
- Viele versunkene Schiffe hatten Schätze an Bord - Vincenzo Pascale
Vor einiger Zeit bot ein großer, deutscher Münzhändler in seinem Prospekt originale Schiffswrackmünzen zum Kauf an. Das Angebot war regelrecht eine Sensation, denn für gewöhnlich gelangen Münzen oder Artefakte aus versunkenen Schiffen nicht in den freien Handel. Zumindest sind solche Münzen nicht der breiten Masse zugänglich, sondern wandern häufig in die Depots der Museen oder werden in den renommierten Aktionshäusern an betuchte Investoren versteigert.
Diese beworbenen Münzen jedenfalls stammten aus dem Atlantik, genau genommen aus einem dort gesunkenen Schiff. Über 250 Jahre sei das Schiffswrack unentdeckt mit seinen Schätzen auf dem Meeresgrund gelegen und erst vor kurzem geborgen worden. Und in diesem Fall konnte man wirklich von einem Schatz sprechen. Sage und schreibe 20 Kisten voll mit Silbermünzen hatte das Schiff geladen, insgesamt an die 73.000 Münzen. Bei dem untergegangenen Schiff handelt es sich um das britische Handelsschiff „Princess Louisa“. Und die Geschichte ihres Untergangs ist genauso spektakulär wie der Schatz.
Britisches Handelsschiff „Princess Louisa“ sank vor den Kapverden
Am 19. April 1743 ereignete sich die Katastrophe. Das britische Handelsschiff „Princess Louisa“ war auf seinem Weg von Portsmouth nach Bombay. Dabei musste es die Inseln von Cape Verde umsegeln. Die Gewässer um die Inseln waren zu der Zeit bereits wegen der gefährlichen Riffe und der heftigen Stürme gefürchtet. Schon manches Schiff hatte dort bereits sein nasses Grab gefunden. Dieses Schicksal sollte auch der „Princess Louisa“ ereilen. Gegen Mitternacht des 18. Aprils herrschte ein heftiges Unwetter. Durch den schweren Seegang war das Manövrieren des Schiffs in den gefährlichen Gewässern um die Kapverdischen Inseln ein regelrechter Spießrutenlauf. Als es die Insel Maio passieren wollte, geschah das Unglück. Es lief auf ein Riff auf. Doch die „Princess Louisa“ versank nicht sofort in den Tiefen des Meeres. Im immer noch tosenden Sturm entbrannte bei der Besatzung auf dem havarierten Schiff ein schrecklicher Kampf um Leben und Tod.
Der Kapitän des Schwesterschiffs, die „Winchester“ - die „Princess Louisa“ war mit ihr im Konvoi unterwegs - hatte bei Tagesanbruch das gestrandete Schiff zwischen den Felsen entdeckt. Kapitän Steward ließ gleich zwei Boote zu Wasser, um die Besatzung der „Princess Louisa“, die an Deck um Hilfe riefen, zu retten. Doch sie mussten die Rettung abbrechen. Der Wellengang war zu hoch. Die „Winchester“ musste abdrehen, um nicht selbst gegen die Riffe gedrückt zu werden, die der „Princess Louisa“ schon zum Verhängnis geworden waren. Als die „Winchester“ geraume Zeit später einen zweiten Rettungsversuch unternehmen wollte, war es schon zu spät. Alle Masten waren von der See vom Deck der „Princess Louisa“ weg gewaschen worden. Keiner von der Besatzung war mehr zu sehen, kein Lebenszeichen auf dem Wrack zu erkennen.
Havarie vor den Kapverdischen Inseln – Schiff gesunken
Am Morgen des 19. April 1743 brach das Schiff dann auseinander und versank mit ihrer gesamten Ladung im Meer. Bei diesem Schiffsunglück kamen 74 Menschen ums Leben. Dennoch überlebten vierzig Seeleute die Havarie, darunter auch Kapitän Pinson und der Schiffsarzt Steven Lightfoot. Dieser gab später zu Protokoll, dass viele Mitglieder der Besatzung in ihrer Verzweiflung ganze Brandyflaschen geleert hatten, in der Hoffnung, damit die qualvollen Schmerzen des unausweichlichen Todes erträglicher zu machen. Manche versuchten auf diese Weise auch ihr schlechtes Gewissen zu ertränken, denn der nahende Tod hatte ihnen ihr lasterhaftes Leben vor Augen geführt.
