Die postmoderne Gesellschaft in Deutschland

Postmoderne Gesellschaft - Stefan Dassler
Postmoderne Gesellschaft - Stefan Dassler
Der Begriff "Postmoderne Gesellschaft" ist unscharf, mehrdeutig und auch umstritten.

Die „Postmoderne“ ist eine geistig-kulturelle Bewegung seit den 1960er Jahren. In den 1980er Jahren zeigte sie sich in Mode, Popkultur, Kunst und postmoderner Architektur. Die postmoderne Gesellschaft ist u.a. geprägt durch die Suche nach (Genuss-) Erlebnissen und die Auseinandersetzung mit individuellen, ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Risiken. Soziale Ungleichheit führt auch in der postmodernen Gesellschaft und der Wohlstandsgesellschaft zur Gefahr der Ausgrenzung von Randgruppen (beispielsweise Migranten, Muslime).

Elemente der Postmoderne

Das postmoderne Denken ist unter anderem durch folgende Elemente geprägt:

  • Absage an den Vorrang der Vernunft und Zweckrationalität
  • Hinwendung zu Aspekten menschlicher Emotionalität
  • Vorstellung von reiner Selbstverwirklichung unter Hintanstellung sozialer und politischer Verantwortung und des Solidaritätsgedankens
  • Kritisches Hinterfragen eines universellen Wahrheitsanspruchs in den Bereichen Philosophie und Religion
  • Im gesellschaftlichen Leben zeigt sich eine Vielzahl von Gruppen und Individuen mit einander widersprechenden Denk- und Verhaltensweisen
  • In der Kunst zeigt sich eine neue Anwendung vorhandener Ideen
  • Feminismus und Multikulturalismus

Kritiker der Postmoderne werfen ihr einen Hang zum Irrationalismus und eine Leugnung der Realität vor. Zudem wird eine Beliebigkeit zu wichtigen Fragen in Kultur und Gesellschaft angekreidet.

Dreistufentheorie

In seiner Dreistufentheorie teilt Inglehart bei den Gesellschaftsformen in vormoderne Gesellschaft (Mangelgesellschaft), moderne Gesellschaft (Streben nach Leistung und Wohlstand) und postmoderne Gesellschaft (Ziel: Selbstverwirklichung) ein.

In der postmodernen Gesellschaft zeigen sich Parallelgesellschaften – beispielsweise Muslime in Deutschland. Damit bezeichnet man eine nicht den Regeln der Mehrheitsgesellschaft entsprechende gesellschaftliche Selbstorganisation einer Minderheit. Am Begriff Parallelgesellschaft wird kritisiert, dass er nur gegenüber einer Mehrheitsgesellschaft zu denken ist beziehungsweise dass man schon von einer Mehrheitsgesellschaft ausgeht.

Trainingsaufgabe:

Mit der Postmoderne verliert alles „Höhere“ wie Anspruch, Moral, Sinn, Normen, Grenzen, Werte, menschliche und politische Ziele an Interesse. Die neuen Schlüsselwörter sind: Konsum, Spaß und Erlebnis, Pluralismus, Dezentralismus, Lifestyle (…) Egoismus. Ethik und ethische Fragen gibt es nicht mehr, da sie anscheinend ein Kommunikationsproblem darstellen. Wissenschaftliche Untersuche aus Erkenntnisinteresse oder Neugier gibt es kaum mehr, denn Forschungsergebnisse sind nur noch relevant und anwendbar, wenn verkäuflich. Mit dem Kapitalismus hat sich die Postmoderne bis in alle Lebensbereiche hinein abgefunden. Geld regiert die Welt und legitimiert Macht (…)

Soziale Beziehungen sind eher spontaner und temporärer Natur. Es geht um die vorteilhafte Inszenierung der eigenen Person, auch auf Kosten anderer, wenn es sein muss. Die Öffentlichkeit wird zum Lebensraum. (…)

(Quelle: http://www.brainworker.ch/Dialog/postmoderne.htm vom 15.09.2008)

1. Welche Vor- und Nachteile hat die postmoderne Gesellschaft aus Ihrer Sicht?

2. Stellen Sie einen Zusammenhang zwischen Postmoderne, Erlebnisgesellschaft und Risikogesellschaft her.

3. Erläutern Sie den Einfluss der Postmoderne auf soziale Beziehungen.

Stefan Dassler, Dipl.-Handelslehrer, Stefan Dassler

Stefan Dassler - Dipl.-Handelslehrer (Studium der Wirtschaftspädagogik mit Schwerpunkt Organisationspsychologie an der Universität ...

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