
- Krakau als kulturelles Zentrum - Sonja Pähl
Renaissance bezeichnet die kulturelle Wiedergeburt der Antike. Sie ist eine Epoche in einer Zeit des Wandels zwischen dem Mittelalter und der Neuzeit.
Renaissance und Humanismus
Charakteristisch für diese Zeit ist die Abkehr von der mittelalterlichen Welt- und Lebensanschauung. Sie ist geprägt von Fortschrittsbewusstsein, Wissenserweiterung und dem Streben nach Verwirklichung der eigenen Individualität. Der antike Staat gilt als Vorbild, der Einfluss des Altertums auf Gesellschaft, Kultur und Literatur ist immens. Der Humanismus ist die wesentliche Geistesbewegung in der Renaissance. Er ist eine Weltanschauung, die sich an den Werten und der Würde des einzelnen Menschen orientiert. Toleranz, Gewaltfreiheit und Gewissensfreiheit sind wichtige humanistische Prinzipien ebenso wie das Streben, das menschliche Dasein zu verbessern.
Die Renaissance in Polen
Als goldenes Zeitalter der Renaissance in Polen galt der Zeitraum zwischen 1506 und 1572. Ideen der Renaissance und des Humanismus existierten bereits im 15. Jahrhundert und erlebten im 16. Jahrhundert ihre Blüte. In vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens war ein Aufschwung zu spüren. Die Eheschließung von König Zygmunt I mit Bona Sforza 1518 begünstigt den italienischen Einfluss in Polen. Der Renaissancestil wird zu einer der Hauptkomponenten der polnischen Kultur und viele Gepflogenheiten wurden am italienischen Vorbild ausgerichtet. Das war nicht nur am Hofe der Fall, sondern auch in den Residenzen der Magnaten.
Die kulturelle Blüte
Mit der neuen Lebensweise, die das Individuum in den Fokus rückt, geht ein kultureller Aufschwung einher. Es herrschte intensives geistiges Leben im Land mit Krakau als geistigem Zentrum. Es wurden literarische Gesellschaften gegründet, um beispielsweise alte Sprachen zu pflegen. Auch der erste große Geschichtsschreiber der Polen, Jan Dlugosz, lebte in dieser intellektuell blühenden Epoche (1415-1480). Fast zeitgleich lebten eine Reihe von Schriftstellern und Philosophen, mit denen eine polnische Nationalliteratur begann: Andrzej Frycz Modrzewski, Mikolaj Rej, Jan Kochanowski, Klemens Janicki. Sie unterschieden sich in ihrem Schaffen sehr deutlich von ausländischen und auch von kirchlichen Vorbildern.
Kirche: Reformation und Gegenreformation
Die Reformation stellt eine Erneuerungsbewegung im Christentum dar. Reformation und Humanismus fanden fast gleichzeitig statt. Zu dem Zeitpunkt war die Reformation zwar wichtiger, war aber nur eine Übergangserscheinung im Kulturleben. Der Humanismus wurde fester Bestandteil der Adelskultur.
Die Reformation war nötig, da die Kirche nicht in der Lage war, Fragen zu beantworten, die aus dem neuen humanistischen Geist der Renaissance entsprangen. Unsicherheit war die Folge. Das Gedankengut der Renaissance waren vor allem ein individueller Lebensstil, aber auch der Gedanke über die Trennung von Kirche und Staat und der Wunsch nach Eingrenzung kirchlicher Macht sowie dem Wunsch nach weniger Abgaben an die Kirche. Es war weniger ein Glaubensstreit, vielmehr spielten politische Gründe eine Rolle. Der Adel bildete die Opposition gegen die Geistlichkeit und ihren politischen Einfluss.
Viele Anhänger fand der Gedanke im deutschen Bürgertum und im Adel. Die Einfuhr und der Besitz lutherischer Schriften war strafbar und es gab keine offenen evangelischen Gemeinden, jedoch kam ein gewisser Rückhalt von einflussreichen Bürgern und Adligen. In Polen gab es keinen einzigen Reformator, das Luthertum wurde als wesensfremd empfunden. Auf diesem Boden konnte sich die Gegenreformation entwickeln, dennoch lehnte der katholische König Zygmunt August jegliche religiöse Verfolgung ab. Ab 1565 hatte der Adel völlige Glaubensfreiheit.
Die Gegenreformation hatte aus verschiedenen Gründen Erfolg. Zum einen konnten sich die vier großen reformatorischen Bekenntnisse (Lutheraner, Calvinisten, Böhmische Brüder und Unitarier/Antitrinitarier nicht zu einer Nationalkirche zusammenschließen. Die Kardinäle festigten in den 1550ern die Beziehungen Polens zur Kurie und nötigten den König, härter gegen protestantische Ketzer vorzugehen. Auch im Protestantismus ist ein Grund für das Scheitern der Reformation zu finden. Während sich die römische Kirche reorganisierte, fiel die Struktur des Protestantismus teilweise durch ihre innere Zerrissenheit auf. In der zweiten oder dritten Generation fanden dann die Verfechter der Reformation wieder zum Katholizismus zurück.
Der Staat in der polnischen Renaissance
Durch die Reformation war zwar einiges an Unruhe entstanden, aber trotzdem war der polnische Staat ein Staat von innerer Stabilität. Es herrschte ein ausgewogenes Kräfteverhältnis zwischen Krone und Szlachta. Die Beziehungen Polens zu Litauen wurden vertraglich geregelt. Gegenüber dem deutschen Orden gelang es, Hoheitsansprüche durchzusetzen. Die Konsolidierung der Machtstellung nach außen erfolgte zum einen durch die Beilegung des Streites mit Habsburg um die Nachfolge in Böhmen und Ungarn und zum anderen durch die Absicherung der Ostgrenze gegen die Angriffe Moskaus, der Tataren und der Osmanen.
Quellen
- Hoensch: Geschichte Polens, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1983
- Meyer, E.: Grundzüge der Geschichte Polens, 2. Auflage, wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1977
