
- Volker Benninghoff, Autobiografie - Karl-Heinz Symon
Zwei Jahre lang hatte der Maler Volker Benninghoff an seiner Autobiografie geschrieben. Seinen alten Marburger Freund Karl-Heinz Symon hatte er darum gebeten, das Manuskript abzutippen und in eine Computerdatei zu übertragen und ihm bei Korrekturen und Überarbeitungen behilflich zu sein. Briefe wurden hin und her gewechselt, Symon fuhr zu Besuchen nach Frankfurt, wo Benninghoff seinen Alterswohnsitz eingerichtet hatte, Änderungen wurden eingearbeitet; und schließlich hatte Symon die letzte Nacht über den letzten Korrekturen gesessen, und im Morgengrauen war das Manuskript fertig.
In dieser Nacht jedoch war Volker Benninghoff gestorben
Die Autobiografie war fertig. Der Autobiograf war tot. Karl-Heinz Symon saß da mit seiner Trauer und seinem fertigen Manuskript.
Symon fühlte sich verpflichtet, die Hinterlassenschaft seines Freundes zu einem Buch werden zu lassen, wie dieser es gewollt hatte. Damit hatte er ein schweres Erbe angetreten. Er wandte sich an Marburger Maler, an Verlage. Er bekam viele kostenlosen Ratschläge, von denen einige wertvoll waren. Die Lorraine Ogilvie Galerie (LOG) war bereit, eine Ausstellung mit Werken Benninghoffs zu präsentieren; die fand statt von Juni bis August 2010. Der Verleger des Tectum-Verlages gab ihm eine kurzgefasste Einführung in die Kunst der Verlagsarbeit. Kleine Summen echten Geldes kamen schließlich vom Kaufhaus Ahrens und vom Freundeskreis des Marburger Schauspiels, für das Benninghoff von 1954 bis 1981 gearbeitet hatte: als Bühnenbildner, Regisseur und auch einmal als Geschäftsführender Intendant.
Über den Versuch, Absolutes zu schaffen
Schließlich blieb Karl-Heinz Symon, dem unfreiwilligen Erben einer posthumen Autobiografie, nichts anderes übrig, als tief in seine eigene Tasche zu greifen, wenn er nicht das Vertrauen seines verstorbenen Freundes enttäuschen wollte - zusätzlich zu den hunderten von Arbeitsstunden, die er bereits hineingesteckt hatte und für die ihm keiner mehr dankt. Er ließ 60 Exemplare des Buches auf seine eigenen Kosten drucken. Ein repräsentatives Werk sollte es werden, wie der Autor es sich gewünscht hatte: Hardcover mit Schutzumschlag. Volker Benninghoff war kein Freund von halben Sachen.
Nun erscheint das Benninghoffsche Werk unter dem Titel "Über den Versuch, Absolutes zu schaffen". Es umfasst 256 Seiten, darunter sind 37 Farbseiten von Ölgemälden und zahlreiche Grafiken. 27,50 Euro soll das Exemplar des Buches kosten, womit die reinen Druckkosten knapp gedeckt wären; wegen der großen Bekanntheit Benninghoffs in Marburg glaubt Karl-Heinz Symon, die kleine Auflage verkaufen zu können, auch ohne verlegerische Kenntnisse und Werbegelder.
Im Oktober 2011 wäre Volker Benninghoff 90 Jahre alt geworden - ein gutes Datum, um den Verstorbenen zu feiern und sein Buch vorzustellen. Das dachte sich nicht nur Symon; das dachte sich auch der Marburger Kunstverein, der die Feier der Buchvorstellung am 21. Oktober 2011 in seinen Räumen veranstaltete. Und das dachte sich schließlich auch der Freundeskreis des Hessischen Landestheaters. Auch er zählt zu den Veranstaltern, und der frühere Theaterintendant Eckhard Dennewitz las im Kunstverein aus der posthumen Autobiografie des Malers Volker Benninghoff.
Benninghoff, Volker: Über den Versuch, Absolutes zu schaffen. Autobiografie, Privatedition.
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