Ostern ist das höchste Fest der Christenheit. Es wird am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühjahr begangen. In vielen Gemeinden treffen sich die Gläubigen zur Feier der Eucharistie in der Osternacht. Was ist das Besondere dieses Gottesdienstes?

Die Eröffnung auf dem Vorplatz und der Einzug in die Kirche

Zum Gottesdienst in der Osternacht läuten keine Glocken. Die Gemeinde versammelt sich schweigend im Dunkeln vor der Kirche. Alle stehen noch unter dem Eindruck von Karfreitag, dem Todestag Jesu. Die Feier ist zunächst als Nachtwache gestaltet. Sie beginnt mit dem Anstecken und Segnen des Osterfeuers. Daran wird anschließend die große Osterkerze, die in der Kirche aufgestellt wird, entzündet. Die Ministranten, der Priester und die Gemeinde ziehen dann mit der Osterkerze in die dunkle Kirche ein. Drei Mal singt der Priester: "Lumen Christi" und die Gemeinde antwortet: "Deo gratias". Dies heißt: "Christus, das Licht", "Dank sei Gott". Währenddessen wird das Licht der Osterkerze weitergegeben an alle Gläubigen, die ihre eigenen Kerzen anzünden. Am Altar angekommen wird die Osterkerze im Altarraum aufgestellt, wo sie während der gesamten Osterzeit stehen bleibt. Im Glanz der Lichter singt der Diakon oder der Kantor der Gemeinde das Exsultet, den Lobgesang auf die Osternacht: "Frohlocket, ihr Chöre der Engel …". Im Exsultet wird Christus als das Licht der Welt gepriesen und seine Auferstehung in Verbindung gebracht zum göttlichen Heilsplan, der im Alten Testament den Menschen offenbart worden ist.

Der Wortgottesdienst in der Osternacht

In einer sonntäglichen Messfeier wird grundsätzlich aus dem Alten Testament eine Lesung vorgetragen, in der Osternacht sieht die Liturgie sieben alttestamentliche Lesungen vor, die jedoch nicht immer alle vorgelesen werden:

  • 1. Lesung aus dem Buch Genesis: Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut!
  • 2. Lesung aus dem Buch Genesis: Das Opfer unseres Vaters Abraham.
  • Lesung aus dem Buch Exodus: Die Israeliten zogen auf trockenem Boden mitten durch das Meer.
  • 1. Lesung aus dem Buch Jesaja: Mit ewiger Huld habe ich Erbarmen mit dir, spricht dein Erlöser der Herr.
  • 2. Lesung aus dem Buch Jesaja: Kommt zu mir, dann werdet ihr leben.
  • Lesung aus dem Buch Baruch: Geh deinen Weg im Licht der Weisheit Gottes.
  • Lesung aus dem Buch Ezechiel: Ich gieße reines Wasser über euch aus und schenke euch ein neues Herz.
Nach einem die Lesungen abschließendem Gebet stimmt der Priester an: "Gloria in excelsis Deo". Alle Lichter der Kirche werden jetzt angeknipst und die Freude über die Auferstehung Christi wird deutlich. Auch die Orgel kommt wieder zum Einsatz, um die Gemeinde beim Gloria zu unterstützen. Entweder wird es in lateinisch gesungen, oder die Gemeinde stimmt ein Lied aus dem Gotteslob an, zum Beispiel Nummer 220: "Das ist der Tag, den Gott gemacht …". Es folgen das Tagesgebet und die Lesung aus dem Neuen Testament, aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer. Darin verkündet Paulus die Botschaft vom Tod und der Auferstehung Jesu Christi und erläutert, welche Konsequenzen dies für die Menschen hat. Als Antwortgesang folgt das "Halleluja". Die sich anschließende "Frohe Botschaft" von der Auferstehung des Gekreuzigten wird im Jahr 2011 dem Matthäusevangelium entnommen: Ihr sucht Jesus den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, wie er gesagt hat.

Die Tauffeier in der Osternacht

Jetzt wird das Taufwasser gesegnet und gegebenenfalls Kinder und Erwachsene getauft. Dabei erneuern alle anwesenden Gemeindemitglieder ihr Taufversprechen. Der Priester geht durch die Kirche und besprengt die Gläubigen mit dem neu geweihten Wasser. Die Fürbitten beschließen den Wortgottesdienst in der Osternacht. Es schließt sich die Eucharistiefeier an. Diese endet in der Osterzeit mit den Worten des Priesters: "Gehet hin in Frieden. Halleluja, halleluja". Die Gemeinde antwortet: "Dank sei Gott, dem Herrn. Halleluja, halleluja." In vielen Gemeinden trifft man sich nach der Osternacht zur Agape, dem Liebesmahl, einem gemütlichen Beisammensein, um die Ereignisse von Ostern weiter zu feiern.

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Quellen:

Gotteslob – Katholisches Gebet- und Gesangbuch für das Bistum Limburg, Verlag Josef Knecht, Frankfurt, 11. Auflage, 1996, ISBN 3-7820-0537-6 bzw. 0538-4 bzw. 0539-2

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