Seitdem jeden Tag in diversen Talk-Shows Menschen via Polygraphie-Methode auf Treue beziehungsweise Untreue, Wahrheit oder Lüge geprüft werden, ist das umgangssprachlich auch Lügendetektor-Test genannte Verfahren ein Begriff. In Deutschland wird die Polygraphie-Methode schon seit vielen Jahren in verschiedenen Prozessen angewandt, auch wenn es in den letzten zehn Jahren vermehrt zu Diskussionen bezüglich der Sicherheit und der Zuverlässigkeit der Methode gekommen ist.
Wie funktioniert die Polygraphie-Methode?
Das Polygraphie-Verfahren (Polygraph bedeutet übersetzt Vielschreiber) wird so genannt, da gleichzeitig mehrere Parameter untersucht werden können.
Bei der Polygraphie-Methode wird der zu Untersuchende während einer Befragung an ein spezielles Gerät angeschlossen, das körperliche Parameter wie den Blutdruck, die Atmung, den Puls oder die elektrische Leitfähigkeit der Haut misst.
Grundlage des Testverfahrens ist, dass jeder Mensch für ihn unmerkliche und nicht bewusst steuerbare physiologische Signale abgibt, wenn er eine Situation als bedrohlich bewertet.
Je nachdem, ob eine befragte Person diese Handlung begangen hat oder nicht, resultieren aus den Fragen und Antworten unterschiedliche subjektive Bedeutsamkeiten, die dann von einem speziell ausgebildeten Testleiter ausgewertet werden.
Es gibt zwei verschiedene polygraphische Testverfahren:
Den Tatwissenstest
Hierbei wird der zu Untersuchende nicht direkt gefragt, ob er eine vermeindliche Tat begangen hat oder nicht. Beim Tatwissenstest geht es um ein indirektes Vorgehen. Es geht darum zu fragen, ob die Person Wissen über die das jeweilige Tatgeschehen hat. Daraus ergibt sich dann der Schluss, ob die Person so viel über die Tat weiß, dass sie der Täter gewesen sein muss.
Den Vergleichsfragentest
Der zu Untersuchende wird direkt gefragt, ob er eine gewisse Tat begangen hat. Dann werden noch weitere Fragen (Vergleichsfragen) aus einem anderen Zusammenhang gestellt. Die tatbezogenen Fragen lösen sowohl beim Täter als auch beim Nicht-Täter eine massive Reaktion aus. Beim fälschlich Verdächtigten lösen die Vergleichsfragen aber noch stärkere Reaktionen als die tatbezogenen Fragen aus, während der Täter von der Bedrohung, die von den tatbezogenen Fragen für ihn ausgeht, überhaupt nicht abzulenken ist
Wo wird die Polygraphie-Methode hauptsächlich verwendet?
Hauptsächlich wird die Polygraphie-Methode im Familien- und Strafrecht verwendet. Besonders bei Verfahren, bei denen es um sexuellen Missbrauch und Misshandlung geht. In diesen Fällen können die Opfer beziehungsweise Zeugen oft nicht befragt werden oder liefern keine ausreichenden Aussagen. Wenn Kinder beispielsweise zu jung (unter 4 Jahren) sind oder die Aussage eines Kindes aufgrund von suggestiver Einflussnahme nicht verwertet werden kann. Manchmal werden Kinder auch von einer Befragung ausgeschlossen, um sie vor einer sekundären Traumatisierung zu bewahren. Die Polygraphie-Methode kann dann für den jeweiligen Richter eine wichtige Entscheidungshilfe sein.
Wer kann die Polygraphie-Gutachten erstellen?
Diplom-Psychologen mit einer bestimmten Ausbildung können für Polygraphie-Gutachten bestellt werden.
