Die "Reichskristallnacht" in Österreich 2012

schlagend verbunden - Peter Lachnit
schlagend verbunden - Peter Lachnit
Für Entsetzen sorgte der FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache mit seinen Aussagen beim umstrittenen Burschenschafterball in der Wiener Hofburg.

"Wenn die Sonne der Kultur tief steht, werfen selbst die Zwerge lange Schatten." (Zitat Karl Kraus). Dieses Zitat ergänzt der über die Grenzen bekannte Austro-Volksmusikrocker Hubert von Goisern in einem Interview für das österreichische Wochenmagazin NEWS derart :"Der Schatten, den Heinz-Christian Strache wirft, ist schon ziemlich mächtig.

"Wir sind die neuen Juden"

Der Ball des Wiener Korporiertenrings (WKR-Ball) ist ein Zusammentreffen rechtsgerichteter, teils auch schlagender Studentenverbindungen. Das dieser Ball ausgerechnet am 27. Jänner stattfand, dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Ausschwitz durch die Rote Armee sorgte schon im Vorfeld für Unmut. Das Heinz-Christian Strache, der sich zum Ziel gesetzt hat, nach den nächsten Wahlen österreichischer Bundeskanzler zu werden, auf perfideste Weise Öl ins Feuer gießen würde, hätten sogar politische Beobachter in dieser Weise nicht erwartet. Er bezeichnete die Teilnehmer des Ballfestes aufgrund der Demonstration, die vor der Hofburg stattfand, als "neue Juden" und angebliche Angriffe auf Burschenschafter-Buden als "Reichskristallnacht".

"Reichskristallnacht" war der Beginn der Shoa

Historiker sind sich einig, dass die "Reichskristallnacht" des Jahres 1938 der Beginn in Deutschland und der "Ostmark" für die Verfolgung und Auslöschung der Juden vorerst in den Kernländern und dann in den eroberten Gebieten während und nach dem Krieg systematisch fortgesetzt werden wird. Heinz-Christian Strache zog diesen Vergleich am WKR-Ball. Die Ballbesucher werden von linken Demonstranten bedroht wie "neue Juden", Burschenschafter-Buden angezündet. Dokumentierte Vergleiche gibt es tatsächlich. In der "Reichskristallnacht" des Jahres 1938 wurden alleine in der "Ostmark" dreißig Juden getötet, 7.800 verhaftet und 4.000 aus Wien in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Am 27. Jänner 2012 wurde laut offiziellem Polizeibericht kein Ballbesucher von Demonstranten verletzt, Eine Studentenbude wurde versucht in Brand zu setzen.

Keine Scheu mehr vor Wiederbetätigung

Heinz-Christian Strache hat in den letzten Jahren mit Vehemenz versucht, sein Vorbild Jörg Haider zu übertreffen und tatsächlich erstmals als FPÖ-Politiker Bundeskanzler zu werden. Dazu ist ihm jedes Mittel recht. Verhetzung, innenpolitische Klüfte aufreißen, das Repertoire ist unüberschaubar. War seine letzte Kampfansage gegenüber türkischen Migranten, scheint er jetzt alle Hemmungen verloren zu haben und greift auf nationalsozialistische Termini zurück. Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Ariel Muzicant, hat eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft Wien geschickt, sie sieht einen Verstoß gegen das österreichische NS-Verbotsgesetz vor. Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer hat auf Straches Ausritte reagiert. Das vorgesehene "Große Goldene Ehrenzeichen mit dem Stern" der Republik Österreich für Politiker im Parlament, ein automatisierter Orden, wurde für Heinz-Christinan Strache zurückgestellt. Erstmals in der Geschichte des Landes und vielleicht ein Zeichen.

Quelle: Magazin NEWS: derstandard; diepresse

Peter Lachnit , Peter Lachnit

Peter Lachnit - Geboren 1959 in Klosterneuburg (Niederösterreich). Seit 1981 journalistisch tätig. Studium der katholischen Theologie ...

rss