
- Die Oscarverleihung 2011 - (c) A.M.P.A.S.
Am Ende der Oscar-Nacht hat sich vor allem eine Erkenntnis eingestellt: Selten war die Verleihung der Academy Awards langweiliger als in diesem Jahr. Mit Ausnahme des Oscars für Tom Hooper als bester Regisseur gewannen in allen Hauptkategorien die Favoriten, die Moderatoren blieben den ganzen Abend blass und emotionale Höhepunkte blieben aus. Selbst das Geheimnis um Robert Pattinson entpuppte sich als Enttäuschung
Natalie Portman und Colin Firth – Zwei Gewinner und zwei Dankesreden
Schon im Vorfeld der Oscarverleihung haben Natalie Portman und Colin Firth fast jeden Schauspielerpreis erhalten, so dass sie auch als Favoriten für die Oscars galten. Tatsächlich konnten sie nun für „Black Swan“ respektive „The King’s Speech“ die begehrte Trophäe mit nach Hause nehmen. Bei ihren Dankesreden bewiesen sie aber höchst unterschiedliche Qualitäten.
Während Natalie Portman annähernd die gleiche Rede wie bei den Golden Globes hielt, Namen aufzählte und eine Träne verdrückte, erwies sich Colin Firth an elegant und witzig. Seine Rede begann mit dem Hinweis, er würde Impulse verspüren, die dazu führten könnten, dass er tanzten müsse – und dies wolle er auf der Bühne vermeiden. Danach folgten seine herzlichen persönlichen Worte, die er mit der Bemerkung schloss, er müsse sich jetzt um seine Impulse hinter der Bühne kümmern. Vorgetragen hat er seine Dankesworte mit trockenem Humor –an diesem Abend hätten mehr Briten gewinnen sollen!
Die langweiligen Oscar-Moderatoren Anne Hathaway und James Franco
Schon bei dem wohl kürzesten Eröffnungsdialog in der Geschichte der Oscarverleihung zeichnete sich ab, dass Anne Hathaway und James Franco keine guten Moderatoren für diese Show sind. Von dem ersten Wort an wirkte Anne Hathaway völlig überdreht, sie kicherte über jeden der vorbereiteten Witze und begrüßte jeden Star auf der Bühne mit übertriebenem Enthusiasmus. James Franco war hingegen stoisch ruhig und zeigte sich völlig uninspiriert. Spätestens als im Lauf des Abends Billy Crystal die Bühne betrat und mit frenetischem Applaus begrüßt wurde, wurde wohl jedem Zuschauer schmerzlich bewusst, was einen guten Moderator auszeichnet.
Oscars 2011 – Eine Show ohne emotionale Höhepunkte
Schon im Vorfeld der Verleihung blieb die große Spannung aus. Die Schauspielerpreise schienen klar, selbst die favorisierten Filme „The Social Network“ und „The King’s Speech“ eigneten sich bei allen Bemühungen nicht zur Polarisierung. Im letzten Jahr sorgte schon das Duell zwischen dem kleinen Independent-Drama „The Hurt Locker“ und dem gigantischen 3D-Projekt „Avatar“ für Spannung, noch dazu waren die Hauptverantwortlichen dieser Filme, Kathryn Bigelow und James Cameron, einst verheiratet. In diesem Jahr gab es diese Brisanz in keiner Kategorie, so dass Emotionen allein den Gewinnern vorbehalten blieben. Und hier sorgten allenfalls Randy Newman, der bei der 20. Nominierung seinen zweiten Oscar gewann, und die Drehbuchautoren Aaron Sorkin sowie David Seidler für kleine Momente.
Die Verjüngungskur der Academy Awards oder: Das Geheimnis um Robert Pattinson
Bekanntermaßen versuchen die Produzenten der Academy Awards seit dem letzten Jahr verstärkt ein jüngeres Publikum anzusprechen. So ließen sie James Franco vor und während der Verleihung twittern, setzten auf angesagte junge Stars – und versprachen allen „Twilight“-Fans eine Überraschung. Diese entpuppte sich schließlich als recht lahmer Musical-Einspieler, der aus einem Ausschnitt von „Twilight“ – und auch „Toy Story 3“ sowie „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes, Teil 1“ – gemacht wurde.
Die Höhepunkte der Verleihung der Oscars 2011
In Erinnerung wird diese Oscarverleihung hauptsächlich aufgrund der Moderatoren und den vergeblichen Verjüngungsbemühungen der Academy bleiben. Doch Anne Hathaways Fransenkleid und nominierte Independentfilme reichen nicht aus, um die Show attraktiv für junge Zuschauer zu machen. Stattdessen sollten sich die Verantwortlichen der Oscarverleihung auf die Vorzüge der Show besinnen, die – so altmodisch das klingt – nun einmal Stars und Glamour sind.
