Kultur und Religion der Sikhs - Die Prinzessin und der Löwe

Karte mit der Lage des Panjab - Sylvia Prokop
Karte mit der Lage des Panjab - Sylvia Prokop
Die Reise zur Religion der Sikhs führt in das 17.Jh., die Blütezeit des Bundesstaates Panjab. Die Anfänge sind schon im 13.Jh. begründet.

Punjab = Panjab = Pandschab (Achtung: gleichnamige Provinz in Pakistan!). Die Namensgebung kommt aus dem Persischen: Panj-ab = fünf Wasser. Bezogen ist der Name auf die fünf Flüsse, die durch diesen – im NW Indiens liegenden Bundesstaat - fließen: Ihelum, Chenab, Ravi, Beas, Sutlej. Die Richtigkeit des Namens ist durch historisch bedingte Grenzverschiebungen nicht immer gegeben. Die Hauptstadt heißt Chandigarh. Panjab hat ca. 27 Mio Einwohner und eine Fläche von 50.362 qkm, welche hauptsächlich landwirtschaftlich genutzt wird.

Religion

Die Hauptreligion des Bundesstaates heißt Sikh. Entstanden ist sie im 15. Jh n.Chr. und zählt mit ihren 20 Mio Anhängern zu den jüngsten monotheistischen Weltreligionen. Ihr Stifter war der GURU NANAK DEV. Inklusive seiner Nachfolger kennen die Sikhs (= Schüler) 10 Gurus (diese haben sich selbst nie als Guru gesehen und auch nicht so genannt, die Sikhs geben ihnen aus Respekt diesen Titel).

  • Guru Nanak Dev 1469–1539
  • Guru Har Gobind 1595–1644
  • Guru Angad Dev 1504–1552
  • Guru Har Rai 1630–1661
  • Guru Amar Das 1479–1574
  • Guru Har Krishan 1656–1664
  • Guru Ram Das 1534–1581
  • Guru Teg Bahadar 1621–1675
  • Guru Arjan Dev 1563–1606
  • Guru Gobind Singh 1666–1708

Unter der Regierung des Nuruddin Jahangir (1569-1627) verfolgt, gründeten die Sikhs - durch ihre Einheit gestärkt - 1799 ein Reich unter Ranjit Singh, das sie jedoch durch die Annektierung der Briten (1849) wieder verloren.1947 wurde Indien unabhängig. Der Großteil des Panjabs fiel an Pakistan, der Rest blieb indisch.1966 bekommen die Sikhs die Panjab-Suba (Suba=Provinz) und die Hindu-Gebiete werden abgetrennt. In dem heutigen Bundesstaat Panjab leben hauptsächlich Sikhs.

Die Lehre der Gurus

  • Verinnerlichung der Tugenden Gottes
  • Ablehnung sozial konstruierter Vorurteile
  • Gotteshingabe durch Dienst am Menschen
  • Die Menschheit als Einheit anzuerkennen
  • Wichtigkeit von Weisheit (Gian), offener Diskussion sowie kritischer Reflexion (Wichar)
  • Streben nach spiritueller Entwicklung
  • Gleichberechtigung von Frau und Mann
  • Gerechtigkeitsdenken und demokratischer Konsens, der auf Qualität beruht
  • Harmonie von Wissen und Religion
  • Konzentration auf innerer und äußerer Stimmigkeit
  • Bedeutsamkeit ehrlicher Arbeit
  • Übereinstimmung von Wort, Haltung und Tat
  • Wertschätzung von Gastfreundschaft, Heirat und Familie
  • Regelmäßiges Gebet, Verständnis der rezitierten Inhalte, Umsetzung im Alltag
  • Ablehnung religiöser (bezahlter) Ämter wie Priester
  • Ablehnung von Ritualen und Aberglauben

Guru Granth Sahib (GGS)

Die Gebote stammen aus dem Guru Granth Sahib. Dieser (auch Adi- Granth-Ur-Buch) ist die heilige Schrift der Sikhs. Der GGS wird als lebendiger Guru angesehen. Die Sprachforscher meinen, dass Guru Nanak und seine 3 Nachfolger die Verse des Guru Granth Sahib niederschrieben und dem jeweils nachkommenden Guru weitergaben. Der Fünfte (Guru Arjan Dev) hat sie dann schließlich zu dem heute als Kopie des Originals geltendem „Katapuri Birr“ vereinigt. Die Verse (Gurbani) wurden in poetischer und bildhafter Sprache verfasst.

Lebensweise der Sikhs

Alle Frauen heißen mit Nachnamen Kaur (=Prinzessin) und alle Männer Singh (=Löwe). Eingeführt wurde diese Tradition von Guru Gobind Singh im 17. Jh.. Manche tragen allerdings trotzdem – im Wiederspruch zum GGS – einen zusätzlichen Kasten- oder Berufsnamen. „Löwe“ hat die Bedeutung, dass der Mann auch als Einzelner seine Sicherheit nicht verliert und somit in der Lage ist seinen eigenen Lebensweg zu gehen. Mit „Prinzessin“ meint man, dass eine Frau sowohl äußerlich als auch innerlich schön ist, einen edlen Charakter besitzt und ein würdevolles Leben führt. Inneres und Äußeres bilden eine anmutige Balance. Kaur und Singh stehen also für ein hohes Lebensprinzip. Sie leiten und werden nicht geleitet. Jeder für sich repräsentiert dabei ein Teilprinzip.

Sylvia Prokop, Sylvia Prokop

Sylvia Prokop - Trainerin für Verkauf, Kommunikation, Rhetorik, Motivation, Deutschtrainerin für Migranten (Österreichisches ...

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