
- Kerbela Hussein Moschee - SFC Larry E. Johns, USA
Wie alle Muslime glauben auch die Schiiten an den Propheten Mohammed und den Koran. Für die Schiiten gelten die fünf Säulen des Islam: Glaubensbekenntnis, Ritualgebet, Almosenabgabe, Fasten im Monat Ramadan und die Pilgerfahrt nach Mekka.
Nach den ca. 800 Millionen Sunniten bilden die etwa 200 Millionen Schiiten die zweitgrößte “Konfession unter den über eine Milliarde Muslimen auf der Welt.
Ali der Nachfolger Mohammeds
Anders als die Sunniten glauben die Schiiten der legitime Nachfolger als Führer der Muslime sei Ali der Schwiegersohn und Neffe Mohammeds. Einst ergriff ein Teil der Muslime Partei (Schia) für Ali und seitdem nennt man die Anhänger Alis Schiiten. Die Enkel aus der Verbindung zwischen Ali und Mohammeds Lieblingstochter Fatima sind die einzigen männlichen Nachkommen des Propheten. Nur die männlichen Nachfahren der Fatima haben Anspruch auf die Führung der Muslime.
Die Imame der Schiiten
Den Führer der Muslime nennen die Schiiten Imam. Bei den Sunniten bezeichnet der Begriff Imam nur den Gemeindevorsteher. Die meisten Schiiten glauben es habe - mit Ali angefangen- 12 Imame gegeben. Mit dem 12ten Imam bricht die Reihe der Imame ab, aber der 12te Imam ist nicht Tod sonder lebt von der Welt entrückt. Eins Tages, so glauben die Schiiten, wird der 12te Imam als Mahdi zurückkehren, die Herrschaft über alle Muslime übernehmen und den Islam über in der ganzen Welt verbreiten. Bis zum Tag der Rückkehr des Mahdi gibt es nach Auffassung Schiiten keinen rechtmäßigen Herrscher und keine legitime Regierung. Jede Form der Herrschaft ist nur Vorläufig, dies trieft auch auf die islamische Republik Iran zu.
Ashura und Kerbela
Eine weitere Besonderheit der Schiiten ist das Ashurafest. Dieses Fest feiern die Schiiten nach dem islamischen Kalender am 10 des Monats Muharram. Das Ashurafest erinnert an den gewaltsamen Tod des Prophetenenkels und 3ten Imam Husain bei Kerbela im Irak. Während des Festes finden Passionsspiel statt, deren Thema die Umstände die zum Tode Huseins führten nachempfinden. Zentrum des Ashurafestes ist Kerbela, wo sich auch das Grab des Husain befindet. In Kerbela lassen sich auch die Büßerzüge beobachten, die an den reuevollen Büßertod derjenigen erinnern, die Husain bei der Schlacht von Kerbale im Stichließen.
Nadschaf und Kerbela sind nicht nur wichtige Pilgerstädte, sondern Zentren der schiitischen Gelehrsamkeit. Die Gelehrten gewannen im Verlaufe der Geschichte der Schiiten eine besondere Bedeutung. Seit sich der letzte Imam 941 in die sogenannte “große Abwesenheit“ begab, waren die Schiiten führerlos geworden. An die Stelle des Imam traten die Gelehrten, die man im Iran Mullahs (Môlla) nennt.
Die Mullahs
Die Mullahs bilden eine Art Gelehrtenklerus, dessen Aufgabe es ist, den Koran und andere heilige Schriften auszulegen. Im Laufe der Jahrhunderte fand ihre Tätigkeit in der Herausgabe von Rechtsgutachten, den Fatwas, einen Schwerpunkt. Diese Rechtsgutachten haben lediglich den Stellenwert von Empfehlungen und verlieren traditionell mit dem Tod des Gutachters die Gültigkeit, da die Mullahs anders als die Imame fehlbare Menschen sind.
Aber nicht nur in Fragen des Rechts nehmen die Mullahs die Stelle des Imam ein, auch den Teil der Abgaben, welche dem Imam zustehen, beanspruchen die Mullahs. Allerdings können die Gläubigen sich aussuchen, welchem Mullah sie die Abgaben entrichten. Auf diese Weise konnten bestimmte Bevölkerungsschichten wie etwa die Basarhändler Einfluss auf die Mullahs nehmen.
Die Mullahs müssen nicht nur für den Unterhalt ihrer Familien, sondern auch für ihre Studenten sorgen. Die Höhe der Einnahmen ist deshalb um so wichtiger, da sich das Ansehen des einzelnen Mullahs auch aus der Zahl seiner Schüler ergibt. Bei den Schiiten gibt es keine ausgebildete Hierarchie wie wir sie etwa von den Katholiken kennen. Die Stellung des Mullahs ergibt sich aus dem Ansehen bei den anderen Mullahs und bei den Laien. Gelehrsamkeit, Frömmigkeit und Charisma sind also für den Rang eines Mullahs von entscheidender Bedeutung.
Zwar gibt es unter den Mullahs eine Rangfolge, doch es besteht keine Institution, welche den Rang festlegt, und auch Wahlen führt man nicht durch. Der Aufstieg in einen höheren Rang beruht allein auf dem Konsens der Gläubigen. Nur wer die anderen an Rechtsgelehrsamkeit und Frömmigkeit übertrifft, kann jemals zum höchsten Rang aufsteigen und “Absolute Instanz des Glaubens“ werden. Dieser höchste Rang unter den Schiiten ist seit 1961 unbesetzt, selbst Khomeini erreichte nur den darunter liegenden Rang eines Groß-Ayatollah.
Quellen:
Islam-Lexikon 1-3 ; Adel Theodor Khoury, Ludwig Hagemann, Peter Heine ; Herder 1999
