
- Nonnen - PhotoDisc Ressource Book 4
Benedikt von Nursia entstammte altem römischem Landadel. Nach seiner Jugend in Nursia studierte er Rechte in Rom, aber schon bald war er das oberflächliche Leben seiner Zeitgenossen leid und begann seine Gottsuche. Nachdem Benedikt die Universität verlassen hatte, schloss er sich einer Asketengemeinschaft an und lebte als Einsiedler in der Grotte bei Subiaco. Bald sammelten sich andere Gottsucher um ihn. Auch sie suchten nach einem sinnerfülltem Leben, so dass Benedikt um 534 die Lebensweisheiten, die er an seine Mitbrüder im von ihm gegründeten Kloster Montecassino weitergeben wollte, niederschrieb. 547 verstarb Benedikt in Montecassino.
Benedikt von Nursia – Leben nach Maß oder ein Leben in Balance und Harmonie
Benedikt schrieb seine Regel als Anleitung für Gott suchende Menschen. Noch heute gilt sie als Leitfaden für alle, die ein spirituelles Leben suchen. Der Mönchsvater ordnete in der Regel das Leben seiner Mönche: Wie soll man menschlichen Bedürfnissen entgegenkommen? Was und wie viel soll man essen und trinken? Welchen Stellenwert haben Arbeit und Ruhe? Und welche Bedeutung hat das Schweigen? Vor allem aber widmete Benedikt sich den menschlichen Schwächen und Führungsaufgaben. Über allem aber stand immer das rechte Maß; Harmonie und Balance würden wir heute wohl eher sagen.
Leben nach Maß – Lebensweisheit für heute?
Alles sollte zur rechten Zeit und im ausgewogenen Maß erfolgen. Dies ist die Grundbotschaft benediktinischer Lebensweisheit und somit nicht nur eine Richtschnur für Ordensleute. In der heutigen Informationsgesellschaft ist es schwierig das rechte Maß zu finden: Rund um die Uhr kann man konsumieren und kommunizieren. Auch wenn die Geschäfte geschlossen haben; über das Internet lässt sich leicht shoppen. Die elektronische Post erreicht uns zu jeder Tages- und Nachtzeit; immer kann man e-mailen, chatten und sms’en; alle sind weltweit verdrahtet. Ein großer Fortschritt, ohne Zweifel; aber leider verliert man auch schnell das rechte Maß.
Der Wechsel von Arbeit und Ruhe
Benedikt teilte den Tag in Arbeits- und Gebetszeiten ein, denn Mönche sollten ihren Lebensunterhalt durch ihrer Hände Arbeit verdienen. Aber sie durften nicht vergessen, dass sie ihr Leben Gott geweiht hatten. Dieser Wechsel von Arbeits- und Gebetszeiten hilft den Mönchen die Balance nicht zu verlieren und ein erfülltes Leben zu führen.
Impulse für heute
· Wie sind die Ruhe- und Arbeitsphasen auf dem Tag verteilt? Nur wer sich Pausen gönnt, bekommt kreative Ideen und schöpft neue Kraft.
· Oft hilft ein Tagesraster mit klar definierten Arbeits- und Ruhepausen, wobei es wichtig ist, sich zumindest am Mittag eine Ruhepause zum Aufatmen zu gönnen.
· Leben besteht aus Wechsel von Ruhe und Bewegung. Ist der Tag von Unruhe geprägt, sollte der Abend Ruhezonen enthalten. Oft hilft ein freier Tag pro Woche.
· Bei einer statischen Tätigkeit sollte man bewusst immer wieder vom Schreibtisch aufstehen.
· Auch zu Hause ist Bewegung angesagt: Einkäufe können zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigt werden; man kann die Treppe statt den Aufzug nehmen.
Die Bedeutung des Schweigens
In jedem Kloster gibt es Orte und Zeiten, wo geschwiegen wird, während wir außerhalb des Klosters oft einer Dauerberieselung von Worten, Bildern und Leuchtreklamen ausgesetzt sind. Einige Menschen fühlen sich unwohl und werden nervös, wenn es einmal ruhig ist. Völliges Schweigen ist in unserer Kommunikationsgesellschaft schwer, denn Schweigen will gelernt sein.
Impulse für heute
· Der Tag sollte mit ein paar Schweigeminuten nach dem Aufstehen in Stille begrüßt werden.
· Um sich auf die Ruhe der Nacht vorzubereiten, ist es gut, den Tag Revue passieren zu lassen und in Stille ausklingen zu lassen.
· Worte sollten bewusst gewählt werden, bevor man sie ausspricht.
Das Rechte Maß beim Essen und Trinken
Benedikt hatte weitsichtige Vorgaben, was das Essen und Trinken der Mönche angeht, aber er warnte vor Übersättigung. Aufgrund moderner Produktionsmittel und Vertrieb ist es heute möglich, überall fast alles zu essen. Kirschen und Erdbeeren kann man im Winter kaufen und Apfelsinen im Sommer. Die Verfügbarkeit nimmt den Speisen aber auch ihren Reiz. Was man nur zeitlich begrenzt erhält, schätzt man neu.
Die Ernährungsratschläge, die Benedikt seinen Mönchen ans Herz legte, sind auch heute noch gewinnbringend umzusetzen:
Impulse für heute
· Essen mit Maß beinhaltet regelmäßige Mahlzeiten, die immer zur gleichen Zeit eingenommen werden.
· Spätes Essen sollte vermieden werden. Die letzte Mahlzeit sollte vor 19.00 Uhr eingenommen werden, um die Verdauung vor dem Schlafengehen abzuschließen.
· Regionale Produkte sowie Obst und Gemüse der Saison sollten auf den Tisch kommen.
· Übermäßiger Fleischgenuss sollte vermieden werden.
· Aber ein Gläschen in Ehren darf niemand verwehren: Deshalb sollten Festtage auch festlich begangen werden.
Benutzte Literatur: Petra Altmann. Odilio Lechner: Leben nach Maß. Die Regel des heiligen Benedikt für Menschen von heute. Herder 2009.
