Die Presselandschaft der DDR

Zeitungen waren im Sozialismus keine Seltenheit, sondern geplant

Wenn auch in den Geschäften der DDR keine große Auswahl bestand: Bei den Tageszeitungen ließen sich die Genossen nicht lumpen. Meinungsfreiheit sah trotzdem anders aus.

Die Presselandschaft der DDR war (ähnlich der in der Bundesrepublik) lokal und regional geprägt. Schon kurze Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) die Weichen für die Entwicklung und Ausbildung des DDR-Mediensystems gestellt. Dies ist durch zwei Entwicklungslinien geprägt:

Die Sowjetische Militäradministration (Smad) gab keine Lizenzen für Tageszeitungen an Privatleute aus (im Gegensatz zur Entwicklung in den westlichen Zonen). Im Gegenteil, sie veröffentlichte die Zeitungen nach eigenem Muster, so zum Beispiel die „Tägliche Rundschau", die größte Tageszeitung der SBZ.

Des Weiteren wurden Lizenzen an Massenorganisationen (zum Beispiel die Freie Deutsche Jugend mit der „Jungen Welt") und Parteien vergeben. Einem privaten Zeitungsmarkt wurde so die Existenz unmöglich gemacht.

Erschwerend für ein pluralistisches Presseleben kam hinzu, dass die Smad bis ins Jahr 1950 durch Kontrolloffiziere die Vorzensur durchführen ließ.

In den siebziger Jahren wurden im ZK Pläne für eine Wiedereinführung der Zensur im Kriegsfall oder der Mobilisierung ausgearbeitet, die allerdings geheim gehalten wurden und keine Anwendung fanden.

Förderung der kommunistischen Blätter

Eine besondere Förderung erfuhr die Presse der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Durch die Zuteilung von Papierkontingenten und Finanzmitteln, die auch in den späteren Jahren als restriktive Maßnahme gegen unliebsame Printprodukte eingesetzt wurde, konnte sich die Presse der KPD gegenüber den (kritischeren) Zeitungen der übrigen Parteien schnell durchsetzen.

Die SED konnte, nach dem Zusammenschluss aus KPD und SPD, als Zentralorgan das „Neue Deutschland" (neben weiteren Kreis- und Landeszeitungen) herausbringen. Bei den Blockparteien verblieb jeweils eine Hauptzeitung in Ostberlin und eine Landeszeitung in jedem der fünf Länder. 1952 veränderte sich mit der Einführung des zentralistischen Systems die Aufteilung der Zeitungen auf die einzelnen Parteien. Die SED konnte diesen Umstand dazu nutzen, jeder ihrer 14 Bezirksparteiorganisationen eine eigene Zeitung zu übergeben. Diese konnten in der Folge in jedem Bezirk für jeden Kreis und jede kreisfreie Stadt eine Regionalausgabe herausbringen.

DDR bei der Gesamtauflage von Tageszeitungen weltweit auf Platz 2

Die Unesco gab für 1987 die Zahl von neun Millionen Tageszeitungsexemplaren in der DDR an, mit 550 Exemplaren je 1.000 Einwohner stand sie demnach hinter Japan (562) an weltweit zweiter Stelle (Bundesrepublik: 350 Exemplare).

Die untersuchte Tageszeitung „Neues Deutschland" nahm mit einer Auflage von mehr als einer Million Exemplaren eine besondere, wenn nicht die wichtigste Stellung auf dem Zeitungsmarkt der DDR ein. Deswegen wurde sie in die vorliegende Analyse als Untersuchungsobjekt aufgenommen.

Auch im Verlagswesen nahm die SED eine führende Rolle ein. Die „Vereinigung Organisationseigener Betriebe Zentrale Druckerei-, Einkaufs- und Revisionsgemeinschaft" (VOB Zentrag) stellte fast 90 Prozent der Druckkapazitäten der DDR; neben ihr existierten vier weitere VOBs der übrigen Parteien.

Allgemein lässt sich festhalten, dass den „konkurrierenden" Zeitungen neben denen der SED nur die Rolle eines „publizistischen Feigenblattes" zugeordnet werden kann. Sie waren kein Ausdruck von Pressevielfalt.

Dennis Schmidt, Dennis Schmidt

Dennis Schmidt - Von der Schülerzeitung zur Lokalzeitung zu Suite 101, so kann der Weg gehen, zumindest bei Dennis Schmidt aus Korbach. Dabei stand am ...

rss