren viel experimentiert. Mal präsentierten die Nominierten ihre Lieder im Verlauf der Verleihung und ersetzen damit die Musikeinlagen, in anderen Verleihungen wurden sie in einem Medley zusammengeschnitten. Auch die Produzenten der diesjährigen Verleihung entschieden sich für ein Medley, das Peter Gabriel zu einer Absage seines Auftritts brachte. Er wollte sein Lied für den Film „Wall-E“ nicht in ein paar Sekunden zusammengefasst singen.
An der Stelle der nominierten Lieder unterbrachen nun einstudierte Musicalnummern die Verleihung, in denen die Zuschauer manche gelungene Überraschung erwartete. So performte Hugh Jackman in einem Musicalmedley nicht nur mit Superstar Beyoncé Knowles, sondern sie erhielten Unterstützung von dem „High School Musical“-Paar Vanessa Hudgens und Zac Effron sowie dem „Mamma Mia“-Paar Amanda Seyfried und Dominic Cooper.
Die Übergabe der Oscars für die Schauspieler
Traditionell wurden die Schauspieloscars von den Gewinnern des letzten Jahres dem jeweils anderen Geschlecht überreicht, also hätte in diesem Jahr Javier Bardem seiner Ex-Freundin Penelopé Cruz den Preis übergeben. Stattdessen wurden in diesem Jahr die Schauspieloscars von fünf vorherigen Gewinnern präsentiert, die die einzelnen Nominierten vorstellten und teilweise mit Lob überhäuften. Diese Neuerung verleiht dem vielzitierten Satz, dass schon eine Nominierung eine Ehre sei, neue Geltung. Denn dadurch wird auch weniger bekannten Schauspielern wie Melissa Leo und Frank Langella die Aufmerksamkeit zuteil, die sie verdient haben.
Die wahren Höhepunkte der Oscars 2009 – Danny Boyle, Kate Winslet und Sean Penn
Trotz der professionellen Shows, des tollen Bühnenbilds und der gelungenen Rückblenden sorgten die Sieger der Oscars für die Momente, die eine Oscarverleihung so besonders machen. Dazu gehören der hüpfende Danny Boyle, der seinen Oscar in dem „Geist von Tigger“ aus „Pu der Bär“ entgegen genommen hat, und Kate Winslet, die ihren Vater zum pfeifen bringt und ihre Kollegin Meryl Streep ehrt. Den größten Lacher des Abends hatte wohl Sean Penn auf seiner Seite, als er nach seinem überraschenden Gewinn als bester Hauptdarsteller für seine Rolle als Schwulenaktivist Harvey Milk mutmaßte, dass die Academy-Mitglieder heimliche Kommunisten- und Schwulenfreunde seien.
Fazit der Oscarverleihung 2009
Im Vergleich zum letzten Jahr ist den Produzenten eine stimmungsvollere Show gelungen, die mit gelungenen Überraschungen sowie einer guten Mischung aus modernen Elementen und nostalgischen Oscarshow-Einlagen die Zuschauer gut unterhalten hat. Es ist deutlich geworden, dass insbesondere „Dreamgirls“-Produzent Bill Condon Erfahrung mit Musicals hat. Dringend verbessert werden muss aber die Kameraführung, da die ständigen Schwenks über die Bühne teilweise sehr störend waren. Dennoch lassen die Neuerungen und Veränderungen auf das nächste Jahr hoffen. Vielleicht gibt es dann auch mal wieder überraschende Sieger.
