Die Plattenladenwoche 2010 – der deutsche "Record Store Day"

Schallplatten - Rike/pixelio.de
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Mit der Plattenladenwoche vom 29.09.2010 - 05.11.2010 setzen die unabhängigen Plattenläden ein spektakuläres Lebenszeichen.

Der Plattenladen -Totgesagte leben länger.

Plattenläden gibt´s nicht mehr. Der gesamte Musikmarkt wird von Online-Händlern und Elektro-Großmärkten beherrscht. Der ganze Markt? Nein. Ein paar kleine Plattenläden, die sich in einigen deutschen Städten halten konnten, zeigen sich zur Plattenladenwoche besonders vital.

"Record Store Day" ist die Vorlage für die Plattenladenwoche.

Die Plattenladenwoche lehnt sich an ein Vorbild aus den USA an, wo der jährliche „Record Store Day“ bereits seit drei Jahren erfolgreich läuft. Hintergrund ist es, den Musikliebhabern den Laden als eigentlichen Treffpunkt für den Austausch über Musik und das Entdecken neuer Klänge wieder ein wenig näher zu bringen. Während in den USA jedoch 700 Läden mitmachen, nehmen in Deutschland in diesem Jahr bloß 70 Geschäfte teil. Zum einen liegt das natürlich daran, dass es in den USA einfach mehr Läden gibt. Zum anderen, dass der „Record Store Day“ zwei Jahre Vorsprung hat. Sollte sich der Event „Plattenladenwoche“ jedoch weiter etablieren, wird sicher schon im nächsten Jahr mit einer noch höheren Beteiligung zu rechnen sein.

Kommt die Plattenladenwoche bei den Kunden an?

Ob sich die Plattenladenwoche tatsächlich behaupten kann, liegt natürlich vor allem and er Resonanz bei den Kunden. Diese werden in der Plattenladenwoche mit besonderen Aktionen, wie Autogrammstunden, Angeboten, Liveauftritten und dergleichen verwöhnt. Die Künstler selbst unterstützen so eine Aktion selbstverständlich auch. So finden sich auf der Internetseite der Veranstalter eine ganze Reihe von Botschaften namhafter Künstler, die sich mit dem Plattenladen solidarisieren und die Wichtigkeit einer solchen Institution unterstreichen.

Der Plattenladen – ein kompetenter Ansprechpartner und ein wohliges Gefühl.

Apocalyptica beispielsweise erklären in einer Videobotschaft, dass es Ihnen im Plattenladen um die Möglichkeit geht, neue Musik zu entdecken und beim Personal einen kompetenten Musik-Freak als Ansprechpartner zu haben. „X-Factor“- Juror und Star-Trompeter Till Brönner bringt es genauso auf den Punkt: „Wenn man in ein Geschäft reinkommt, wo es nichts anderes außer Musik gibt – nicht noch irgendwelche DVD-Player oder Kaffeemaschinen -, und wo es Menschen gibt, die wissen was sie verkaufen, dann löst das bei mir ein wohliges Gefühl aus.“

Welche Läden machen mit bei der Plattenladenwoche?

Von Berlin bis Dortmund und von Hamburg bis München sind im ganzen Bundesgebiet Läden, die an der Woche teilnehmen, sodass es sich hier nicht um ein lokales Phänomen handelt. Dabei fällt allerdings eines auf: Die Plattenläden, die den Sprung zum Internetzeitalter - zu Elektrofachmarkt und Internetkaufhaus - überlebt haben, richten sich auch an ganz bestimmte Gruppen. Besonders häufig finden sich Spezialisten zu den Themen Klassik und Jazz sowie Independent und Metal. Die Liste mit allen Läden findet sich auf der Website der Plattenladenwoche.

Die Plattenladenwoche ist nicht für jeden etwas.

Klassik und Jazz sowie independent und Metal: Anhängerschaften, die eine intensive Bindung zu ihrer Musik und den damit verbundenen Lifestyle teilen. Diese Leute zieht ein Plattenladen in seinen Bann. Die Mystik, die Identifikation mit der Musik und die Definition des Selbstbilds über diese Liebe sind ihnen gleich. Musik wird als Wert gesehen, beeinflusst das eigene Wertesystem und wird wertgeschätzt. Für diese Menschen ist die Plattenladenwoche gedacht.

Dem gegenüber steht die Gruppe der Musikkonsumenten: Menschen, die sich zwischen Joghurtregal und Kasse noch schnell die Scheibe vermeintlicher Superstars kaufen, pubertierende Jungs, die sich das neueste Pop-Gedudel aus dem Netz auf ihr Handy ziehen und Leute, die „eigentlich alles“ oder „was gerade im Radio läuft“ hören, werden von der Plattenladenwoche keine Notiz nehmen.

Verkaufsförderung ja, aber auch Kulturgut.

Logisch, dass die Plattenladenwoche, die auch vom Musik produzierenden Gewerbe ins Leben gerufen wurde, auch als verkaufsfördernde Maßnahme zu sehen ist. Und dennoch: Hier geht es in erster Linie um inhabergeführte Läden, deren Betreiber mit Idealismus an die Sache rangehen. Hier geht es um Musik als Kulturgut und das Entdecken neuer akustischer Liebschaften. Hier werden diejenigen belohnt und als Kunden gebunden, die ohnehin schon süchtig sind. Der Treuebonus für Musikabhängige. Und für alle Gaffer und Neugierige ist es vielleicht die Entdeckung eines neuen Lebensgefühls. Dem Gefühl, bei etwas Erhabenem dabei zu sein.

Bildnachweis: Rike/pixelio.de

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