Das Schiff war mit Kisten voller Münzen und Elfenbein beladen
Die „Princess Louisa“, vom Schiffstyp ein so genannter Ostindienfahrer, hatte zwei Decks, verfügte über drei Masten und war mit 30 Kanonen bestückt, um sich vor Überfällen von Freibeutern zu schützen. Sie war als Handelsschiff im Dienste der britischen East India Company (Ostindien-Kompanie) unterwegs und hatte auf ihrer vierten Reise, die die letzte im aktiven Dienst sein sollte, neben den 20 Kisten Silbermünzen, 822 Elefantenstoßzähne aus Elfenbein, Munition und Textilien geladen.
300 Schiffswracks werden vor den Kapverdischen Inseln vermutet
Die Gewässer rund um die Kapverdischen Inseln waren schon seit jeher wegen den Stürmen und der gefährlichen Riffe, die bei Nebel noch schlechter zu sehen waren, bei den Seeleuten gefürchtet. Doch wegen der Nord-Ost-Winde wählten die Kapitäne, die auf dem Weg nach Brasilien oder zum Kap der Guten Hoffnung waren, dennoch immer wieder diese Route. Und so wurden über die Jahrhunderte die von heftigen Stürmen heimgesuchten Gewässer vor den Inseln der Westküste Afrikas so manchem Schiff zum Verhängnis. Nach historischen Dokumenten zufolge sollen dort, rund um die Kapverdischen Inseln, an die 300 Schiffe gesunken sein. Diese hohe Konzentration an Schiffswracks macht das Meer um die Kapverden zu einer Schwerpunktregion, einem Hot Spot, für die Suche nach versunkenen Schiffen und deren Schätze.
Schatz aus dem Schiffswrack „Princess Louisa“ wurde geborgen
Nach einer viel versprechenden Recherche erwarb die portugiesische Firma Arqueonautas Worldwide S.A. mit Sitz auf Madeira exklusiv eine Lizenz in den Hoheitsgewässern der Kapverden nach versunkenen Schiffen zu suchen und diese zu bergen. Von 1995 bis 2002 konnten von der Gesellschaft 146 Schiffswracks geortet und zwölf davon geborgen werden, wovon eines die „Princess Louisa“ war. Die Bergung der Ladung der „Princess Louisa“ war äußerst erfolgreich. Es wurden neben Tausende von Silbermünzen, auch Elefantenstoßzähne und unzählige Musketenkugeln vom Grund des Meeres geholt.
Bei den Münzen handelte es sich um spanische Reales. Diese waren in den spanischen Kolonien der neuen Welt hergestellt worden. Das Schiff führte eine solch große Menge an Silbermünzen mit, da diese in Bombay eingeschmolzen werden sollten. Die Silbermünzen der Spanier waren zuvor durch Handel und Freibeuterei in den Besitz der Briten gelangt.
Schatzjäger vermuten zahlreiche Schätze auf dem Grund der Meere
An die drei Millionen Schiffswracks liegen noch heute auf dem Grund der Meere und warten darauf, entdeckt zu werden. Und bei ungefähr 3.000 vermutet man unermessliche Schätze, die auch trotz der hohen Kosten für die Bergung noch einen beträchtlichen Gewinn abwerfen. Die Schatzsuche in den Weltmeeren ist sozusagen ein lukratives Geschäft geworden. Nicht umsonst wurden in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Firmen wie die Arqueonautas Worldwide S.A. gegründet. Die nächste spektakuläre Erfolgsmeldung der Unterwasser-Schatzjäger lässt mit Sicherheit nicht lange auf sich warten.
